Rede zum Neujahrsempfang am Januar 2016

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

„Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita.“

 

Mit diesem, vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Zitat aus einer Inschrift auf der Außenfassade der Estinger Schlosskapelle, möchte ich Sie alle ganz herzlich zum Neujahrsempfang 2016 der Stadt Olching willkommen heißen und Ihnen, auch im Namen des gesamten Stadtrats, ein gesundes, zufriedenes und erfolgreiches Neues Jahr wünschen.

Nun bin ich mir sehr bewusst, dass hier im Saal nicht nur Lateiner sitzen. Diesen Teil der Gäste erlaube ich mir noch ein bisschen auf die Folter zu spannen. Schließlich muss es sich doch wenigstens heutzutage noch einmal, wenn auch nur für einen kurzen Moment, gelohnt haben, sich durch die staubigen Lehrbücher, einer ähnlich staubigen Sprache gequält zu haben.

Dieses Zitat hat Olching – Entschuldigung Esting – übrigens im vergangen Jahr weltberühmt gemacht. Die mächtigsten Frauen und Männer der Welt konnten es in Händen halten und staunend lesen, wie wir Bayern uns selber gerne sehen.

Waren es also 2014 der Film „Die Bücherdiebin“ und der junge Olchinger Schauspieler Nico Liersch, die den Namen Olching in die Welt getragen haben, so war es 2015 die Estinger Schlosskapelle.

Den Künstler, dem wir dieses Zitat auf der Fassade zu verdanken haben, Herrn Karl Sonner, können wir heute leider nicht mehr begrüßen. Das Zitat ist auf einer Fahne angebracht, deren Träger, den ehemaligen Olchinger Pfarrer Friedrich Pfanzelt darstellen soll. Auch er weilt heute nicht mehr unter uns, wir werden aber von ihm, einem sehr strengen Wächter über Sitte und Moral in dieser Stadt, später noch hören.

Dafür freut es mich umso mehr, dass die heutigen Besitzer, die sich so liebevoll und mit großem finanziellem Einsatz um das Estinger Schlossensemble bemühen, die Familie Braun, meiner Einladung gefolgt ist. Herzlich willkommen.  

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

mit dem Neujahrsempfang möchte die Stadt Menschen danken, die sich für die Stadt besonders engagieren, Gutes tun, die den Namen der Stadt in die Welt hinaustragen, die Großes geleistet haben, die Menschen gerettet haben oder für unser Gemeinwohl Verantwortung tragen.

Dafür wollen wir heute Ihnen allen danke sagen, wir wollen dieses Engagement würdigen und gebührend ehren.

Gestatten Sie mir zunächst, einige Gäste unter Ihnen persönlich zu begrüßen. Ich möchte Sie bitten, den Applaus, wenn möglich, bis zum Ende der Begrüßungen aufzusparen.

Ich freue mich sehr, als Vertreter der Kirchen Herrn Pfarrer Steindlmüller von St. Peter und Paul begrüßen zu dürfen.

 

Darüber hinaus begrüße ich ganz herzlich

  • die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler,
  • Bezirksrat Herr Martin Eberl,
  • die Damen und Herren aus dem Kreistag,
  • meine Stellvertreter, unseren Bürgermeister, Robert Meier, und unseren 3. Bürgermeister, Fritz Botzenhardt,
  • Herrn Altbürgermeister Ewald Zachmann,
  • sowie alle weiteren Damen und Herren des Olchinger Stadtrates, die heute anwesend sind.
  • Grüßen darf ich Sie ganz herzlich von den Bundestagsabgeordenten Gerda Hasselfeldt und Beate Walter-Rosenheimer, Herrn Ersten Vizepräsidenten Reinhold Bocklet und der Abgeordneten des Landtages Katrin Sonnenholzner, die heute aufgrund anderer Termine nicht bei uns sein können.

 

Nun komme ich zu den Menschen, derentwegen wir alle heute hier sind – die Ehrenamtlichen aus unseren Vereinen. Von den derzeit 140 Olchinger Vereinen sind heute 82 mit einem Vorstandsmitglied vertreten.

Ihnen und allen Vereinsvertreterinnen und -vertretern für Ihre Arbeit, Ihr Engagement und Ihr Herzblut, von dem letztlich ganz Olching profitiert, ein großes Dankeschön. Bitte geben Sie diesen Dank auch an Ihre jeweiligen Vorstandskollegen weiter.

Ganz besonders herzlich heiße ich natürlich auch alle anderen unserer geschätzten Gäste willkommen, die ich nicht namentlich begrüßen konnte.

Schön, dass Sie gekommen sind.

 

Neben den üblichen Rückblicken, Jahrestagen, und den verschiedensten Jahresprämierungen, wie Vogel des Jahres, Mitarbeiter des Jahres und Auto des Jahres – wird vermutlich in 2015 kein Volkswagen –, gibt es auch das Wort und das Unwort des Jahres.

2015 stehen beide Wörter - von zwei unterschiedlichen Jurys auserkoren - für ein und dasselbe Thema. Das Wort des Jahres 2015 ist „Flüchtlinge“ und das Unwort des Jahres lautet „Gutmensch“.

Beides haben wir in unserer Stadt, wobei ich ausdrücklich nicht die eigentliche Definition von Gutmensch meine, die nämlich Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom abstempelt.

Das Gegenteil ist der Fall, wir sind froh und glücklich, dass wir viele gute Menschen in unserer Stadt haben, die ehrenamtlich und mit vollem Elan und Engagement, teilweise trotz kritischem Beäugen so manches Mitbürgers sich für die bei uns untergebrachten Flüchtlinge einsetzen.

In diesen herausfordernden und unruhigen Tagen ist diese Hilfe für Staat und Stadt unbezahlbar wichtig. Und aus diesem Grund möchte ich heute, ganz zu Beginn, ein herzliches Dankeschön im Namen der Stadt Olching an die rund 200 Helferinnen und Helfern in den entsprechenden Gruppen richten. Stellvertretend bitte ich Karl Heinz Theis, Christina Tupac, Stefanie Keller, Melanie Muschik-Schuster und Georg Draude zu mir nach vorne. Neben Blumen und Wein aus unserer französischen Partnerstadt Feurs darf ich eine Dankurkunde für die geleistete Arbeit übergeben.

 

Herzlichen Dank!

 

Lassen Sie mich auch Dank an die jenigen unter Ihnen sagen, die letztes Jahr so großzügig meiner Bitte nachgekommen sind und unser Projekt „Malariahilfe Olching, Rettet die Kinder“, üppig mit Spendengelder bedacht haben. In 2015 sind insgesamt über 30.000 Euro zusammengekommen.

Sie können sich sicher vorstellen, wie viel Gutes mit diesem Geld unser Ehrenbürger Josef Aicher, der im vergangenen Jahr völlig verdient das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat, im Kongo bewirken kann und wie viele Kinder gerettet werden konnten.

Ich bin sehr stolz auf diese Stadt. Vielen Dank!

Aktuell gibt es übrigens ein neues Projekt. Ein Schulgeldfonds soll es möglichst allen Kindern erlauben in der Region Yaloya auch Schulbildung erfahren zu können. Wenn Sie mehr wissen wollen, sprechen Sie die Verantwortlichen der Olchinger Kolpingsfamilie gerne an.

 

Dass die Schulbildung bei uns in der Stadt auf äußerst hohen Niveau ist, haben neben der Grundschule Esting, die zum wiederholten Male als Umweltschule ausgezeichnet wurde, die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasium Olching bewiesen. Ich bitte daher zu mir nach vorne: Andreas Rauwolf und Oliver Schuppach.

Im Rahmen des Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis“, der von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband (DPhV) getragen wird, erreichte das Gymnasium Olching mit dem Projekt „My Science – Ich lebe Wissenschaft!“ den 1. Preis in der Kategorie Lehrer – Unterricht innovativ.

Dazu ein herzlicher Glückwunsch der Stadt Olching für dieses über das Normalmaß hinausgehende Engagement für unsere Schülerinnen und Schüler.

 

Beim anschließenden Empfang unten können Sie sich an der kleinen Kunstausstellung erfreuen. Hierfür möchte ich mich bei den „Freien Künstlern Olching“ bedanken. Und auf dem Weg dorthin finden Sie einen Informationsstand zur Fair-Trade-Initiative der Stadt Olching.

Zum Schluss begrüße ich als Mitgestalter des heutigen Abends die Musikgruppe „Funtasten“ von der Musikschule.

 

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Meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita.“

Sie erinnern sich.

Für die Nichtlateiner unter uns, hier die Übersetzung: “Außerhalb Bayerns ist kein Leben, und wenn es ein Leben gibt, dann kein solches.“

Was also hat dieser selbstbewusste Ausspruch auf der Estinger Schlosskapelle mit dem Jahr 2015 zu tun, und wie kam er in die Hände der Mächtigen dieser Welt?

Zu verdanken haben wir es wohl der Bayerischen Staatsregierung, die anlässlich des im Frühjahr die Medien beherrschenden Themas G 7 Gipfel in Elmau, den Staats- und Regierungschefs ein exklusives Buch über Bayern als Gastgeschenk aushändigte.

Dieses Buch, wurde eigens für diesen Anlass hergestellt und zeigt unter dem Titel „Bayern. Land im Herzen Europas“ auf 250 Seiten ein facettenreiches und sehr von sich überzeugtes Bayern. Es beginnt, wie könnte es auch anders sein, mit dem verträumten Blick auf Schloss Neuschwanstein und den Worten des österreichischen Schriftstellers Hermann Bahr: „Dem Bayern ist das Leben ein täglich sich erneuerndes Fest!“

In diesem Zusammenhang frag ich mich, meine sehr verehrten Damen und Herren, warum eine Zeit lang Österreicher Witze gerade bei uns Bayern so hoch im Kurs standen, sind sie doch scheinbar glühende Fans, unserer bayerischen Lebensart, oder war der Ausspruch gar etwas ironisch gemeint? Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall kommen neben Laptop und Lederhose noch der Papst, Thomas Müller – auf einer Doppelseite – und der Komiker und waschechte Niederbayer Django Asül vor. Dieser heißt übrigens im richtigen Leben Ugur Bagislayici und wird am Donnerstag, den 19. Mai 2016, bei uns in Olching, im Rahmen des Kabarettabends auf dem Olchinger Volksfest, zu Gast sein. Karten für diesen satirischen Leckerbissen sind bereits im Vorverkauf erhältlich, die Nachfrage ist groß. Beeilen Sie sich.

Das Bayernbuch schließt mit einem ausgestreckten Zeigefinger und den Worten der Bayernhymne. Und ganz am Ende steht dann unser Zitat. Groß, mittig, weiße Schrift auf blauem Hintergrund. Unübersehbar.

Ich bin mir sicher, Präsident Barack Obama hat es gelesen. Was er sich dabei gedacht hat, ist nicht überliefert. Vielleicht hat er es mit einem Lächeln bedacht. Schließlich haben die Europäer seinerzeit, bereits gedacht, sie wären der Nabel der Welt, es gäbe nicht viel mehr um sie herum und da hat 1492 plötzlich dieser Christoph Kolumbus Amerika entdeckt.

Wahrscheinlich hat der US-Präsident sich aber gar nichts gedacht, denn sollte Obama kein Latein sprechen und auch kein Deutsch, was wahrscheinlich ist, dann hat er unser wunderbares Zitat ja erst gar nicht verstehen können.

 

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ Ein Zitat von Richard von Weizsäcker, dem für mich bisher bedeutendsten Bundespräsidenten, der leider im vergangenen Jahr von uns gegangen ist.

 

Ja, ich glaube, er hat sehr recht mit diesem Ausspruch. Ich habe mir daher für 2016 vorgenommen die Geschichte unserer Stadt wieder mehr in den Fokus zu rücken. In unserer schnelllebigen Zeit, in der kaum Zeit bleibt inne zu halten, wird die Gegenwart zu schnell zur Vergangenheit und die Vergangenheit zu schnell vergessene Geschichte.

Ich möchte daher den Versuch unternehmen unsere städtische Chronik, die seit vielen Jahren vergriffen ist und bereits mit dem Jahr 1994 endet, fortschreiben zu lassen. Gerade für eine Stadt, wie unsere, die einen solch rasanten Bevölkerungswachstum zu verzeichnen hat, über 27.000 Menschen leben aktuell in Olching, ist es meines Erachtens unerlässlich für eine Bindung mit der neuen oder alten Heimat die Geschichte seines Wohnortes zu kennen, um zu verstehen, warum manches so ist, wie es eben ist.

 

Dass es spannend sein kann, sich intensiver mit der Stadtgeschichte und vor allem so mancher mehr oder weniger bekannten Anekdote zu beschäftigen, hat mich im letzten Jahr die Kreiskulturreferentin, Christina Claus, gelehrt. Mit ihrem Projekt Hörpfade versucht sie interessanten regionalen Geschichten auf die Spur zu kommen und für ein breites Publikum hörbar zu machen.

Ich möchte Sie daher gerne zu Beginn meiner Neujahrsrede ein wenig auf eine Zeitreise in die Historie unserer Stadt mitnehmen. Keine Angst, es sind nicht die trockenen Fakten, sondern der Versuch durch ein paar Besonderheiten der Geschichte Olchings, auch Sie neugierig zu machen, sich mit unserer Stadt genauer zu beschäftigen. Und entscheiden Sie dann bitte selbst, wie gut Sie Olching wirklich kennen.

 

Nicht viele Gemeinden Bayerns tragen heute noch die Bayerische Raute in ihrem Wappen. Nach dem Krieg wurde bei der Genehmigung von Wappen sehr darauf geachtet möglichst kein bayerisches Hoheitszeichen in den kommunalen Wappen mehr zu erlauben. Olching hatte seiner Zeit als Zeichen der engen Verbindung mit dem Königshaus, begründet durch die königliche Schwaige, das heutige Gut Graßlfing, für dessen Wiedererstarkung zu altem Glanz wir uns in den kommenden Jahren intensive Gedanken machen sollten, die Rauten im Wappen. Dass sie nach dem Krieg nicht gestrichen wurden, haben wir dem Umstand zu verdanken, dass die Gemeinde Kolbermoor ein sehr ähnliches Wappen, aber eben ohne Rauten hat, und um Verwechslungen zu vermeiden gab es die Sondererlaubnis für Olching.

Die enge Verbindung zwischen dem bayerischen Königshaus, dessen Vermögensverwaltern, dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds, und der Stadt besteht bis heute. So sind weite Teile des Golfplatzes im Besitz der Familie. Das Schwaigfeld mit dem wunderbaren großen Park steht auf dem ehemaligen Grund des Graßlfinger Gutes und das einheimischen Modell, das die Stadt mit sehr viel Mühen und großem Engagement bis zur europäischen Kommission mit Hilfe von Städtetag und Bayerischen Innenministerium zu Gunsten von 50 Olchinger Familien erfolgreich durchsetzen konnte, rührt aus dieser vertrauensvollen und langjährigen Partnerschaft.

Vor kurzem konnte die Stadt auch noch ein rund 5 Hektar großes Grundstück vom WAF erwerben. Durch diesen Grundstückserwerb sind mittelfristige Entwicklungsperspektiven und -chancen eröffnet worden, die uns als Stadt in städtebaulicher und auch finanzieller Hinsicht sehr gut tun werden. Und um im Kontext meiner Rede zu bleiben, schlicht historisch sind.  

Ich danke an dieser Stelle dem Wittelsbacher Ausgleichsfond, namentlich dessen Repräsentanten Herrn Beißer, der dieses Jahr leider nicht bei uns sein kann, für die erfolgreiche und gewinnbringende Zusammenarbeit zum Wohle unserer Stadt und den Menschen hier.

Bleiben wir beim Blick in die Geschichte Olchings bei der Königlichen Familie und dessen Thronfolgern. Seine Majestät, Prinz Luitpold von Bayern, und sein Bier. So mancher unter Ihnen wird wissen, dass seit vielen Jahren ein, in den Medien gern als Bierkrieg, bezeichneter Streit zwischen dem Hausherren der Schlossbrauerei Kaltenberg, den verantwortlichen des Münchner Oktoberfestes und den direkt in München ansässigen Brauereien schwelt.

Prinz Luitpold versucht seit vielen Jahren durchzusetzen, dass das Münchner Biermonopol auf der Wiesn durchbrochen wird und auch er mit seiner Brauerei dort ausschenken darf. Schließlich, so ein Argument, gebe es die Wiesn ja auch nur dank seines Ur-Ur-Urgroßvaters Ludwig den I.

Jetzt werden Sie sich, sehr geehrte Damen und Herren, sicherlich fragen, was hat das alles mit Olching zu tun?

In jedem Fall hat es nichts mit unserem Volksfest und des dort ausgeschenkten Bieres zu tun, auch wenn der Verdacht nahe liegen würde.

Apropos Volksfest: Im letzten Jahr haben wir den nassen Füßen am Volksfestplatz endlich ein Ende gesetzt. Dabei wurde leider auch Asbest gefunden, was die gesamte Maßnahme finanziell spürbar belastet hat. Aus der Sanierung für trockne Füße ist nun am Ende eine waschechte Altlastensanierung geworden. Gut für die Umwelt und das Trinkwasser allemal.

Wir freuen uns aber in jedem Fall, dass das kommende Volksfest, die vielen weiteren Veranstaltungen und vor allem auch die erfolgreiche Regionalmesse – die FFB-Schau - im Oktober ordentlich und einer Stadt gebührend ablaufen können.

Aber nochmals zurück zum Bier und der Königsfamilie:

Höhepunkt des Bierstreits war der Versuch des Prinzen 1987 mit einem großen Tross von Trommlern, Rittern, Pferdefuhrwerken mit Bierfässern auf der Wiesn Freibier auszuschenken. In der Hand trug er einen Maßkrug mit Kaltenberger Bier, den er dem damaligen Besitzer der Spaten-Löwenbräu Brauerei, Dr. Dieter Soltmann, feierlich vor dessen Zelt übergab. Der Rest des Gefolges wurde übrigens von der Polizei vor dem Einzug auf das Wiesngelände gestoppt. Es soll zu kleineren Scharmützeln gekommen sein und die Begriffe Raubritter, seien zu hören gewesen.  

Die Geschichte um den, mit Kaltenberger Bier gefüllten Maßkrug, welchen der Prinz persönlich von Kaltenberg auf die Wiesn getragen hatte, nahm seinen Anfang - laut einem unmittelbar beteiligten Zeitzeugen - in Olching, beim Getränke Krämer.

Dort trafen sich nämlich anlässlich einer Gebäudeeinweihung der Firma Krämer 1983 eben jener Besitzer der Spatenbrauerei und der Bierprinz aus Kaltenberg. Die beiden vereinbarten dort eine Wette, weil der Prinz sehr überzeugt davon war, dass er in den folgenden Jahren endlich die Erlaubnis zum Ausschank bekommen würde, die angeblich so lautete: Wenn es der Prinz schaffen würde mit seinem „Nicht-Münchner Bier“ auf der Wiesn zugelassen zu werden, wollte ihm der Spatenchef persönlich und zu Fuß eine Maß Spaten als Zeichen der Anerkennung nach Kaltenberg bringen.

Es kam anders und so löste der Prinz 1987 die „Olchinger Bierwette“ seinerseits ein, pilgerte damit auf die Wiesn und in die Geschichtsbücher.

Diese Anekdote erfuhr ich im Rahmen der letztjährigen Jubiläumsfeier des Getränkehandels Krämer aus erster Hand.

50 Jahre ist die Familie Krämer in dieser Stadt als Gewerbetreibende aktiv. Darüber hinaus im Gewerbeverband und bei vielen Vereinen engagiert. Dafür gilt ihnen mein Dank, stellvertretend für die vielen örtlichen Unternehmen, die krisensichere Arbeitsplätze in der Stadt bieten, die mit ihrer Gewerbesteuer an der Finanzierung der städtischen Aufgaben Anteil haben und die vor allem durch viele hervorragende Veranstaltungen, insbesondere rund um die Hauptstraße, Olching auch in wirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten gesund und attraktiv dastehen lassen. Dafür mein herzlicher Dank an einen der maßgeblichen Motoren, an die Vorsitzende des Gewerbeverbandes Olching, Frau Sandra Pfend-Strobel.

Neben den vielen Aktivitäten möchte ich noch die Olching Plus Karte besonders erwähnen, die seit 10 Jahren und mit über 10.000 ausgegebenen Karten den örtlichen Handel stärkt. Getreu dem Motto: „Kauf vor Ort, sonst bin ich irgendwann fort.“

In diesem Zusammenhang ist durchaus auch Kritik laut geworden an der Ansiedlung des Online-Händlers Amazon im Gewerbepark Geiselbullach, der dort sein erstes Verteilzentrum in Deutschland aufbaut, inklusive einer Elektrofahrzeugflotte.

Hierzu muss man offen zugeben, dass der Gewerbepark nicht im Besitz der Stadt ist und somit auf die Ansiedlung von Betrieb A oder B zumindest kein direkter Einfluss genommen werden kann. Zum anderen ist nicht wegzudiskutieren, dass es Menschen, und nicht gerade wenige gibt, die im Internet einkaufen. Dabei ist es eigentlich egal von wo aus der Internethändler seine Waren zum Kunden bringt.

Der Kunde bestellt vom heimischen Sofa. Aus diesem Grund ist es für die Stadt Olching zumindest kein Nachteil, wenn ein solches Unternehmen vor Ort und nicht in einer der Nachbarkommunen sitzt. Die Steuern und die Arbeitsplätze landen hier und da Amazon einen Großteil der Waren nicht direkt selbst vertreibt, sondern mit regionalen Partner, habe ich die Verantwortlichen gebeten, mit unserem Gewerbeverband über gemeinsame Internetvermarktung zu sprechen. Amazon hat das zugesagt.

Der Gewerbepark hat sich übrigens hervorragend entwickelt.

Obwohl der Bebauungsplan erst im April 2012 rechtskräftig und daraufhin mit der Erschließung begonnen wurde, sind inzwischen alle Flächen im Bauabschnitt I verkauft, größtenteils bebaut und viele verschiedene Firmen haben sich bereits angesiedelt.

Somit wurden inzwischen weit über 600 neue Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.

Die Stadt Olching freut sich im Jahr 2015 über eine Gewerbesteuereinnahme in einer Rekordhöhe von deutlich über 8 Millionen Euro. Im Vergleich zu der Einnahme von 6,5 Millionen Euro 2014 ist eine sehr bemerkenswerte Steigerung wahrnehmbar.

 

Wussten Sie eigentlich, dass in der Zeit des kalten Krieges und letztlich bis zum Fall der Mauer in vielen westdeutschen Städten und Gemeinden kommunistische Schattenbürgermeister durch die ostdeutsche Staatssicherheit installiert waren? Nicht?

Diese sollten im Falle der Machtübernahme der Ostblockstaaten die entsprechenden Rathäuser übernehmen. Schläfer also, oder wie sie damals genannt wurden, Residenten. Unser Altbürgermeister Ewald Zachmann erzählte mir, dass dieser für Olching zugeordnete Schattenbürgermeister Mitte der 90er Jahre, also kurz nach dem Ende der Amtszeit von Herrn Zachmann, bei ihm als Mandant auftauchte. Aus Stasiakten war dessen Agententätigkeit wohl an die westliche Justiz gelangt.

Besonders interessant war dabei, dass dieser Resident, zwar wie in einschlägigen Agentenfilmen an konspirativen Orten mit seinen Führungsoffizieren zusammenkam, ansonsten aber keinerlei Spionageaktivitäten an den Tag legte. Er führt bis heute ein normales bürgerliches Leben und wartete seinerzeit auf den Umbruchfall und damit auf seinen Einsatz. Der trat bekanntlich nicht ein. Aber spannend doch, wie gut vorbereitet man von Seiten des Ostblocks war.

Und als Treppenwitz der Olchinger Geschichte bleibt, dass jener Schattenbürgermeister die anwaltliche Hilfe desjenigen in Anspruch nahm, den er stürzen, bzw. zumindest ersetzen hätte sollen.

1839 war in Olching Endstation. Endstation der sich im Bau befindlichen Eisenbahnstrecke München – Augsburg. 2015 wurden 175 Jahre dieser Bahnstrecke gefeiert, die unsere Stadt nicht nur durchschneidet, sondern in der Entwicklung maßgeblich geprägt hat.

In den 20er und 30er Jahren kamen bis zu 15.000 Badegäste pro Tag mit Sonderzügen an die Amper. Olching durfte sich offiziell Fremdenverkehrsgemeinde und Erholungsort nennen. Die örtliche Wirtschaft, und hier ist das Wort Wirtschaft durchaus im bayerischen Sinne gemeint, profitierte stark von diesen Sommerfrischlern.

Aber nicht jedem gefiel das lockere Badetreiben in den Amperauen. Und es waren nicht die Naturschützer, die sich um diese sorgten.

Nein, lieber Herr Pfarrer Steindlmüller, es war einer Ihrer Vorgänger im Amt. Seinen Namen habe ich heute bereits erwähnt. Er war der stolze Träger des selbstbewussten bayerischen Bannerspruchs. Pfarrer Pfanzelt sorgte sich um das Wohl seiner Schäfchen und schrieb am 6. Juni 1922 ergebenst an den hochverehrten Gemeinderat:

„Das Pfarramt ersucht den Gemeinderat bezüglich des Badens in der Amper strengste und strikteste Vorschriften zu erlassen, denn es ist ein Skandal der seines gleichen sucht, wie es zur Zeit beim Baden getrieben wird, namentlich von Elementen, aus der Stadt, die als Pestbeulen die Nacktkultur durch ihr Beispiel auch in Olching propagieren zu wollen scheinen! Es muss strengste Scheidung der Geschlechter beim Baden gefordert werden. Das Pfarramt ersucht den Gemeinderat durch diese Vorschriften nicht den Sodomsgeist in unsere Gemarkung tragen zu lassen!“

Diese Worte schienen gewirkt zu haben. Zumindest drei Jahre später erlies das Bezirksamt FFB eine polizeiliche Vorschrift.

Ich zitiere in Auszügen:

„§2 Das Baden ist weiblichen Personen nur mit Badeanzug, männlichen Personen nur mit Badehose, nicht mit dem sogenannten Dreikant, gestattet.

  • 3 Beim Baden sowie beim Aus- und Ankleiden sind die Gebote der Sittlichkeit und des Anstandes zu beachten. Das Herumtreiben im Badeanzug auf öffentlichen Plätzen oder in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Gebäuden, insbesondere von Wirtschaften ist verboten.“

 

Auf Zuwiderhandlungen standen schwere Strafandrohungen, mit bis zu 14 Tage Haft. Ich befürchte beinahe jeder von Ihnen, verehrte Gäste, wäre heute nach damaligen Maßstab reif für´s Zuchthaus gewesen.

 

Das Thema Polizei und Zuchthaus bringt mich auf ein drängendes Thema unserer Gegenwart. Nicht zu Letzt die Geschehnisse in Köln oder das Überrennen unserer Grenze im Herbst des abgelaufenen Jahres hat in mir den Glauben an unseren Rechtsstaat, bzw. an die Wehrhaftigkeit und die Präsenz dessen zu rechten Zeit, zumindest zweifeln lassen.

Helmut Schmidt, der Ende des vergangenen Jahres verstorbene Altkanzler mit klarer Kante und noch klarer Schnauze, hat in diesem Kontext etwas für meine Gefühlslage sehr treffendes gesagt: „Der Rechtsstaat hat nicht zu siegen, er hat auch nicht zu verlieren, er hat zu existieren!“

Und diese Existenz, dass Vertrauen in diese Existenz, muss schnell, sehr schnell wieder für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land - und da ist es völlig egal ob Deutscher oder Ausländer - sichtbar und spürbar sein. Denn solche Situationen, in denen eine Machtlosigkeit medial fühlbar und die für die betroffenen Opfer real fühlbar wird, ist Gift für ein harmonisches und friedliches Zusammenleben. Sie sind Sturzbäche auf die Mühlen derjenigen, die Angst schüren und Hass säen wollen.

Besonders krass kann man diese Radikalisierung in den sozialen Medien ablesen. In diesem Zusammenhang existiert bereits eine Wortneuschöpfung: Social-Nationalismus.

Nicht nur auf der Straße, sondern insbesondere in diesen Foren, bei Facebook und co., ist der Respektverlust gegenüber anders denkenden, gegenüber Politikern und Verantwortlichen in Staat, Kirche und Gesellschaft dramatisch. Gerade durch diese unkontrollierten, oder zumindest unkommentierten und unredigierten Parolen, werden Angst und Ressentiments geschürt, werden gefakte Bilder tausendfach weiterverteilt und die Ehre von Menschen verletzt.

Im Grundgesetz steht dazu ein klares Bekenntnis zur Meinungsfreiheit, aber auch eine unmissverständlich formulierte Grenze: „Die Rechte zur freien Meinungsäußerung finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre“. Und „jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Ich könnte Ihnen vermutlich jetzt und hier mit wenigen Klicks mehrere eindeutige Verstöße dagegen zeigen. Wie lange können und wollen wir uns das gefallen lassen? „Wehre den Anfängen“, heißt es so schön.

 

Besonders ärgert mich übrigens der Missbrauch unserer deutschen Nationalflagge für ausländerfeindliche Parolen. Ich werde in Zukunft mit den Worten von Richard von Weizsächer antworten: „Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Hass auf die anderen.“

 

In meinem beruflichen Alltag erlebe ich zu oft, dass Regeln, Verordnungen und Gesetze neu geschaffen, erlassen, geändert, verschärft werden, die Durchsetzung und Ahndung dann aber kaum mehr erfolgt oder besser mangels Personal nicht erfolgen kann. Der Staat muss, wenn die Regeln, die sich das Volk durch die gewählten Volksvertreter geben und gegeben hat, diese auch durchsetzen und zwar unmittelbar, sichtbar und nachvollziehbar.

Und eben diesem Staat und seinen Vollzugskräften muss auch das nötige Personal zur Verfügung stehen. Und dafür braucht es Geld, unser Steuergeld.

In so mancher öffentlicher Diskussion dieser Tage, müssen wir Normalbürger uns auch fragen lassen, ob wir nicht ein wenig schizophren sind.

Auf der einen Seite jammern wir über hohe Steuerlasten, über Gebührenerhöhungen und höhere Krankenkassenbeiträge und Sozialabgaben, gleichzeitig erwarten wir aber, wenn wir sie brauchen, Polizisten an jeder Straßenkreuzung, schnellere Gerichtsverfahren, bessere Schulausstattung, längere Kinderbetreuung, mehr qualifiziertes Personal in der Pflege und im Gesundheitsbereich.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, das ist ein Paradoxon. Das wird nicht möglich sein. Öffentliche Sicherheit und Ordnung, bezahlbares Gesundheitssystem, hochqualifizierte Bildung und Betreuung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Mit leeren Taschen ist kein Staat zu machen. Quantität und Qualität hat eben ihren Preis.

Ich glaube, wir sind aber bereits auf dem Weg der Besserung. Wir erkennen, dass gute Arbeit, guten Lohn bedingt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindereinrichtungen haben 2015 zu Recht und erfolgreich für bessere Entlohnung gekämpft und dabei allen Beteiligten, vor allem Kindern und Eltern schmerzlich vor Augen geführt, wie unentbehrlich ihre Arbeit ist.

Ebenfalls schmerzlich mussten wir nun erkennen, dass wir zu wenig Polizeikräfte auf unseren Straßen haben.

Ja, es wird reagiert. Nur wissen Sie wie lange die Ausbildung zur Erzieherin dauert? Wie lange es dauert bis sie einen neuen Polizisten, Staatsanwalt, Richter oder einen qualifizierten Sachbearbeiter in der öffentlichen Verwaltung einsatzklar ausgebildet haben?

Lange, beinahe möchte ich sagen, bereits zu lange.

Fünf vor Zwölf ist es auch, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum in der Region München anzubieten. Das Beispiel Olching zeigt, dass wir diese Aufgabe nicht dem freien Markt überlassen können. Obwohl in Olching Wohnraum entstanden ist, in Zeit und Zahl deutlich über dem vieler Kommunen um uns herum, sind die Preise für Miete und Eigentum nicht gefallen, oder wenigsten stagniert. Im Gegenteil. Nach einem Wohnindex aus dem Jahr 2014 liegt Olching bei den Neuvermietungspreisen deutschlandweit auf Platz 5, knapp hinter so unbedeutenden Städten wie Frankfurt am Main und sogar vor Hamburg und Stuttgart.

Der Stadtrat hat und wird hier gegenhalten. Mit dem einheimischen Modell, dem Ankauf der zuvor genannten Grundstücke, der Förderung von genossenschaftlichem Wohnen auf städtischer Fläche, der Schaffung von bauplanerischen Voraussetzungen für EOF-Wohnbau (vormals sozialer Wohnungsbau) wird günstiger Wohnraum geschaffen. Kurzfristig werden dadurch allein rund 80 geförderte neue Wohnungen entstehen. Diese werden auch dringend nötig sein, da neben der einheimischen Bevölkerung auch anerkannte Asylbewerber auf den Wohnungsmarkt drängen werden.

 

Ganz zum Schluss, meine verehrten Damen und Herren, bevor ich mich für Ihr Zuhören bedanke und zu den Ehrungen und den zuständigen Referenten Frau Busl, Frau Zachmann, Herr Widmann und Herrn Dr. Bauer übergebe, noch einmal zur Olchinger Stadtgeschichte zurück.

Wussten Sie, dass der Kollege Dr. Bauer bislang der einzige offiziell nominierte CSU-Bürgermeisterkandidat in der städtischen Historie war, der bei keiner Bürgermeisterwahl unterlegen ist? Und ich muss hinzufügen, dennoch aber kein Bürgermeister wurde.

Ich lass Sie noch ein wenig grübeln, wie das möglich war. Vielleicht kommen Sie drauf oder Dr. Bauer verrät es Ihnen, wie er das geschafft hat.

Ich danke Ihnen allen für Ihren ganz persönlichen Beitrag für unsere Stadt Olching. Mit Ihrem Wirken, mit Ihren Projekten, Aktionen, auch mit Ihrem Lob und Kritik an der politischen Arbeit, treiben Sie Olching voran.

Nur so sind wir gemeinsam Stadt!

Ich wünsche uns nun einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen.

Vielen Dank.

 

+++

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