Rede des Ersten Bürgermeisters zum Volkstrauertag, 15.11.2015, Kriegerdenkmal Olching

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr verehrter Herr Pfarrer Steindlmüller,

sehr verehrter Herr Pfarrer Sauer,

Herr Arndt,

Herr Wacker,

verehrte Mitglieder des Stadtrats,

liebe Freunde aus Tirol,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

immer zwei Sonntage vor dem Ersten Advent erinnert uns der Volkstrauertag an alle Opfer von Krieg und Gewalt, deren wir gedenken wollen. Zugleich ist er ein Tag des Nachdenkens darüber, wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir – ganz persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und friedlichen Europa - für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können. Aus diesem Grund haben wir uns heute hier am Kriegerdenkmal eingefunden. Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind.

In diesem Jahr möchte ich meine Rede den Kindern widmen, die unter den Auswirkungen von Krieg und Gewalt besonders zu leiden haben.

An niemandem gehen die dauernde Angst, die stete Unruhe und der Verlust geliebter Menschen spurlos vorbei, doch Kinder und Jugendliche werden hiervon besonders geprägt. Denken Sie nur an das Bild des angespülten toten Flüchtlingskindes, das um die Welt ging und den bloßen Flüchtlingszahlen ein emotionales Gesicht gegeben hat. Viele Studien belegen inzwischen, dass Minderjährige, die bereits in jungen Jahren viel Repression erleben mussten, auch im Erwachsenenalter zu Gewalt neigen. Es liegt an uns allen diese grauenvolle Spirale im Laufe der Generationen zu unterbrechen.

Wie die meisten von Ihnen wissen, bin ich vor etwas mehr als einem Jahr selbst Vater einer kleinen Tochter geworden. Seitdem bewegen mich Themen wie diese in ungekanntem Ausmaß. Man ist sensibilisierter als man es sich je hätte vorstellen können. Ich bin mir sicher, viele von Ihnen können das Gesagte nachempfinden.

Aus diesem Grund war mir auch die Unterstützung der Kinderhilfe im Kongo, die Pfarrer Josef Aicher mit seinem Team vor Ort leistet, eine besondere Herzensangelegenheit. Offensichtlich ging es nicht nur mir so, denn sehr viele Olchingerinnen und Olchinger folgten dem Spendenaufruf der Kolpingsfamilie, so dass die Benefizveranstaltung zu Gunsten der Malariabekämpfung im Kongo ein voller Erfolg wurde. Über 30.000 € kamen zusammen, mit deren Hilfe Moskitonetze und Medikamente gekauft, Krankenpfleger ausgebildet und die Krankenstation ausgestattet werden konnten. Seitdem ist die Krankheit, die insbesondere für Kinder lebensgefährlich ist, dort stark zurückgegangen.

Unser Ehrenbürger Aicher, der kürzlich erst für seine herausragenden Verdienste in der Entwicklungshilfe das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, bewegt aber nicht nur die Kindersterblichkeit, sondern auch die Erhaltung des Regenwaldes, der für die Bevölkerung im Kongo die Lebensgrundlage darstellt.

Nur wenn Menschen vor Ort, wo sie gerade leben und Ihre Heimat haben, mindestens eine Überlebensperspektive haben, werden sie sich nicht auch irgendwann auf die Reise in eine erhoffte bessere Welt machen.

Bereits heute werden die meisten Kriege um Ressourcen geführt und dieser Trend wird sich in Zukunft sicherlich weiter fortsetzen. Das Gut Wasser wird immer mehr an Bedeutung und Wert gewinnen und der Auslöser für weitere Konflikte sein. Diese absehbaren Gefahren und Gründe abzuwenden liegt in unser aller Verantwortung. Hierzu gehört auch der Umwelt- und Klimaschutz. Das schnellere Schmelzen der Süßwassergletscher in regenarmen Gebieten kann hohe Ernteeinbußen und für große Teile der Landbevölkerung die zwangsläufige Flucht bedeuten. Eine durchgängige, stabile Wasserversorgung während des Jahres ist für uns eine Selbstverständlichkeit, tatsächlich aber haben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass auch ein relativ kleiner Beitrag in der Masse große Auswirkungen haben kann. Vielleicht denken wir daran, wenn wir uns beim nächsten Mal wieder zwischen Auto und Fahrrad entscheiden müssen.

Ohnehin fühlen wir uns im reichen und freien Europa sicher, vielleicht zu sicher. Noch können wir uns nicht vorstellen, dass bald auch vor unserer Haustür Ressourcenkämpfe toben könnten. Doch ich bin der Überzeugung, sich in Sicherheit zu wiegen ist der falsche Weg. Ein Zitat, das ich in den vergangenen Tagen in diversen Sendungen gehört habe, hat mir nachhaltig zu denken gegeben: “Wer sind wir, dass wir glauben, das bei den großen Krisen und Kriegen auf der Welt bei uns hier einfach alles beim alten bleibt, sich nichts verändern darf oder wird.“

Auch empfinde ich es als fahrlässig, um nicht zu sagen verrückt, die gesamte europäische Idee in Frage zu stellen nur weil in diesen Tagen nicht alles reibungslos funktioniert. Die Europäische Union ist kein Garant für ein konfliktfreies Miteinander in jeder Beziehung und jeder Situation und doch hat uns diese gemeinsame Idee in den letzten 70 Jahren Frieden beschert. Dies sollte Erfolgsbeweis genug sein.

Anlässlich dieses bemerkenswerten Jubiläums hat der Veteranen- und Kameradschaftsverein Olching e.V. dankenswerterweise einen Friedensbaum gestiftet, der Anfang der Woche Ecke Rebhuhnstr./Pfarrstr. aufgestellt wurde. Dieses Symbol für inneren und äußeren Frieden wird hoffentlich auch die jüngere Generation daran erinnern, wie viel Glück wir haben und dass es nicht selbstverständlich ist keinen Krieg mehr zu kennen.

Ich würde mir für meine Tochter auch wünschen, dass sie in einem friedlichen Europa ohne essentielle Sorgen aufwachsen kann. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Daher sollten wir ihnen die bestmöglichen Grundvoraussetzungen schaffen.

Nicht zuletzt wollen wir der lokalen Kriegsereignisse der Vergangenheit gedenken. Am 22. Februar wird sich der Bombenangriff der Alliierten auf Olching wieder jähren. 22 Menschen ließen damals ihr Leben, darunter auch zwei von den ca. 1.000 in und um Olching beschäftigten Zwangsarbeitern. An dem Ort, an dem wir heute stehen, brach der Krieg direkt in das Leben der Menschen in unserer Stadt ein. Diese Olchinger, wie auch alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Gewalt, Krieg und Terror zum Opfer gefallen sind, ehren wir heute mit unserem Andenken. Wir werden sie nicht vergessen!

Wir denken heute an alle deutschen Soldaten im Auslandseinsatz und ihren persönlichen, teils lebensgefährlichen Einsatz für unser Land.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Insofern sind wir alle aufgefordert unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten. Für ein friedvolles, soziales Miteinander sind Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen unabhängig von ethnischer Herkunft oder persönlichen Weltanschauungen entscheidend. Im Kleinen wie im Großen.

Das wollen wir uns im Gedächtnis und im Herzen bewahren, wenn wir heute den Volkstrauertag begehen.

In Ehrfurcht vor den Toten der beiden Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft sowie aller Kriegsopfer und im Dienst gestorbenen Soldaten weltweit lege ich als Zeichen des Gedenkens diesen Kranz nieder.

Ich danke Ihnen für Ihr aktives Mitwirken. Ich danke allen, die am heutigen Tag dieser Zeremonie beigewohnt haben – ein besonderer Dank unseren Fahnenabordnungen für die Teilnahme und natürlich auch, dass unsere Freunde aus Tirol am heutigen Tage wieder bei uns sind - und erkläre die Feierstunde für beendet.

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Aus aktuellem Anlass wurde die Rede verändert.

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