Rede zum Neujahrsempfang am 23.01.2015

Einspieler Trailer „Die Bücherdiebin"

 

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

ich sage nicht gute Nacht - auch wenn es gerade dunkel war hier im KOM - ich sage guten Abend und herzlich willkommen zum Neujahrsempfang 2015 der Stadt Olching.

 

Ich hoffe, ich habe Sie mit diesem furiosen und durchaus unkonventionellen Auftakt des diesjährigen Neujahrsempfangs mit so ausdrucksstarken Bildern und anrührenden Worten nicht verschreckt.

 

Aber wenn Olching schon einmal weltweit in den Kinos zu sehen ist, dann muss es erlaubt sein, die Begrüßung in etwas abgewandelter Form zu beginnen.

 

Den jungen Mann hier neben mir, haben Sie bestimmt bereits wiedererkannt. Eben noch auf der Filmleinwand nun bei uns auf der Bühne.

 

Ein herzliches Willkommen einem der Hauptdarsteller aus dem erfolgreichen Kinofilm „Die Bücherdiebin", guten Abend und schön dass du da bist, Nico Liersch.

 

Nico - wir haben uns vorher darauf verständigt, dass ich Du sagen darf - ist nicht nur Protagonist in diesem Kinofilm und spielt dort neben keinen geringeren wie dem Oscarpreisträger Geoffrey Rush und der Oscar-nominierten Emily Watson Rudi, den besten Freund der Bücherdiebin, sondern er ist selbst Olchinger.

 

Ein Olchinger, der die Hauptrolle in einem Film spielt, der in seinem Kern wahre Begebenheiten aus einer uns allen bekannten Stadt, nämlich Olching, schildert. Im Buch, wie im Film, heißt der Ort zwar Molching und im Film werden Sie auch keine architektonischen Ähnlichkeiten mit Olching in der Zeit des Nationalsozialismus wiedererkennen, aber dennoch Teile der Geschichte haben sich hier, unweit vom KOM, in der Münchner Straße zugetragen.

 

Nun zu dir, lieber Nico, die Bildzeitung hatte unlängst getitelt: Bayerns neuer Hollywoodstar

 

Kurzer Dialog mit Nico Liersch:

Ist das dein großes Ziel? Wie bist du zum Schauspielern gekommen?

Wie waren die Dreharbeiten zu diesem Film, was hat dich besonders beeindruckt?

Gibt es schon ein neues Projekt?

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren.

Mit dem Neujahrsempfang möchte die Stadt Menschen danken, die sich für die Stadt besonders engagieren, Gutes tun, hier oder in weit entfernten Winkeln der Erde - hierüber werden wir heute noch hören-, die den Namen der Stadt in die Welt hinaustragen, die Großes geleistet haben, die Menschen gerettet haben oder für unser Gemeinwohl Verantwortung tragen.

Dafür wollen wir heute Ihnen allen danke sagen, wir wollen dieses Engagement würdigen und gebührend ehren.

 

Lieber Nico, du bist einer von diesen Menschen, du hast den Namen Olching hinaus in die Kinosäle der Welt getragen und dafür sagen wir danke.

 

Auf dem Neujahrsempfang wird traditionell zurück und nach vorne geschaut.

Ich wage nun einen weiten Blick in die Zukunft, verbunden mit dem Wunsch, dass du es schaffst.

 

Wir verleihen dir heute mit einem Augenzwinkern den ersten Walk of Fame Stern Olchings und drücken die Daumen, dass irgendwann ein echter Stern mit deinem Namen entlang des Hollywood Boulevards verlegt wird.

 

Dazu noch einen kleinen Gutschein für dein sportliches Hobby Basketball.

 

Vielen Dank und alles Gute!

 

Meine sehr verehrten Gäste,

 

ich möchte Sie nun alle nochmals ganz offiziell im KOM recht herzlich willkommen heißen. Ich freue mich, dass Sie der Einladung zu unserem Neujahrsempfang wieder so zahlreich gefolgt sind und wünsche Ihnen persönlich, wie auch im Namen des Stadtrats und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein gutes, gesundes und erfülltes Jahr 2015.

 

Gestatten Sie mir zunächst, einige Gäste unter Ihnen persönlich zu begrüßen. Ich möchte Sie bitten, den Applaus, wenn möglich, bis zum Ende der Begrüßungen aufzusparen.

 

 

Ich freue mich sehr, als Vertreter der Kirchen Herrn Pfarrer Steindlmüller von St. Peter und Paul begrüßen zu dürfen.

 

Darüber hinaus begrüße ich ganz herzlich

  • die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler,
  • Bezirksrat Herr Martin Eberl,
  • die Damen und Herren aus dem Kreistag,
  • meine Stellvertreter, unseren 2. Bürgermeister, Robert Meier, und unseren 3. Bürgermeister, Fritz Botzenhardt,
  • Herrn Altbürgermeister Zachmann,
  • sowie alle weiteren Damen und Herren des Olchinger Stadtrates, die heute anwesend sind.

 

Nun komme ich zu den Menschen, derentwegen wir alle heute hier sind - die Ehrenamtlichen aus unseren Vereinen. Von den derzeit 140 Olchinger Vereinen sind heute 77 mit einem Vorstandsmitglied hier vertreten.

 

Stellvertretend willkommen heißen möchte ich Erwin Mitterndorfer, der seit unglaublichen 47 Jahren Schatzmeister der Motorsportfreunde ist und als langjähriges Vorstandsmitglied immer eine verlässliche Stütze des Vereins darstellte. Dieses Jahr nun wird Herr Mitterndorfer sein Amt niederlegen. Ich danke Ihnen im Namen des Stadtrates für Ihr wertvolles Engagement.

 

Außerdem unter uns ist heute Berta Huber, die seit nahezu 50 Jahren für die Aktivsenioren des BRK zuständig und nun seit über einem Jahr bereits auf der Suche nach einer Nachfolge ist. Daher auch mein Appell an Sie: Falls Sie jemanden kennen oder sich selbst berufen fühlen Vorsitzende/r der Aktivsenioren zu werden, wären wir sehr dankbar, wenn Sie sich melden würden.

 

Von Jahr zu Jahr wird es schwieriger, Menschen wie Sie zu finden, die bereit sind, einen nicht unerheblichen Anteil ihrer Freizeit in ein Ehrenamt zu investieren.

 

Daher danke ich ausdrücklich und zu allererst allen anwesenden Vereinsvertreterinnen und -vertretern für ihre Arbeit, ihr Engagement und ihr Herzblut, von dem letztlich ganz Olching profitiert.

 

Ganz besonders herzlich heiße ich natürlich auch alle anderen unserer geschätzten Gäste willkommen, die ich nicht namentlich begrüßen konnte.

 

Schön, dass Sie gekommen sind.

 

Kulinarisch verlassen wir uns heute wieder auf Herrn Streller und sein Team -  vielen Dank dafür schon im Voraus.

 

Nachher beim Empfang können Sie sich unten an der kleinen Kunstausstellung erfreuen. Hierfür möchte ich mich bei der Künstlergruppe Sepia, namentlich bei Urte Girnatis, Martina Glaß und Uske Schopper, den Künstlerinnen, bedanken.

 

Zum Schluss begrüße ich als Mitgestalter des heutigen Abends die Musikgruppe Bluestrings, die bereits 2005, also vor 10 Jahren, hier im KOM ihr Gründungskonzert gaben.

 

Wir haben sie und ihre Musik eben bereits kennenlernen dürfen und werden im weiteren Verlauf des Abends noch weitere Musikstücke von ihnen hören. Wir sind gespannt und danken Ihnen für Ihr Mitwirken.

 

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Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

vielleicht können Sie sich erinnern, wenn nicht, auch nicht weiter schlimm. In meinen Neujahrsansprachen tauchten immer einmal wieder Songtexte auf. Songtexte sind meistens zwar eher platt und wenig zitierfähig und „Atemlos durch die Nacht bis ein neuer Tag erwacht" wäre ja sicher auch nicht das best geeignete Motto für diesen heutigen Abend.

 

Statt Helene Fischer also versuche ich es doch lieber einmal mit Herbert Grönemeyer. Ersetzen Sie im folgenden Liedtext gerne auch Land durch Stadt:

 

„Es ist allerhand hier zu sein
So ein schönes Land - ganz allgemein
Die wahre Tücke steckt im Detail
Wir verlieren uns schnell im Einerlei
Wir sind nicht verdammt hier zu sein
Dies ist unser Land, deins und meins
Dies ist ein vielschichtiges Revier
Wir mögen es wie andere ihrs.

Es ist auch schon leicht hier zu sein
Trotz Friede, Freude, Selbstzufriedenheit
Es bleibt Liebe auf den zweiten Blick
Auf nach vorn, schau auch zurück!"

 

Mit der Liebe auf den ersten oder zweiten Blick, das überlasse ich Ihnen, aber viel Wahres ist mit diesen Textzeilen ausgesagt. Über unser Land und unsere Stadt. Es ist in der Tat allerhand hier zu sein, so ein schönes Land, so eine schöne Stadt. Ja, ich glaube, wir können sehr froh und dankbar sein, hier leben zu dürfen in Frieden, Freiheit und weitestgehend sozialer Sicherheit!

 

In diesen Tagen und erst Recht, wenn man gute Freunde in Frankreich, in unserer Partnerstadt Feurs hat, kommt man nicht umhin, auch auf die Terrorangriffe von Paris einzugehen. Dort wo unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere säkularisierte Weltanschauung angegriffen wurden.

 

Im Zeitalter von neuen Medien, Handykameras, Twitter und Facebook wurden wir zum unmittelbaren Augenzeugen, live, in Echtzeit und sahen Bilder so ungefiltert und brutal, wie eben nur die Wirklichkeit sein kann.

 

Die Fahnen der Stadt hingen auf Halbmast und auch heute möchte ich unseren Freunden in Frankreich unsere Anteilnahme aussprechen.

 

Bei aller Trauer, bei aller Erschütterung und Entsetzen, auch darüber, wie die Entscheidung von drei Männern rücksichtslos zu morden, das Leben ihrer Opfer, ihrer Geiseln, deren Familien, ein ganzes Land, ja vielleicht eine ganze Welt so vermeintlich einfach aus der Bahn werfen konnte, so großartig sind die Reaktionen darauf. Millionen Menschen, aller Nationalitäten, Religionen und Weltanschauungen standen zusammen und haben eine so wichtige Botschaft ausgesendet: Terror hat keinen Platz in unserer Welt, egal durch wen, egal für wen oder in wessen Namen!

 

Unser Bundesinnenminister, Thomas de Maizière, vor einigen Jahren auch Gast in diesem Haus, hat in einem Interview auf etwas sehr Nachdenkenswertes hingewiesen. Bei aller Trauer um die Toten von Paris und allen Bemühungen, dass so etwas in Europa möglichst nicht mehr geschehen kann, dürfen wir die Augen nicht vor dem Terror verschließen, der mit unglaublicher Grausamkeit in vielen Ländern dieser Erde beinahe täglich wütet, schlicht zum Alltag geworden ist. Einem Terror dem tausende Menschen zum Opfer fallen, aber eben weit entfernt von unserer Haustüre.

 

Ich teile diese Auffassung und freue mich sehr, dass auch die im Verhältnis kleine Stadt Olching versucht, ihren Teil für die Verbesserung der Lage der Menschen in Krisengebieten der Welt beizutragen.

 

Lassen Sie mich die Unterstützungsaktion für den Verein Orienthelfer erwähnen. Ein Feuerwehrfahrzeug der Geiselbullacher Feuerwehr, welches hier in unserer Stadt in seiner über 20-jährigen Dienstzeit mitgeholfen hat so manches Menschenleben zu retten, tut nun seinen Dienst in Syrien.

 

Eine Spendenaktion hat Geld hierfür zusammengebracht. Schade, dass wir als Stadt das Fahrzeug nicht schenken durften. Aber voll gepackt mit Ausrüstung wird es im Nahen Osten gute Dienste leisten. Vielen Dank an die Feuerwehr in Geiselbullach für ihr Engagement in dieser Sache.

 

Gleichzeitig an dieser Stelle ein großes Dankeschön und unsere Anerkennung an alle ehrenamtlich tätigen Feuerwehrfrauen und -männer in dieser Stadt, an das Rote Kreuz und die anderen Hilfsorganisationen, die Polizei und an alle, die unser Leben in dieser Stadt so sicher machen!

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Gerade um die Weihnachtszeit erreichen uns traditionell viele Spendenaufrufe. Ein Aufruf kam in diesem Jahr von uns!

 

Und auch heute möchte ich es nicht versäumen Sie um Spenden zu bitten. Vor einigen Wochen erreichte uns ein Hilferuf unseres Ehrenbürgers der Stadt Olching, Pfarrer Josef Aicher. Er leistet seit vielen Jahrzehnten Aufbauarbeit im Kongo. In seiner Gemeinde in Afrika sind mehr als 750 junge Menschen bereits an einer neuen Form der Malaria verstorben. Er berichtet von einer Mutter, die bereits vier Kinder aufgrund von Malaria verloren hat und nun um ihr letztes bangt, das ebenfalls erkrankt ist. Die vorhandene Medizin vor Ort hilft nicht mehr oder ist gestreckt und teuer zu gleich. Die jetzt benötigten Medikamente sind mit 1,50 Euro pro Patient für uns in Europa dagegen sehr günstig zu bekommen.

 

Deswegen bitte ich Sie zu spenden. Mit 1,50 Euro können Sie ein Kind vor dem sicheren Tod bewahren. Das Geld wird 1:1 für die Malariahilfe vor Ort verwendet.

 

So können auch wir, die - wie Grönemeyer es besingt - das Glück haben, in einem so schönen Land zu sein, in dem es für den Großteil leicht ist zu leben, denen unmittelbar helfen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind und wo wir mit so Wenig, so viel Gutes tun können.

 

Die Organisatoren dieser großartigen Aktion „Rettet die Kinder - Malariahilfe Olching", denen ich an dieser Stelle ganz herzlich Dank sagen will, Rainer Widmann, Richard Franke und Charly Schwojer vom Aicherkreis der Kolpingfamilie nehmen Sie auf dem Weg zum Buffet in Empfang. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns unterstützen würden und möchte Sie zugleich zum großen Olchinger Benefizkonzert am 18. April in die neue Mehrzweckhalle einladen.

 

Viele Olchingerinnen und Olchinger helfen hier vor Ort den vor Krieg und Terror zu uns geflüchteten Menschen. Ich finde dieses Engagement großartig. Meine große Anerkennung gilt hier allen voran den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in den Helferkreisen. Derzeit leben über 100 Asylbewerberinnen und -bewerber in unserer Stadt. Es ist schön zu sehen, dass aus teils anfänglicher Skepsis nun eine so gute Nachbarschaft, eine Willkommenskultur erwachsen ist.

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2014 ist seit 23 Tagen Vergangenheit. Es war ein bemerkenswertes Jahr. Wieder ein Jahr mit ganz besonderen Momenten mit großen und kleinen, unbedeutenden und weitreichenden Entscheidungen.

 

Aus meiner ganz persönlichen Sicht ein unvergesslich schönes Jahr, wie Sie sich vielleicht vorstellen können und dabei meine ich nicht ausschließlich den mir entgegengebrachten Vertrauensbeweis von beinahe 60 % der Olchinger Wählerinnen und Wählern im März des vergangenen Jahres. Für den ich herzlich danke.

 

Sie haben entschieden und ebenfalls einen neu besetzten Stadtrat gewählt, der bereits mit voller Kraft seine Arbeit aufgenommen hat und an das anknüpft, was sich in den vorhergegangenen sechs Jahren etabliert hat: Ein kollegiales Miteinander, ein hohes Maß an Entscheidungsfreude und eine klare Vorstellung davon, wie Olching weiter vorangebracht werden kann.

 

Die Stadt konnte mit der neuen Mittelschule und der Mehrzweckhalle sicherlich das größte Projekt in der Geschichte der Stadt erfolgreich im Zeit- und Kostenrahmen in Betrieb nehmen. Trotz anfänglicher kleinerer Kinderkrankheiten, hat die Schule und kürzlich die Mehrzweckhalle mit einer furiosen Inthronisationsgala ihre Feuertaufe bestanden.

 

Mit der Entscheidung neben einem kleineren Gewerbegebiet in Esting auch ein Sondergebiet „Grüne Höfe" auszuweisen, in dem vor allem für Betriebe, die sich der Erzeugung und Vermarktung von regionalen Produkten verschrieben haben, Ansiedlungsmöglichkeiten geschaffen wurden, geht die Stadt bauleitplanerisch bayernweit neue Wege. Der erste entsprechende Betrieb wird neben dem Hofladen der Familie Hartl der Hauptsitz von Brucker Land sein. Eine gute Entscheidung in Sachen Regionalität und Nachhaltigkeit.

 

Mit der Verwandlung der Energieversorgung Olching in die Stadtwerke Olching haben wir uns bewusst entschieden, den lokalen und kommunalen Gedanken der Energiewirtschaft noch stärker nach Außen zu präsentieren und Ihnen, der Bürgerschaft, noch deutlicher vor Augen zu führen, dass es Ihr Stadtwerk ist.

Bemerkenswert ist dabei unter anderem, dass die Stadtwerke durch Fernwärme und Fotovoltaikanlagen den Gewerbepark in Geiselbullach autark und absolut klimaneutral mit Wärme und Strom versorgen können. Der erzeugte Strom der Sonne vor Ort reicht tatsächlich für den Stromverbrauch aller Betriebe. Ein Null-Immisionsgebiet, wenn Sie so wollen!

 

Übrigens eine gute Entscheidung dieser Gewerbepark. Alleine im ersten Abschnitt werden mindestens 600 Arbeitsplätze entstehen. Von der Medizintechnik, der Logistik, der Automobilzulieferindustrie, dem Handwerk bis hin zu einem der größten Feinkosthändler der Region, dem größten Galabaubetrieb Oberbayerns und dem europaweit modernsten und größten Klimatechniklabor haben sich bei uns hervorragende Betriebe niedergelassen oder werden sich in den nächsten Monaten noch ansiedeln.

 

Und auch das "Digitale Zeitalter" wird in diesem Jahr mit hoher Geschwindigkeit in Olching verstärkt Einzug halten. Stete Bemühungen der Stadt für ein schnelleres Internet zeigen Wirkung. Die Telekom will noch in diesem Jahr 50 bis 100 Mbit weitestgehend flächendeckend in der Stadt anbieten können. Ein schöner Erfolg!

 

2014 war neben einem Jahr der Entscheidungen auch ein Jahr der besonderen Momente, der Jubiläen und bedeutenden Jahrestage. Im Kleinen, wie im Großen.

 

Das Sozialzentrum, Haus der Begegnung, feierte seinen 5. Geburtstag. Das Haus hat sich bestens entwickelt und bietet ein umfangreiches Programm für Alt und Jung, für Menschen mit und ohne Behinderung.

Besonders gerne erinnere ich mich an die Tage der Special Olympics, an denen die Sportler und Betreuer, die in Olching stationiert waren, von der Seniorenkochgruppe des Hauses hervorragend bekocht und betreut wurden.

 

Unser KOM kann bereits auf 10 Jahre lebendige Kultur vor Ort zurückblicken. War es seinerzeit eine umstrittene Entscheidung, sind sich heute alle einig: Gut, dass es das KOM gibt und dass es sich so wunderbar entwickelt hat. Von Kunstausstellungen, über Theater und Kabarett, bis zum Ja-Wort, es gibt fast nichts, was es nicht im KOM bereits gegeben hat. Doch, eines gab es glücklicherweise noch nicht, dass bei einer Trauung an entscheidender Stelle jemand Nein gesagt hätte.

 

20 Jahre lebt nun schon die Partnerschaft zwischen Tuchola und Olching. Getragen wird diese Freundschaft neben den offiziellen Kontakten vor allem von den polnischen und deutschen Künstlern. Im Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten in Tuchola stand die Vernissage der großen Pleinair-Ausstellung der Künstlergruppen aus beiden Ländern zu Recht an oberster Stelle. Die Jubiläumsausstellung können Sie im September auch in Olching bewundern.

 

Auch einen traurigen Jahrestag mussten wir 2014 begehen. Sie haben vorher im Trailer die Bomben auf den Ort Molching fallen sehen. So oder ähnlich muss es auch gewesen sein, als in den Mittagsstunden des 22. Februar 1944 Bomben über Olching vom Himmel regneten. 22 Tote, 12 schwer und 40 leicht Verletzte waren wenige Minuten später in Olching zu beklagen, allein elf Gebäude wurden dabei völlig zerstört. Der Krieg war plötzlich und ganz unmittelbar in die Stadt hereingebrochen.

 

Die Geschichte bleibt uns die Antwort schuldig, warum die Bomben auf Olching fielen, wer diese fatale Entscheidung getroffen hatte.

 

Getrauert haben wir auch um einen bedeutenden Künstler unserer Zeit. Alto Fertl verstarb am 27. März 2014 im Alter von 82 Jahren. Herr Fertl war ein herausragender Künstler, der sein künstlerisches Schaffen in Olching begann und als Initiator die Gründung der Künstlergruppe „form-licht-farbe" realisierte. Überregionale Bedeutung erlangte er als Antriebsfeder verschiedener kultureller Organisationen sowohl im Landkreis Fürstenfeldbruck als auch in Dachau.

 

Wenn Sie anschließend die Treppe hinunter gehen, sehen Sie drei eindrucksvolle Werke aus seiner Hand. Aus diesem Grund habe ich sehr gerne den Vorschlag der Kulturreferentin Frau Busl aufgenommen und ehrenhalber den Platz um das KOM, nach Alto Fertl benannt. Vielleicht haben Sie das Schild beim Kommen bereits entdeckt. Damit werden wir ihm ein sehr würdiges Andenken bewahren.

 

Einprägsame, historisch bedeutsame Jahrestage auf nationaler und internationaler Ebene gab es 2014 ebenfalls in großer Zahl.

 

Denken Sie einmal 100 Jahre zurück - na ja, das gelingt wohl eher keinem hier im Saal - es würde nicht mal der zweit ältesten Olchingerin mit ihren 101 Jahren gelingen, die zwar geboren war, sich aber sicher nicht an den 28. Juni 1914 erinnern kann.

 

Von ihr übrigens habe ich anlässlich ihrer Geburtstagsfeier zum 101 ein erheiterndes und ein bedrückendes Zitat mitgenommen. Im Eindruck des am Abend vorher stattgefundenen Länderspiels Deutschland gegen Spanien meinte sie auf die Frage, wie es ihr mit 101 so gehe: „Gestern Abend nicht so gut, da bin ich ins Bett und wusste nicht, ob mein linkes Bein auch schon im Bett ist oder noch davor Fußball spielt."

 

Ja, König Fußball, meine Damen und Herren, die Fußballfans unter Ihnen verzeihen mir das bitte, dass ich den WM-Triumph erst spät in meiner Rede erwähne. Es war unumstritten auch ein ganz besonderer Moment des Jahres. Wer erinnert sich nicht gerne an das unglaubliche 7:1 gegen Brasilien oder das Traumtor von Mario Götze?

 

Aber kommen wir noch mal zurück auf unsere 101-jährige Jubilarin. Im Rückblick auf ihr Leben, sagte sie: „Was für ein schlimmes Jahrhundert, das wir da erleben mussten!"

 

Alleine zwei Jahrestage bestätigen diese Aussage:

100 Jahre Ausbruch 1. Weltkrieg, 75 Jahre Ausbruch 2. Weltkrieg.

 

Aber auch erfreuliche Ereignisse der Geschichte jährten sich.

 

Zum 25. Mal der Mauerfall und damit die Wiedervereinigung. Besonders die Ereignisse am Grenzübergang der Bornholmer Straße sind im Bewusstsein der Deutschen tief verankert.

 

Große Ereignisse, die sich also im vergangenen Jahr 2014 gejährt haben, bedeutsamer geht es da eigentlich nicht, könnte man meinen.

 

Beim 11. April des Jahres 1954 - also vor 60 Jahren - soll es sich laut Berechnungen britischer Wissenschaftler der Cambridge University hingegen um den bedeutungslosesten Tag des 20. Jahrhunderts gehandelt haben.

Zahlenmystiker muss ich somit also enttäuschen.

 

„Was für ein schlimmes Jahrhundert, das wir da erleben mussten!" Dieser traurige und nachdenklich machende Satz unserer betagten Olchinger Mitbürgerin ist mir lang nicht aus dem Kopf gegangen.

Und mir schoss seinerzeit die Frage durch den Kopf, was hätte sie im Rückblick auf ihr Leben wohl gesagt, wenn so manches in der Vergangenheit anders entschieden worden wäre, anderes passiert oder nicht passiert wäre? Für mich tauchte da immer wieder diese eine Frage auf: Was wäre gewesen, wenn?

 

Es ist wirklich spannend sich einmal mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Entscheidung hat am Ende zu was geführt. Oder auch, hätten andere Entscheidungen den Lauf der Welt geändert? Was also wäre passiert, wenn?

 

Die zugegeben umstrittene Wissenschaft der kontrafaktischen Geschichte also der Alternativgeschichte ist hier durchaus einen gedanklichen Ausflug wert.

 

Lassen Sie uns kurz solche Gedanken spinnen:

 

Wie hätte sich die Geschichte verändert, wenn zum Beispiel der Ostdeutsche Oberstleutnant Harald Jäger an jenem Tag gegen 23:30 Uhr nicht eigenmächtig entschieden hätte die Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße zu öffnen und die Passkontrollen einzustellen, sondern gar den Befehl, die Grenze mit allen Mitteln zu verteidigen, durchgesetzt hätte. Wie viele Leben hätte es verändert? Wie viel unserer Geschichte?

 

Der französische Staatspräsident François Mitterand, verkündete noch im Oktober 1989, also kurz vor dem Mauerfall: "Diejenigen, die über eine angebliche Wiedervereinigung Deutschlands reden, wissen nicht, wovon sie reden, verstehen offensichtlich die politischen Realitäten nicht."

 

"Aus der Sicht der achtziger Jahre leben wir in einer ziemlich unwahrscheinlichen Alternativ-Zukunft", bestätigt der Historiker Karlheinz Steinmüller.

 

Der Historiker Niall Ferguson geht noch weiter. Seine Idee lautet: Hätte das Attentat von Sarajevo nicht stattgefunden, wäre gut einen Monat später der Erste Weltkrieg nicht ausgebrochen. Die gesamte Ereigniskette hätte nicht eingesetzt. Damit wäre auch die sogenannte "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts ausgeblieben.

Kein Erster Weltkrieg hieße auch kein Zusammenbruch der deutschen und der österreichisch-ungarischen Monarchie, also auch kein Vertrag von Versailles. Im Nachgang wäre dann wohl auch keine nationalsozialistische Machtergreifung unter Hitler zustande gekommen. Hitler wäre dann womöglich ein mehr oder weniger bekannter Kunstmaler geworden.

Ohne Ersten Weltkrieg wäre auch der Zweite Weltkrieg und damit der Kalte Krieg ausgefallen. So zumindest mutmaßt der Alternativhistoriker.

 

Wäre es so gekommen, hätte die Welt also durch einzelne Nicht-Ereignisse und Entscheidungen diese Abzweigung in der Geschichte genommen, wie also würde die 101-jährige Olchingerin nun auf ihre Lebensgeschichte zurückblicken?

 

Keiner von uns weiß es und es bleibt im Land der Fantasie und Spekulation. Vermutlich aber hätte ich sie nie kennengelernt - sie hätte wohl nicht aus ihrer Heimat Schlesien flüchten müssen und Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, hätten dann mindestens diesen Teil der Rede nicht gehört und damit vielleicht sich auch nicht gedacht, was für skurrile Überlegungen.

 

Wenn Sie so denken, dann halten Sie es einfach mit Walther Rathenau der im Jahr 1918 und im Rückblick auf den Ersten Weltkrieg festgehalten hat: „Die Geschichte konjugiert nicht im Konditionalis, sie redet von dem, was ist und war, nicht von dem, was wäre und gewesen wäre."

 

Aber doch glaube ich, und das motiviert mich für die Arbeit als Bürgermeister für diese Stadt, dass keine Handlung und keine Entscheidung vorbestimmt ist. Dass politische Entscheidungen verändern können, gar müssen. Das sie auch Richtungsentscheidungen sind.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, in 2015 stehen wieder viele Entscheidungen, auch Richtungsentscheidungen, an.

 

Eine wesentliche Richtungsfrage für die Region wird in den kommenden Jahren folgende sein:

Wie gehen wir mit dem weiterhin prognostizierten hohen Ansiedlungsdruck auf den Großraum München um?

Aus meiner Sicht ist die reflexartige Antwort, großflächiger Ausweisungen neuer Wohngebiete gescheitert.

 

Zwar ist, wie auch bei uns in Olching, der Wohnraum dadurch quantitativ deutlich angestiegen. Aber zu welchem Preis?

 

Kostendämpfend hat es sich in jedem Fall nicht ausgewirkt, wenn Doppelhäuser für fast eine Million Euro verkauft werden und das Mannesmanngelände in Olching damit teurer ist als vergleichbare Projekte z. B. am Starnberger See.

 

Qualitativ hat unsere Stadt durch das starke Wachstum auch nicht immer gewonnen. Und letztlich stellt sich die schlichte Frage, wie viel Wachstum können wir vertragen, unsere verkehrliche, unsere soziale Infrastruktur noch bewältigen?

Wie gut können wir die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unsere Stadtgesellschaft überhaupt integrieren? Wie verhindern wir, dass wir für zukünftige neue Mitbürgerinnen und -bürger nur Schlafstadt und Dienstleister für die Kinderbetreuung sind?  Wie viel Eigenständigkeit will sich die Region als Ganzes noch erhalten? Sollen unsere Städte im Umland Münchens ihr charakteristisches Gesicht behalten mit naturräumlicher Trennung dazwischen und eigene Traditionen hegen und pflegen oder wollen wir zusammenwachsen zu einer Megacity München?

 

Meine Antwort ist eindeutig. Qualität vor Quantität beim Wohnraumwachstum in den nächsten Jahren, damit wir alle noch mitkommen und dass das, was uns derzeit auszeichnet, erhalten bleiben kann. Dazu brauchen wir aber genauso Projekte für Einheimische und bezahlbaren Wohnraum. Aber keine Investorenmodelle deren Projekte manchmal mehr einer verschatteten Schuhschachtel als einem allgemein noch unter einem Wohnhaus anerkannten Bauform entsprechen.

 

Der auf den Weg gebrachte neue Olchinger Flächennutzungsplan wird hierauf achten. Qualität in der Stadtentwicklung vor bloßem Flächenwachstum!

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen nur an Hand dieses Beispiels vor Augen führen, welche Auswirkungen auch kommunale Entscheidungen vor Ort haben können, was sie verändern können oder eben nicht.

 

Nur wenn wir überzeugt sind, dass immer neue Chancen zur Veränderung bestehen, können wir Menschen begeistern mitzumachen und mitzugestalten, Olching zu verändern, da wo es nötig ist, bewahren, wo es richtig ist und weiterentwickeln, an den Stellen, an denen es unserer Stadt gut tut.

 

Mitmachen lohnt sich, muss die Devise lauten.

Und wir brauchen wieder mehr dieser Mitmacher! Bei einer Wahlbeteiligung von knapp über 50 % bei der letzten Kommunalwahl, einer Überalterung in den Parteien, Verbänden und Vereinen, muss sich dringend wieder etwas ändern. Der bloße Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung ist da keine Antwort!

 

Unsere Demokratie, unsere Stadt braucht Menschen - noch  mehr Menschen, so wie Sie hier im Saal -, die mitgestalten wollen, die entscheiden wollen, die sich einsetzen für ihre Gemeinschaft, ihren Verein, ihre Institution, die an Veränderung und Verbesserung glauben, die antreiben, die unsere schöne Stadt zu dem machen, was sie ist, zu einer so lebenswerten Stadt mit viel Potenzial für die Zukunft.

 

Ich danke Ihnen allen für Ihren ganz persönlichen Beitrag für unsere Stadt Olching. Mit Ihrem Wirken, mit Ihren Projekten, Aktionen, auch mit Ihrem Lob und Kritik an der politischen Arbeit, treiben Sie Olching voran. Nur so sind wir gemeinsam Stadt!

 

Ich wünsche uns nun einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen.

 

Und vielleicht entsteht ja schon heute aus einem dieser vielen anregenden Unterhaltungen ein neues Thema, ein Projekt, das Olching verändern wird. Vielleicht nimmt dieser Abend bereits eine Abzweigung in Olchings Geschichte.

 

Ich bin gespannt. Und freue mich darauf!

 

Vielen Dank.

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