Rede des Ersten Bürgermeisters zum Volkstrauertag, 17. November 2013, Kriegerdenkmal Olching

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr verehrter Herr Diakon Baldes,

sehr verehrter Herr Pfarrer Sauer,

Herr Arndt,

Herr Feller,

verehrte Mitglieder des Stadtrats,

liebe Freunde aus Tirol,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

 

immer zwei Sonntage vor dem Ersten Advent erinnert uns der Volkstrauertag an alle Opfer von Krieg und Gewalt, deren wir gedenken wollen. Zugleich ist er ein Tag des Nachdenkens darüber, wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir - ganz persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und friedlichen Europa -  für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können. Aus diesem Grund haben wir uns heute hier am Kriegerdenkmal eingefunden. Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind.

 

Als Bürgermeister werde ich regelmäßig zu hohen Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen eingeladen. Nicht selten sind auch bei diesen freudigen Ereignissen die Kriegserlebnisse von damals Thema. Immer wieder bin ich tief bewegt, wenn ich feststelle, wie viele Mitbürgerinnen und Mitbürger diese schrecklichen Erinnerungen teilen. Sie bewegen die Menschen heute immer noch als wäre es erst gestern geschehen. Einmal erlebt, ist man niemals in der Lage derartiges zu vergessen.

 

Besonders grausam müssen die Durchhalteparolen am Ende des zweiten Weltkriegs gewesen sein, so wurde mir oft erzählt. Man denke beispielsweise an Redewendungen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder „halten bis zum letzten Mann". Obwohl der Krieg schon lange aussichtslos verloren war, wurde den Soldaten - teilweise Kinder - befohlen nichtsdestotrotz gehorsam an der Front zu kämpfen, sinnlos zu sterben. Diese irrsinnige, menschenverachtende Politik hat so manche Ehefrau ihres Mannes und so manches Kind seines Vaters beraubt.

 

Desto mehr beeindruckt mich, dass die weitaus meisten Überlebenden ihren Weg zurück ins Leben gefunden haben. Sie haben das Erlebte so gut wie eben möglich verarbeitet, eine Familie gegründet, Deutschland wieder aufgebaut aus Schutt und Asche, unser Gemeinwohl geprägt und den Frieden in Europa bis heute gesichert.

 

Nicht vergessen möchte ich, dass nicht nur Kampf, Verwundung, Gefangenschaft und Tod die Schrecken der Weltkriege waren, sondern auch die Vertreibung der Zivilbevölkerung. Viele Menschen wurden ihrem gewohnten Umfeld entrissen und mussten sich in der Fremde ein völlig neues Leben aufbauen. Oft mit nicht mehr als den Kleidern am Leib und den wenigen persönlichen Habseligkeiten im Koffer.Hab In meiner bisherigen Amtszeit wurden mir viele dieser entbehrungsreichen, teils schrecklichen Erlebnisse erzählt. Auch wenn ich sie von meiner eigenen Großmutter in ähnlicherweise kenne, diese Geschichten berühren mich immer wieder aufs Neue.

 

Die unmittelbaren Zeitzeugen werden immer weniger. Viele Großeltern der heutigen Kinder haben bereits den 2. Weltkrieg nicht mehr bewusst miterlebt. Auch wenn man niemandem solche Erinnerungen wünscht, so ist es doch wichtig, dass diese weitergegeben werden. Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten, nicht die blutigen Kämpfe, die massenhafte Vernichtung unschuldiger Menschen durch diktatorische Systeme oder das Schicksal der Vertriebenen.

 

Daher wird die aktive Jugendarbeit zukünftig möglicherweise noch wichtiger als in der Vergangenheit. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. feiert dieses Jahr 60 Jahre Jugendarbeit. Die beste Prävention gegen zukünftige Kriege und Gewaltherrschaften ist die heutige Jugend für das Thema zu sensibilisieren und zu erklären, was damals geschehen ist. Die Förderung von Toleranz muss dabei an erster Stelle stehen. Aus diesem Grund fördern wir in der Stadt Olching auch stets den Austausch nach Frankreich und Polen, der jungen Menschen erlaubt, ihren Horizont zu erweitern, andere Lebensweisen kennenzulernen und zu achten.

 

Dieses Jahr feierten wir das 50jährige Bestehen unserer Städtepartnerschaft mit Feurs. Städtepartnerschaften wurden ursprünglich geschlossen, um den Frieden in Europa zu sichern und unsere mit Feurs war eine der aller ersten Stunde. In vielen Teilen Deutschlands war 1963 noch nicht an eine Städtepartnerschaft mit Frankreich zu denken. Heute bin ich sehr froh und auch stolz, dass Visionäre in Olching damals die Bedeutung dieses Projektes bereits erkannt und voran getrieben haben. Der nachhaltige Erfolg der Partnerschaft und das vereinigte Europa geben Ihnen recht.

 

2014 jährt sich nicht nur der Erste Weltkrieg zum 100. Mal, sondern auch der Bombenangriff der Alliierten auf Olching jährt sich am 22. Februar zum 70. Mal. 22 Menschen ließen damals ihr Leben, darunter auch zwei von den ca. 1.000 in und um Olching beschäftigten Zwangsarbeitern. An dem Ort, an dem wir heute stehen, brach der Krieg direkt in das Leben der Menschen in unserer Stadt ein. Diese Olchinger, wie auch alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Gewalt, Krieg und Terror zum Opfer gefallen sind, ehren wir heute mit unserem Andenken. Wir werden sie nicht vergessen!

 

Leider sind Krieg, Gewalt und Vertreibung auch heute noch in vielen Teilen der Welt trauriger Alltag. Neue Schreckensnachrichten, beispielweise aus Lampedusa, erreichen uns nahezu täglich. Auf der Suche nach Frieden und Freiheit riskieren dort viele Menschen ihr Leben. Sie müssen ihre Heimat aufgeben, in der Hoffnung ein besseres Leben zu finden. Daran wird ersichtlich wie verzweifelt diese Menschen sein müssen und wie wenig Perspektive sie im Leben sehen.

 

Zu guter letzt wollen wir auch den aktiven Soldaten der Bundeswehr gedenken. Aktuell sind über 5.000 deutsche Soldaten weltweit aktiv, um für unser aller Sicherheit und Frieden zu sorgen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Insofern sind wir alle aufgefordert unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten. Für ein friedvolles, soziales Miteinander sind Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen unabhängig von ethnischer Herkunft oder persönlichen Weltanschauungen entscheidend. Im Kleinen wie im Großen.

 

Das wollen wir uns im Gedächtnis und im Herzen bewahren, wenn wir heute den Volkstrauertag begehen.

 

In Ehrfurcht vor den Toten der beiden Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft sowie aller Kriegsopfer und im Dienst gestorbenen Soldaten weltweit lege ich als Zeichen des Gedenkens diesen Kranz nieder.

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