Rede zum Neujahrsempfang am 18.01.2013

Meine sehr geehrten Damen und Herren, verehrte Gäste,

 

zu Beginn des noch jungen Jahres 2013 möchte ich Ihnen und Ihren Familien sowohl persönlich als auch im Namen des gesamten Olchinger Stadtrats alles Gute wünschen - vor allem Gesundheit, Erfolg und persönliches Glück. Für unsere Stadt Olching wünsche ich mir, dass es uns auch 2013 wieder gelingen mag, gemeinsam ein erfolgreiches Jahr zu gestalten, weiterhin die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen und dabei mit vereinten Kräften an einem Strang zu ziehen - und natürlich vor allem möglichst alle in dieselbe Richtung.

 

Vor einigen Tagen haben wir im Rathaus eine Rama-dama-Aktion in unseren Archiven und der Registratur durchgeführt. Der Zeitpunkt dieser Aktion fiel eigentlich zufällig auf den Jahresanfang, ich denke aber, dass er nicht besser gewählt hätte sein können. Der Jahreswechsel ist eine Zeit, in der man Bilanz zieht, sich neu sortiert und Vergangenes bewertet. Man blickt nach vorne und fragt sich, welche Lehren sich aus dem ziehen lassen, was hinter einem liegt, was einem die Erfahrungen des vergangenen Jahres für das neue Jahr bringen und wie man es schafft, die wirklich wichtigen Dinge von den Dingen zu trennen, die möglicherweise nur Beiwerk sind oder einem manchmal auch die Sicht auf das Wesentliche verstellen. Und ich darf Sie beruhigen - auf der Website des Fürstenfeldbrucker Tagblatts stand zwar zeitweise, dass die Rathausmitarbeiter insgesamt 22 Tonnen Papier weggeschmissen hätten, tatsächlich waren es aber nur knapp zehn Tonnen. Wir haben es also durchaus geschafft, die wichtigen Akten und Vorgänge von den unwichtigen zu trennen, bevor der Schredder kam.

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - für mich hat das Sortieren von Papier und alten Dokumenten oft etwas Entspannendes und dann, wenn man es schafft, sich von den Unterlagen zu trennen, die nicht mehr benötigt werden, auch etwas Befreiendes.

 

Aufgefallen ist mir beim Sortieren und Blättern in den ausgesonderten Unterlagen, dass es Themen zu geben scheint, die immer wiederkehren. So hat der Olchinger Gemeinderat sich bereits vor Jahrzehnten mit der Frage beschäftigt, welche Möglichkeiten es gibt, um die Gewerbesteuereinnahmen in unserer Stadt zu erhöhen, wie sich vermeiden lässt, dass Olching eine reine "Schlafstadt" wird und welche Kapazitäten die örtlichen Vereine für ihr Sport- und Kursangebot benötigen.

 

Manche Themen kommen also nicht aus der Mode. "Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen", schrieb der amerikanische Philosoph und Schriftsteller George Santayana. Und so ist es manchmal gut, sich vor Augen zu führen, was war, um zu entscheiden, was kommen soll. Genauso ist es wichtig, Raum zu schaffen für neue Ideen und neue Wege einzuschlagen.

 

Das geschah vor fünfzig Jahren auf europäischer Ebene, als Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle den als Elysee-Vertrag bekannten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichneten. Dieses Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit hat die beiden Nachbarn in Europa nach langer erbitterter Feindschaft und verheerenden Kriegen seitdem immer mehr zusammengeführt. Der Vertrag verpflichtet beide Regierungen zu Konsultationen in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik. Ebenso wurden Treffen in regelmäßigen Abständen beschlossen.

 

Wie Sie wissen, hatte dieses Abkommen durchaus auch Relevanz für Olching - wir unterhalten nämlich die älteste Städtepartnerschaft im Landkreis. Ebenfalls seit fünfzig Jahren besteht unsere Verbundenheit mit der französischen Stadt Feurs, von der auf beiden Seiten der deutsch-französischen Grenze zahlreiche Bürgerinnen und Bürger profitiert haben. Intensiver Austausch besteht seitdem zwischen unseren Schulen, zwischen den Gewerbeverbänden, zwischen Vereinen und Künstlern aus Feurs und aus Olching sowie auf der ganz - in Anführungszeichen - normalen, zwischenmenschlichen Ebene.

 

Die Städtepartnerschaften bilden ein wesentliches Element der deutsch-französischen Beziehungen und haben somit die Grundlage für das Zusammenwachsen der Europäischen Union gelegt. Gerade in Zeiten, in denen die Solidarität in Europa an wirtschaftlichen Differenzen auseinanderzubrechen droht, ist es unerlässlich, dass wir uns an die unglaubliche Erfolgsgeschichte der europäischen Einigung erinnern, die den Frieden auf unserem Kontinent ermöglicht hat. Ganz zweifellos ist das Konzept der Städtepartnerschaften eine Art "Außenpolitik auf kommunaler Ebene", an der sich alle Bürgerinnen und Bürger unmittelbar beteiligen können und sollen. Ich freue mich daher, Sie bereits heute zu unserem deutsch-französischen Freundschaftsfest einzuladen, das wir anlässlich des 50-jährigen Jubiläums und des Besuchs einer großen Delegation aus Feurs am 10. Mai 2013 hier im KOM feiern wollen.

 

Aber zurück zu Europa. Es waren wegweisende Schritte wie die Unterzeichnung des Elysee-Vertrages, die dazu geführt haben, dass wir heute in einem freien und friedlichen Europa leben. Diese Freiheit sehen wir trotz der vielen Krisen und Kriege, die auch im vergangenen Jahr von Afghanistan bis Syrien überall auf der Welt geschwelt und getobt haben, viel zu oft als selbstverständlich an. Wie Sie sicher in der Presse verfolgt haben, ist auch in Olching aufgrund der steigenden Anzahl an Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in Deutschland vom Landratsamt eine Gruppe hilfsbedürftiger Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Sierra Leone, Nigeria, dem Kongo und dem Libanon untergebracht worden. Am 31. Januar organisiert die Stadt im Sozialzentrum - Haus der Begegnung gemeinsam mit den sozialen Vereinen einen „Unterstützerkreis", für den sich viele von Ihnen gemeldet haben. Vielen Dank dafür.

 

Bundespräsident Gauck hat im vergangenen Jahr bei einigen Anlässen und speziell bei seiner Rede vor der Bundesversammlung davon gesprochen, dass mit der Freiheit des Menschen die ethische Pflicht einhergeht, Verantwortung zu übernehmen. „Freiheit heißt nicht nur frei sein von etwas, sondern auch frei sein zu etwas." Wenn man sich Freiheit und Frieden ersehne, seien diese Werte stets makellos. Wenn sie in einer demokratischen Gesellschaft wie Deutschland bereits etabliert seien, würden sie oft nicht mehr als solche wahrgenommen.

 

Bundespräsident Gauck fordert nicht nur mehr Bewusstsein für das Privileg der Freiheit und des Friedens, das wir leben, sondern er fordert, dass wir die aus diesem Privileg erwachsende Pflicht und Verantwortung annehmen.

 

Ein sehr bekanntes Zitat feiert auch 50. Jubiläum. Vor fünfzig Jahren erklärte der damalige amerikanische Präsident John F. Kennedy, dass er ein Berliner sei. In seiner ersten Rede als Präsident sagte er: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst." Auch wenn dieser Satz seither unzählige Male zitiert worden ist und manchmal schon abgegriffen erscheint, hat er auch heute noch eine fast erschreckende Aktualität.

 

Denn eine Stadt, ein Land, eine Gesellschaft, braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Und mich hat in meinen nunmehr fünf Jahren als Bürgermeister dieser schönen Stadt immer einmal wieder das Gefühl beschlichen, dass sich unsere Gesellschaft dieses Zitat von Kennedy wieder mehr zu Herzen nehmen sollte. In einer Zeit, in der immer weniger Menschen bereit sind, sich ohne Gegenleistung für das Allgemeinwohl zu engagieren.

 

Mir ist aufgefallen, dass es immer mehr Menschen gibt, die Leistungen fordern, aber nicht bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen. Ich sehe mit gewisser Sorge, dass immer mehr nach den Verantwortlichen gefragt wird, aber weniger selbst Verantwortung übernommen wird.

 

Dies scheint ein Zeichen der Zeit zu sein. Dieser Teil unserer Gesellschaft hat den Anspruch, dass alles immer leichter und bequemer werden muss, dass sie ein Leben ohne Zumutungen und Kompromisse organisiert bekommen aber nicht bereit sein müssen, selbst einen Beitrag dafür zu leisten.

 

"Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Welt verändern", besagt ein afrikanisches Sprichwort. Und natürlich muss sich die Politik im Großen wie im Kleinen die Frage stellen, wie sich die Menschen erreichen und aktivieren lassen - gerade im Vorfeld von Wahlen.


Bürgerentscheide, Bürgerwille, Bürgerbeteiligung - was ist das richtige Verhältnis all dieser wichtigen basisdemokratischen Elemente zu Regierungen, zur öffentlichen Verwaltung, zum Stadtrat und zum Bürgermeister? Wer ist angesichts der seit Jahren schrumpfenden Wahlbeteiligung und der generellen Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen überhaupt "der Bürger"? Wie kann man Fehlentwicklungen wie Stuttgart 21 frühzeitig und wirksam gegensteuern? Ist eine stärkere Bürgerbeteiligung wirklich ein Allheilmittel für alle Probleme - gerade von der Presse wird sie oft als solches gepriesen? Welche anderen Formen der Beteiligung sind denkbar? Kann es zu viel davon geben? Hier fällt mir das Stichwort Facebook ein, das in Olching im vergangenen Jahr auch zu einigen Differenzen geführt hat.

 

In meinen Gesprächen mit den Vereinen höre ich immer wieder, wie schwierig es wird, Nachwuchs für die Vereinsarbeit zu gewinnen oder allseits beliebte Veranstaltungen fortzusetzen. Es finden sich immer viele, die bereit sind, ein Fest oder eine Sportstunde zu besuchen, aber die Durchführung dieser Angebote ist nur durch die unermüdliche Arbeit derer möglich, die ihre Hemdsärmel hochkrempeln und sich ohne Erwartung einer Gegenleistung für andere engagieren. Möglicherweise ist es ebenfalls ein Zeichen der Zeit, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich dauerhaft eine solche Verantwortung in Form eines Ehrenamtes aufzubürden.

 

Vereinsarbeit und damit bürgerschaftliches Engagement ist eine selbstbewusste Form, Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft zu übernehmen. Dafür gab es 2012 in Olching unzählige Beispiele, und auch 2013 wird es dank der Arbeit unserer Vereine und der Unterstützung durch die Institutionen und Partner wieder zahlreiche schöne Veranstaltungen und soziale Initiativen geben. Diese Arbeit der Wenigen für die Vielen ist nicht selbstverständlich, aber ohne sie wäre unsere Stadt für Alle weniger lebenswert.

 

Ein weiteres Beispiel für gelebtes bürgerschaftliches Engagement sind die Bürgerinnen und Bürger, die sich in Olching letztmalig seit 2010 im Rahmen der Bürgerbeteiligungsprozesse engagieren und gerade im letzten Jahr einige interessante Projekte auf den Weg gebracht haben. So gibt es nun die Ehrenamtsbörse, mit deren Hilfe Angebot und Nachfrage beim ehrenamtlichen Engagement zusammengebracht werden, mithilfe der Initiative "Blech weg!" wurden rund 300 überflüssige Straßenschilder in unserem Stadtbild abgebaut und im Frühjahr 2013 werden am Volksfestplatz drei Transitplätze für Wohnmobile eingerichtet werden - all dies Ideen und Projekte aus dem Bürgerbeteiligungsprozessen. Wenn Sie Lust haben, hier mitzuwirken, können Sie sich über das städtische Mitteilungsblatt und auf www.olching.de über das nächste Treffen informieren. Auch hier werden dringend Menschen zum Mitmachen und Mitgestalten gesucht.

 

Warum fehlen uns also Menschen, die sich aktiv einbringen, ob in den Vereinen, den politischen Prozessen oder innerhalb der Parteien?

 

Vielleicht liegt es an unserer Leistungsgesellschaft und deren Ideale. Schülerinnen und Schüler, die bis spät am Nachmittag in der Schule sitzen, die abends lernen müssen oder zur Nachhilfe gehen - wie hoch wird bei ihnen die Bereitschaft sein, in der wenigen Freizeit ein Feuerwehrauto zu waschen, eine Kindermannschaft zu betreuen, oder ähnliches? Hätte es zu meiner Zeit das G8 gegeben, ich hätte mich nicht so in der Feuerwehr engagieren können, wäre nicht so intensiv mit der kommunalen Politik in Berührung gekommen und würde heute nicht hier stehen. Für Sie hätte das G8 damit aber immerhin den Vorteil gehabt, dass Sie sich diese Rede nicht anhören hätten müssen und schneller beim Büffet gewesen wären.   

 

Oder ist es die immer wieder zitierte Politikverdrossenheit, die ja oft als Grund für die fehlende Bereitschaft angeführt wird, sich in die Gemeinschaft einzubringen? Meiner Meinung nach wird sie aber oft nur vorgeschoben und ist sicherlich schon so alt wie die Demokratie selbst. Natürlich können so manche Äußerungen von Politikern durchaus Verdruss machen, aber verdrossen muss man deswegen noch lange nicht sein. Und ich bin mir sicher, dass auch in dieser Berufsgruppe nicht mehr oder weniger gute oder nicht so gute Menschen tätig sind wie anderswo. Vielleicht stehen sie nur einfach stärker im Fokus.

 

Der Politikwissenschaftler Ernst Fränkel beklagte bereits 1966 die "Parlamentsverdrossenheit", die sich anlässlich der Bundestagswahl 1965 gezeigt habe. Der Begriff "Politikverdrossenheit" tauchte Ende der Achtzigerjahre das erste Mal in der bundesdeutschen Debatte auf. Die Gesellschaft für deutsche Sprache erklärte es 1992 sogar zum Wort des Jahres.

 

Zum Wort des Jahres 2012 wurde übrigens das Wort "Rettungsroutine" gekürt.

Unwort des Jahres 2012 wurde dagegen "Opfer-Abo" - Jörg Kachelmann hat die zweifelhafte Ehre, dieses Wort geprägt zu haben: In einem Interview sprach er davon, Frauen hätten in Vergewaltigungsprozessen ein "Opfer-Abo". Diese Formulierung rügte nun zu Recht eine sprachkritische Jury.

 

Auch in der Kommunalpolitik ist man im übrigen immer wieder mit dem Thema Gewalt und Kriminalität konfrontiert - zum Beispiel mit der Frage, wie Menschen mit dem Eigentum von anderen und der Allgemeinheit umgehen. 2012 wurden in Olching wie auch in den Vorjahren nicht nur öffentliche Einrichtungen wie Bushaltestellen, Spielgeräte und Hundetoiletten von Vandalen beschädigt, sondern am Volksfestplatz wurde in einem Akt beispielloser Zerstörungswut mehrere Fahrzeuge mit Feuerlöschern buchstäblich zu Schrott geschlagen - dies ist eine blinde Raserei, die mich fassungslos gemacht hat.

 

Soweit ich informiert bin, wurden die mutmaßlichen Täter in der Zwischenzeit ermittelt. Dafür danke ich der Polizeiinspektion Olching und Ihnen, Herr Priller, auch für die wie immer sehr gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

 

Und dennoch gibt es zahlreiche Gegenbeispiele zur Zerstörungswut, zur Politikverdrossenheit und zur Couch-orientierten Schonhaltung. In Deutschland engagiert sich noch jeder Dritte ehrenamtlich und spendet so unkomplizierte Hilfe, stärkt zwischenmenschliche Beziehungen und macht unzählige Projekte und Freizeitangebote erst möglich. Unsere Olchinger Vereine und Institutionen sind das beste Beispiel dafür, was jeder Einzelne tun kann, um Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Dafür gilt Ihnen allen wie in jedem Jahr mein ganz besonderer Dank.

 

Nochmals kurz zur Politikverdrossenheit: "Die da oben machen eh was sie wollen" oder "Ändern kann man ja eh nichts" - diese Sätze hat wohl jeder von uns, der oder die sich mit Politik beschäftigt, schon einmal gehört.

 

Das zeigt sich auch oft vor Wahlen, wie sie 2013 anstehen. Oft wird argumentiert, dass sich dann schon für einen selbst etwas ändern müsse, wenn man wählen gehe. Sonst sei die Wahl ja sinnlos.

 

Hier enttarnt sich Politikverdrossenheit als Enttäuschung über eine nicht erfüllte, subjektive Erwartungshaltung. Vielen Menschen ist es lieber, gewohnt weiter zu leben, als Dinge aktiv zu verändern. Beschweren kann man sich ja trotzdem über die herrschenden Zustände. Aber wenn in der Geschichte der Menschheit sich jeder immer nur "bringt doch eh nichts" gedacht hätte, wie würde die Welt dann heute aussehen?

 

Und wie ist es möglich, dass sich in angeblich politikverdrossenen Zeiten so viele Deutsche für die amerikanische Präsidentschaftswahl interessieren wie 2012? Liegt der Grund etwa in deren monumentaler, hollywoodartiger Inszenierung? Erscheint die Politik auf der anderen Seite des Atlantiks mit den riesigen Werbebudgets in Ermangelung charismatischer Politikstars in Deutschland einfach erfrischender?

 

Letztendlich muss oder darf jeder Mensch selbst zur Wahl gehen und kann sich auch zur Wahl stellen. Jeder von uns, unabhängig von seinem Geldbeutel, kann Bundeskanzlerin oder -kanzler  werden, ein großer Unterschied zu den USA, und jeder kann dann beweisen, dass er oder sie es besser machen kann. Als kurios, möglicherweise ein Stück weit verantwortungslos, erscheint mir die Tatsache, dass mittlerweile auch Gruppierungen gewählt werden, die kein wirkliches Wahlprogramm haben.

 

Ich hoffe, Sie verzeihen mir den hoffentlich nicht allzu philosophischen Anstrich dieser Neujahrsansprache. Zum Schluss möchte ich gern konkreter werden und die Ereignisse des vergangenen und gerade begonnenen Jahres umreißen.

 

2012 ging die Welt also doch nicht unter. Es war das Jahr der fortgesetzten Eurokrise. Es war das Jahr der Fußball-EM, bei der Spanien triumphierte und die deutsche Mannschaft es leider nur bis ins Halbfinale geschafft hat. Der Hurricane Sandy wütete, die britische Queen sprang in London über dem Olympiastadion ab und auch in Olching war der olympische Geist zu spüren, worauf ich gleich noch einmal zurückkommen möchte. Der Film „Ziemlich beste Freunde" begeisterte in Deutschland ein Millionenpublikum und setzte das Thema Inklusion ganz oben auf die politische Agenda.

 

In Olching haben wir auch einen Beitrag zu diesem Thema geleistet. Und ich meine jetzt nicht die immerwährende Diskussion über unsere Rathauseingangstüre. Als offizieller Standort der Special Olympics Sommerspiele 2012 hießen wir zahlreiche Sportlerinnen und Sportler sowie Besucher mit und ohne Behinderung bei uns willkommen. In der modernisierten Turnhalle in Geiselbullach und im Sozialzentrum - Haus der Begegnung entstand ein Olympisches Dorf.

 

Außerdem wurde in Esting die Dachauer Straße saniert, der Bau der Mittelschule im Schwaigfeld ging an den Start und der zweite Bauabschnitt des Nöscherplatzes wurde fertiggestellt. Die Erschließung des neuen Gewerbeparks an der B471 begann und das erste mittelständische Unternehmen siedelte sich dort an. Die FFB-Schau zog mehr als 34.000 Besucher auf unseren Volksfestplatz.

 

Wir hatten einen großen Weihnachtsbaum am Kreisel, von dem ich hoffte, dass er den Olchingern gefällt, aber nicht mehr umfällt.  Er blieb dank einem neuen Fundament stehen, auch wenn ich langsam vermute, dass ich das Thema Weihnachtsbaum und die daraus entstehenden Kontroversen wohl nie ganz los sein werde.

 

Mit dem Olchinger Ferienprogramm haben wir wieder bewiesen, dass wir mehr leisten können als andere Kommunen im Landkreis, wenn Stadtverwaltung, Vereine und Partner an einem Strang ziehen. Ein Gymnasiast aus Olching, der Siebtklässler Lucas Hüttl, der heute auch bei uns ist, gehörte zu den Siegern eines Experimentierwettbewerbs des bayerischen Kultusministeriums. Sein Lehrer Matthias Röbcke unterstützte ihn in seinem Forscherdrang. Meinen herzlichen Glückwunsch!

 

2013 wird die Bundes- und bayerische Politik unter dem Zeichen der Wahlen stehen und somit sicher einigen Stillstand erleben. Die europäischen Rettungsschirme bleiben aufgespannt und Bundeswehrsoldaten stehen am Mittelmeer dem NATO-Verbündeten Türkei zur Seite. Wird Großbritannien womöglich aus der EU austreten? Schaffen es die Vereinigten Staaten aus der Rezession? Kommt es in Deutschland bei der Energiewende zum Schwur? Königlicher Nachwuchs in England. In Italien feiert ein König die Wiederauferstehung - Berlusconi kommt zurück und legt damit womöglich die Vermutung nahe, dass sich die Maya mit dem angeblich nun angebrochenen neuen Zeitalter doch getäuscht haben. Ab August 2013 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch für einen Krippenplatz für die 1- bis 3-jährigen, was viele Kommunen in Schwierigkeiten bringen wird.

 

In Olching sind wir 2013 verhalten optimistisch, dass wir diesen Rechtsanspruch auch werden erfüllen können. Allein im Haushaltsjahr 2013 werden rund 8 Millionen Euro in Bildung und Kinderbetreuung investiert. Im Schwaigfeld wird der Kindergartenanbau eröffnet. Der Bau der neuen Mitteschule läuft weiter - wir werden sie voraussichtlich Ostern 2014 eröffnen können, wenn alles weiterhin so gut im Zeit- und Finanzrahmen läuft. Die Erschließung des neuen Gewerbeparks, durch den mittelfristig neben Arbeitsplätzen auch die Steuereinnahmen ansteigen werden, schreitet fort. Am 1. Mai wird anlässlich der Maibaumaufstellung durch die Kolpingfamilie und die Feuerwehr Olching auch der Nöscherplatz II eingeweiht, die preisgekrönte Kabarettistin Martina Schwarzmann kommt aufs Volksfest, ins Zelt eines neuen Volksfestwirts. Als nächstes steht der Faschingszug an, diesmal mit einer Kontrolle des TÜV, sonst aber in gewohnt gelassener oder besser ausgelassener Manier.

 

Meine Damen und Herren, am Ende meiner Neujahrsansprache möchte ich all jenen danken, die ich noch nicht explizit erwähnt habe:

 

unseren Feuerwehrfrauen und -männern, die in diesem Jahr bei rund 437 Alarmen ausgerückt sind und unsere Sicherheit garantiert haben;

 

den Aktiven des BRK, die sich bei zahlreichen Veranstaltungen um unser Wohlergehen kümmern;

 

den Leiterinnen und Leitern der Schulen in Olching, die sich unserer Kinder und damit der Zukunft unserer Stadt annehmen;

 

den Vertreterinnen und Vertretern der Presse für die vertrauensvolle und konstruktive Begleitung unserer Arbeit

 

sowie Ihnen allen für Ihre Anregungen, Ihre Unterstützung, Ihr Lob, Ihre Kritik, die vielen gemeinsamen Gespräche und Veranstaltungen sowie das in mich, den Stadtrat und die Stadtverwaltung gesetzte Vertrauen.

 

Ich danke Ihnen allen.

 

Wir hören nun im Anschluss das Musikstück "Let's be happy, said the Rhabbi ", was ich als Motto ganz passend finde.

 

Ich freue mich auf ein interessantes und spannendes Jahr 2013 mit Ihnen allen zusammen und hoffe, dass es auch in diesem Jahr einige Ereignisse geben wird, auf die wir  dann im Folgejahr mit einem Schmunzeln zurückblicken. Gemeinsam können wir wieder viel bewegen, das bedeutet immer wieder auf's neue harte Arbeit, denn ohne Fleiß kein Preis, aber bei allem Ernst wünsche ich uns, dass wir den nötigen Humor und die Gelassenheit im passenden Moment nicht vergessen!   

 

Vielen Dank!

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