Rede des Ersten Bürgermeisters Andreas Magg anlässlich des Besuchs in Feurs 2019

Liebe Freunde aus Feurs,

sehr geehrter Bürgermeister Taite,

sehr geehrte Mitglieder des Stadtrates,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Gäste,

 

 

Maibäume sind bereits seit dem 16. Jahrhundert in Bayern ein selbstbewusstes Zeichen für die Verbundenheit innerhalb einer Dorfgemeinschaft. Daher steht ein Maibaum normalerweise auf dem Marktplatz, in der Mitte der Stadt, wo er weithin sichtbar ist und viele Bürgerinnen und Bürger vorbeikommen. Die Maibaumschilder zeigen traditionell Werkzeuge, Landwirtschaft oder öffentliche Gebäude.

 

Insofern unterscheidet sich dieser Maibaum nicht von den traditionellen, bayerischen Bäumen. Nicht nur rein äußerlich, sondern auch er ist ein Symbol für ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl, das nun schon seit 56 Jahren währt: Die Städtepartnerschaft zwischen Feurs und Olching. Wir sind stolz auf diese Verbindung, die immer noch so lebendig ist wie am ersten Tag.

Unsere Feuerwehren in Zusammenarbeit mit der Kolpingsfamilie Olching haben es gerade eindrucksvoll unter Beweis gestellt: In zahllosen Emails, Telefonaten und Besuchen haben sie diese logistisch anspruchsvolle Aufgabe gemeinsam gemeistert, sodass wir hier heute zusammen das Aufstellen feiern können. Für dieses außergewöhnliche Engagement darf ich mich an dieser Stelle schon mal sehr herzlich bedanken.

 

Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Kollegen und guten Freund Jean-Pierre, der diese wunderbare Idee hatte. Bei unserem letzten Treffen 2017 in Olching äußerte er einen Wunsch: Er hätte auch gerne einen echten bayerischen Maibaum in seiner Stadt! Nur zu gerne kamen wir dieser Bitte nach.

 

Auch wenn man leider zugeben muss, dass es nicht der erste seiner Art in Frankreich ist. In Samoreau an der Seine, 60km südöstlich von Paris, steht beispielsweise ebenfalls ein bayerischer Maibaum. Die Gemeinde pflegt eine Partnerschaft mit Bernried am Starnberger See, die bereits vor über 20 Jahren den Brauch nach Frankreich exportierte. Das Gute aber daran ist, dass wir wissen, wie beliebt der Baum unter den Franzosen ist. Ständig wird er von Fans fotografiert. Wir wünschen uns natürlich, dass unser Baum hier ähnlich viel Anklang findet.

 

Zu einem traditionellen Maibaumfest gehören bayerisches Bier, Blasmusik und vor allem die weltweit bekannte bayerische Gemütlichkeit. Unsere Feuerwehrkameraden sind extra mit dem Bus angereist, um 90 l Bier und eine Kühlanlage transportieren zu können. Na gut, und die Schilder für den Maibaum, die wohl das erlaubte Gepäckgewicht von 23 kg leicht überschritten hätten.

Die bayerische Gemütlichkeit ist so unverwechselbar, dass man gar nicht erst versucht den Begriff zu übersetzen. Im Englischen spricht man von „Gemütlichkeit“ und auch im französischen gibt es den Ausdruck „la Gemütlichkeit“. Genauso wenig wie man ihn übersetzen kann, genauso wenig kann man ihn beschreiben. Auf Wikipedia liest man von einer warmen Atmosphäre, von Geborgenheit, Konfliktfreiheit und einer angenehmen Ruhe. Doch diese Erklärung bleibt natürlich hinter der Wahrheit zurück. Man muss bayerische Gemütlichkeit erleben, daher haben wir versucht diese aus Olching ebenfalls mitzubringen. Ich hoffe, es ist uns ein wenig geglückt.

 

Natürlich ranken sich in Bayern weitere Bräuche rund um den Maibaum. Beispielsweise stellen Jugendliche Wachen auf, die sicherstellen sollen, dass der Baum nicht gestohlen wird. Oder sie entwenden selbst den Maibaum der Nachbarstadt, um ihn gegen ein zünftiges Weißwurstfrühstück auslösen zu lassen.

 

Die Jugend spielt beim Maibaumaufstellen also eine entscheidende Rolle. Nicht anders verhält es sich bei unserer Städtepartnerschaft. Aufgrund des regelmäßigen und erfreulicherweise beliebten Schüleraustausches, ist die Partnerschaft nicht nur lebendig, sondern nachhaltig gesichert. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Verbindung noch viele weitere Jahrzehnte Bestand haben wird. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Städtepartnerschaften verlieren zunehmend an Bedeutung im unmittelbaren Leben der Menschen, obwohl sie vermutlich wichtiger sind denn je.


Städtepartnerschaften sind nicht zuletzt ein Symbol des europäischen Zusammenhalts. Die Europawahl vergangenen Sonntag war richtungsweisend für die zukünftige Ausgestaltung europäischer Politik. Es geht darum, ob und wie wir dem tiefgreifenden Wandel auf unserem Kontinent begegnen. Mehr denn je brauchen wir eine EU, die sich ihrer Werte und Ziele bewusst ist. Der Werte, die Europa stark gemacht haben: Achtung der Menschenrechte, Freiheit, Demokratie als auch Rechtsstaatlichkeit. Es müssen die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden. Es geht um nicht weniger als die Zukunft Europas.

 

Die Wahlergebnisse sowohl in Frankreich als auch in Deutschland zeugen leider von einem zum Teil falschverstandenen Heimatgefühl. Wie Sie sicherlich wissen, sind auch wir Bayern stolz auf unsere Heimat, unsere Kultur und unsere Herkunft. Doch dieser Stolz ist nicht zu verwechseln mit Abschottung und Nationalismus. Man kann seine Heimat lieben und nichtsdestotrotz Europäer sein. Abschotten hingegen löst keine Probleme, sondern schafft zusätzlich neue.

 

Ich dankte vorhin bereits den Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr, die dieses besondere Ereignis ermöglicht haben, die – wenn man so will - eine Art Denkmal geschaffen haben. Und auch in ihrer täglichen Arbeit erschaffen die Kameraden vielleicht selten Denkmäler, aber immer häufiger retten sie solche. Erst kürzlich als die Notre Dame in Flammen stand haben wir alle sehr gehofft, dass die Feuerwehrler es noch schaffen, die Kathedrale zu retten. Ich denke, ich spreche für alle hier, wenn ich sage, ich war geschockt. Mit großer Bestürzung habe ich die Löscharbeiten verfolgt und ich wünsche mir sehr, dass die Notre Dame zügig und vollständig renoviert werden kann.

 

Die Notre Dame hat für uns im Kern Europas neben der kunstgeschichtlichen auch eine unvergleichliche symbolische Bedeutung. Als Symbol der einheitlichen christlichen Kultur, die uns in Europa über bestehende Ländergrenzen hinweg lange lange Zeit verbunden hat. Eine Geisteshaltung, die Jahrhunderte lang für das Leben der Menschen zentral war.

In etwas kleinerem Maßstab ist auch unser Maibaum hier ein Zeichen für die Einheit der Menschen in Europa.

 

Abschließend darf ich nochmals meinen herzlichen Dank an alle Personen, die im Vorfeld an den Vorbereitungen für dieses tolle Fest beteiligt waren, aussprechen.

Ich bedanke mich im Namen der Delegation sehr bei dir, Jean-Pierre, für die Einladung und darf sagen, wir freuen uns sehr heute hier sein zu dürfen.

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