Rede anlässlich des 75. Jahrestags des Bombenangriffs auf Olching, 22. Februar 2019

Erster Bürgermeister Andreas Magg

Kirche St. Peter und Paul


Sehr geehrter Herr Pfarrer Harald Sauer,

sehr geehrte Pastoralreferent Max Altmann,

ich darf heute auch einige Zeitzeugen unter uns begrüßen:
Fr. Duschl, Fr. Gobbel, Fr. Kistler, Fr. Machane,
Hr. Andrä, Hr. Eberle, Hr. Lang, Hr. Steer

liebe Schülerinnen und Schüler der Mittelschule und des Gymnasiums,

sehr geehrte Konrektorin Frau Nüßl,

sehr geehrte Frau Kammerer, sehr geehrter Herr Hömberg, (Gymnasium Olching)

liebe Mitglieder der Veteranen- und Kameradschaftsvereine Esting und Olching,

sehr geehrte Damen und Herren des Olchinger Stadtrats,

liebe Pressevertreter,

ich freue mich, dass wir heute hier in diesem Kreis zusammen kommen, denn es ist mir ein sehr großes Anliegen und hat mir und Herrn Pfarrer Steindlmüller einiges Kopfzerbrechen bereitet, nämlich die Frage, wie wir es schaffen insbesondre auch den jungen Menschen in unserer Stadt nahe zu bringen, was es bedeutet in Frieden und Freiheit zu leben –welches große Glück es ist - und dass dies eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern man im kleinen wie im großen ständig daran arbeiten, sich engagierten muss.

Und gleichzeitig eben auch die jüngeren Generationen, also auch euch lieben Schülerinnen und Schüler, aber genauso auch meine Generation, sensibler dafür zu machen was Krieg, Angst, Leid, Gewalt und Elend bedeuten.

Für viele von uns ist Krieg entweder weit weg – Syrien, Afghanistan, Afrika oder schwarz-weiß. Viele Dokumentationen aus der Zeit der Weltkriege sind im Fernsehen schwarz-weiß. Auf mich wirkte das immer sehr weit weg, zeitlich und räumlich, obwohl der Erste und der Zweite Weltkrieg auch mitten in unserem Land, unserer Region getobt hat. Und zwar nicht schwarz-weiß sondern in voller Farbe, mit voller Wucht und vollem Schrecken an vielen Orten, die wir kennen, die uns vertraut sind und die wir lieben.

Blut war damals rot, Blut ist heute in Syrien rot und wäre auch wieder in Deutschland rot, wenn wir nicht gemeinsam für Frieden und Freiheit einstehen. Und ja, jeder einzelne von uns kann dazu etwas beitragen. Genau heute vor 76 Jahren wurden übrigens drei Menschen hingerichtet, die sich mit unvorstellbaren Mut gegen die Naziherrschaft gewandt hatten: Die Mitglieder der weißen Rose, die Geschwister Scholl und Christoph Probst.

Heute wollen wir gemeinsam mit Augenzeugen und Überlebenden des Zweiten Weltkriegs und insbesondere des Fliegerangriffs auf Olching erfahren und erspüren, wie es sich angefühlt hat, in einem idyllischen Dorf wie Olching, als der Krieg, die Angst, der Schrecken und der Tod urplötzlich und mit einem großen Knall unmittelbar in das Leben eingetreten sind. Nichts war mehr weit weg, nichts war schwarz-weiß, alles war ganz Real – hier in dieser Stadt.

Und wir wollen den 22 Menschen gedenken die ihr Leben dabei hier in Olching rund um diese Kirche verloren haben und den 50 Personen, die schwer verletzt wurden. Wie auch allen Menschen, die durch Krieg und Gewalt ihr Leben oder ihre lieben Angehörigen verloren haben.

Was war damals passiert, am 22.02.44 um kurz vor 13 Uhr?

  • Etwa 25 bis 27 amerikanische Bomber aus nordwestlicher Richtung kommend warfen rund 75 Sprengbomben sowie 150–200 Brandbomben über dem damaligen Gemeindegebiet ab.
  • Möglicherweise sollte die Bahnlinie München – Augsburg oder der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck getroffen werden
  • Ein Großteil der Bomben fiel in die Amperauen
  • Das letzte Drittel der Bomben erreichte Olching und richtete verheerende Schäden an
  • 58 Gebäude wurden getroffen.
    Darunter: die Sakristei, das Pfarrhaus, das Umspannwerk und die Mädchenschule
    11 davon wurden vollkommen zerstört, 12 schwer und 35 leicht beschädigt
  • In der Mädchenschule wurde ein provisorisches Notaufnahmelager eingerichtet
  • In der darauf folgenden Nacht waren 140 Personen obdachlos
  • Ein Zug, der 12:50 Uhr im Olchinger Bahnhof eintreffen sollte, wurde 300m zuvor gestoppt. Die fliehenden Passagiere wurden von Tieffliegern beschossen, es blieben aber alle unverletzt.

All jenen wollen wir heute gedenken und einen gemeinsamen Appell für Frieden und Freiheit musikalisch in die Welt senden.

Um auch für die Olchinger Bürgerschaft diesen Tag, den 75. Jahrestag des Fliegerangriffs, hörbar zu machen, werden um 12.45 Uhr alle Sirenen in dieser Stadt aufheulen, genauso wie vor 75 Jahren. Nur heute werden wir danach auseinander gehen und Olching ist noch genauso wie es war, als wir hier um 12 Uhr hereingegangen sind. Damals war nach dem Aufheulen der Sirenen in Olching nichts mehr so wie es davor war.

Ich danke Ihnen allen fürs Kommen und dieses starke Signal, dass unsere Verstorbenen nicht vergessen sind und wir alle für ein friedliches Europa, für ein Miteinander hier und weltweit eintreten wollen. 

Im Gedenken an die Ereignisse legen wir im Anschluss an diese Gedenkstunde einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder.

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