Rede zum Neujahrsempfang am 18. Januar 2019

„Demokratie lebt nicht allein aus sich heraus, aus der Verfassung und aus geschriebenem Recht. Demokratie braucht Haltung und Engagement. Demokratie verlangt Respekt und die Bereitschaft zum Kompromiss.

Kurz gesagt: Demokratie braucht Menschen wie Sie. Ohne Menschen wie Sie wären wir nicht dasselbe Land, wäre es ärmer und kälter um uns herum. Sie erst machen das Leben in unserem Land reich, wertvoll, lebenswert.“

 

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, verehrte Gäste!

 

Mit diesen Worten des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier möchte ich Sie alle auf dem Neujahrsempfang der Stadt Olching herzlich willkommen heißen.

 

Im Namen der Stadt aber auch ganz persönlich wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein glückliches, zufriedenes und vor allem gesundes Neues Jahr. „Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Kaum ein anderer Aphorismus Arthur Schopenhauers wird so häufig zitiert wie dieser. "Neun Zehntel unseres Glücks beruhen allein auf der Gesundheit", schrieb der vor 150 Jahren gestorbene Philosoph an anderer Stelle. "Mit ihr wird alles eine Quelle des Genusses."

 

Gemeinsam wollen wir heute genießen und damit meine ich nicht zu allererst das traditionelle Buffet der Firma Streller im Anschluss an den offiziellen Teil, sondern genießen Sie heute drei herausragende junge Musiker, international erfolgreiche Sportler, die Premiere des ersten Stadtfilms über unser lebenswertes Olching und natürlich die Ehrung verdienter im Ehrenamt tätiger Mitbürgerinnen und Mitbürger.

 

Bevor ich, leider aus Zeitgründen, nur einige Wenige unserer über 170 Gäste namentlich begrüße, möchten wir heute auch wieder denjenigen gedenken, die von uns gegangen sind, insbesondere denen, die sich verdient gemacht haben, verdient gemacht für diese schöne Stadt. Unser Olching.

 

Am Mittag des 22.02.44 also vor 75 Jahren fielen aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen Bomben der Alliierten auf Olching. 22 Menschen, Erwachsene wie Kinder, fanden hierdurch den Tod. Ganz unvermittelt war der Schrecken des Krieges in das Dorf hineingebrochen. Aus diesem Grund werden wir zusammen mit Zeitzeugen und über 50 Schülerinnen und Schüler eine Gedenkveranstaltung mit einem klaren Signal für Frieden und Freiheit abhalten. Wir wollen damit auch versuchen die Unmittelbarkeit und den Schrecken von Krieg und Gewalt für die jüngeren Generationen nachvollziehbar zu machen. Sie sind alle herzlich eingeladen, am 22.02. um 12 Uhr in die Kirche St. Peter und Paul.

 

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Gestatten Sie mir nun aber, einige Gäste unter Ihnen persönlich zu begrüßen.

 

Ich freue mich sehr, als Vertreter der Kirchen Herrn Pfarrer Steindlmüller vom Pfarrverband Esting/Olching und Herrn Pfarrer Sauer von der Johanneskirche begrüßen zu dürfen.

 

Ich begrüße ganz herzlich

  • Herrn Landrat Thomas Karmasin,
  • die Damen und Herren aus dem Kreistag,
  • meine Stellvertreter, unsere Bürgermeisterin, Maria Hartl, und unseren 3. Bürgermeister, Fritz Botzenhardt,
  • Herrn Altbürgermeister Ewald Zachmann,
  • sowie alle weiteren Damen und Herren des Olchinger Stadtrates, die heute anwesend sind.
  • Vom Schulamt ist heute Frau Bettina Betz bei uns und besonders freut es mich vom Gymnasium Olching Frau Neufeld und Herr Hoelzel begrüßen zu können und ihnen zu gratulieren, dass sie zusammen mit einer Schule aus Hof Deutschland beim europäischen Mint-Lehrergipfel in Portugal vertreten werden.
  • In 2019 wird die Stadt Olching erstmalig in der Geschichte eine eigene Stadtstiftung gründen. Mit dem Startkapital von einer halben Million Euro soll sich die Stiftung um die Förderung von Projekten aus den verschiedenen Lebensbereichen kümmern. Den designierten Stiftungsvorstand Herrn Ludwig Horndasch darf ich begrüßen, der mit seinem Kollegen, dem Stadtkämmerer Herrn Schuhbauer, die Geschicke der Stiftung zukünftig lenken wird.
  • Stellvertretend für die 75 Vereinsvertreter und ehrenamtlich Aktiven darf ich unter uns begrüßen vom Evang. Seniorenkreis, die Vorsitzenden Frau Irmtraud Heichele, Christa Adam und Erika Hesse. Ich darf die Damen, sowie die Referentin für Soziale Angelegenheiten und Senioren, Frau Zachmann kurz zu mir bitten um den Damen für ihr langjähriges Engagement zu danken.
  • Ihnen und allen Vereinsvertreterinnen und -vertretern für Ihre Arbeit, Ihr Engagement und Ihr Herzblut, von dem letztlich ganz Olching profitiert, ein großes Dankeschön. Bitte geben Sie diesen Dank auch an Ihre jeweiligen Vorstandskollegen weiter.

 

Beim anschließenden Empfang im Hermann-Böcker-Saal können Sie sich an der kleinen Kunstausstellung erfreuen, die in diesem Jahr dankenswerterweise von Frau Berngeher gestaltet wurde.

Die Olchinger Künstlerin möchte mit ihrer Malerei die Sehnsucht nach der guten Welt wecken; ihre Malrichtung entwickelte sich aus einer Mischung von Naturalismus, genauerem Hinschauen und der naiven Kunst.

Ich freue mich drauf!

 

Ich sage Dank für die musikalische Umrahmung, die uns heute in die Welt des Musicals entführt, an Frau Alida Will und Herrn Daniel Shelton. Die beiden 18 Jährigen sind in meinen Augen große Talente und ich habe die beiden für uns heute Abend im Rahmen einer Veranstaltung am Gymnasium Olching entdeckt.  

 

 

Zum Schluss heiße ich natürlich ganz besonders herzlich auch alle anderen unserer geschätzten Gäste willkommen, die ich nicht namentlich begrüßen konnte.

 

Schön, dass Sie gekommen sind.

 

  • FILM

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

„Gemeinsam Stadt sein“, unser Motto seit der Stadterhebung 2011. Dieser kurze Imagefilm, von dem es auch noch eine Langversion geben wird, mit seinen emotionalen und ausdrucksstarken Bildern ist der eindrucksvolle Beweis für die Richtigkeit dieses Slogans für unsere Stadt.

 

Ich danke an dieser Stelle allen, die zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben. Stellvertretend bitte ich die beiden Hauptdarstellerinnen Monja & Lorena Traxel sowie die Produzentin dieses Films, Frau Kuhlmann zu mir nach vorne!

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Sehr verehrte Gäste,

 

was täten Sie mit 35.000 Euro, insbesondere wenn Sie wüssten, dass Ihre Arbeit pro Tag genau eben diesen Wert hat?

Würden Sie ein goldenes Steak in Dubai bestellen?

 

Wohl nicht!

 

Ob Sie es nun glauben oder nicht, meine sehr verehrten Damen und Herren, Frank Ribery, für den nach eigener Aussage andere Menschen, vor allem die, die sein Verhalten kritisierten, nur ein Kieselstein in seinem Schuh sind, dieser Bayern-Fußballer verdient am Tag beinahe exakt genauso viel, wie rechnerisch alle Menschen in dieser Stadt gemeinsam ehrenamtlich am Tag erwirtschaften. Nämlich eben rund 35.000 Euro oder 12,5 Mio. Euro im Jahr.

 

Zwei Nebenbemerkung noch zum Kieselstein:
Erstens, in einer Jahreszeit wie dieser ist er ziemlich wertvoll, denn er verhindert schwere Stürze und andere schmerzliche Unfälle auf eisglatten Straßen und Wegen.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle einmal den MitarbeiterInnen unseres städtischen Bauhofs zu danken, die für diese Sicherheit sorgen, genauso wie die vielen Bürgerinnen und Bürger, die ihrer jeweiligen Räum- und Streupflicht gewissenhaft nachkommen.

 

Und ein zweites, wenn alle die Menschen Kieselsteine in seinem Fußballschuh wären, die das Verhalten und die Aussagen von diesem neureichen Fußballer als wenig geistreich empfanden, wenn also all jene Kieselsteine wären müsste laufen doch verdammt unangenehm sein? Uns Normalos reicht da ja schon lediglich ein so ein kleines gemeines Steinchen im Schuh.

 

Außerdem, so glaube ich, müsste der Schuh ziemlich groß sein, dass da alle Steinchen reinpassen. Aber Herr Ribery lebt ja auf großem Fuß.    

So nun aber vom goldenen Kalb zu meiner Zahl, bzw. zu Ihrem Reichtum.

 

In der Vorbereitung zu dieser Neujahrsansprache habe ich mein Büro und mich überfordert.
Gerne hätte ich einen möglichst exakten Wert in Erfahrung gebracht, einen Wert der aussagt, wie viele Stunden ehrenamtliches und damit bürgerschaftliches Engagement in dieser Stadt alleine in 2018 wieder geleistet wurden.

Es ist uns nicht gelungen!

Weil es keine ausreichenden Aufzeichnungen dazu gibt. Auch teils bei den Vereinen und Verbänden selbst nicht und dabei wären ja auch die Menschen nicht berücksichtigt, die unabhängig von Vereinsstrukturen ehrenamtlich tätig sind.

 

Wissen Sie eigentlich wie lange es das Ehrenamt schon gibt? 

Sehr lang, wenngleich ich nun präziser sein und Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement differenziert betrachten müsste. Erspare ich Ihnen aber gerne, an einem Abend wo wir so viele besondere, engagierte und talentierte Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Gast haben.

 

In der gesamten abendländischen Tradition, sei es aus der Sicht der klassischen Antike oder der des Christentums, gehört der individuelle Beitrag zum allgemeinen Wohl unverzichtbar zu einem sinnerfüllten Leben. Schon in den Stadtgesellschaften der griechischen Antike war es Sache jedes männlichen Bürgers, sich für das Gemeinwesen zu interessieren, für dessen Wohl zu engagieren und in den Versammlungen über die Belange der Stadt zu diskutieren. Da Sklaven und – ja meine verehrten Damen – auch die Frauen die produktiven Arbeiten ausführten, verfügten die freien männlichen Bürger über genügend freie Zeit dafür.

Wer an solchen Versammlungen nicht teilnahm und sich auch den Angelegenheiten des Gemeinwesens verweigerte, war übrigens ein Idiótes, also ein Privatmensch.

 

Der heutige Begriff Idiot stammt daher. Und heutzutage ist es ja leider ab und an eher andersherum also so, dass man - ob als Trainer, Vorstand oder anderer Verantwortungsträger – sich im Ehrenamt eher manchmal als ein solcher fühlt. Ich bin mir sicher, dass mancher unter Ihnen dieses oder zumindest ein ähnliches Gefühl bereits einmal verspürt hat.

 

Aber trösten Sie sich und wir uns gemeinsam:

„Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger“, formulierte der Athener Perikles im 5. Jahrhundert vor Christus.

 

Und fürchten müssen Sie sich auch nicht. Sie sind nicht allein!

 

30 Millionen Menschen in Deutschland sind es insgesamt, das sind mehr als 43 Prozent der über 14-Jährigen, die sich bürgerschaftlich engagieren. Das ergab die Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen in 2014. In Bayern laut dem Bayerischen Innenministerium sogar fast jeder Zweite!

 

Wer sich engagiert, ist meistens Mitglied in einem Verein. Mehr als 600.000 gab es von ihnen 2016, das sind 44 Prozent mehr als 1995.

In Sportvereinen engagieren sich die meisten Menschen - in Bayern um die 20 % und damit doppelt so viele wie im zweitplatzierten Bereich dem Sozialen.

 

In diesem Zusammenhang freut es mich, dass heute der bayerische Leichtathletiktrainer des Jahres 2018, Peter Rabenseifner meiner Einladung gefolgt ist. Lieber Herr Rabenseifner herzlichen Glückwunsch zu dieser bemerkenswerten Auszeichnung des Leichtathletik Verbandes.

 

Sie und die anderen Vertreter der Sportvereine werden sich freuen zu hören, dass die Grundstücksverhandlungen für eine 400-Meter-Bahn im Bereich Geiselbullach in eine sehr gute Richtung laufen.

 

Nun zurück zu den fleißigen Ehrenamtlern: Aus mehreren Umfragen lässt sich ein Bild der Deutschen zeichnen, die ein Ehrenamt ausüben: Am häufigsten sind es Menschen vor dem Rentenalter. Rund 45 bis 48 Prozent der unter 65-Jährigen engagieren sich ehrenamtlich, bei den Älteren im Vergleich dazu etwa zehn Prozent weniger.

 

Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2012 zeigt aber, dass die Älteren dafür mehr Zeit in das Ehrenamt investieren. Sie verbringen damit etwa zwölf Stunden pro Monat, bei den Jüngeren sind es nur acht bis zehn Stunden.

 

Mit dem Alter unterscheidet sich auch die Motivation. Zwar ist „Spaß haben" der wichtigste Grund für zivilgesellschaftliches Engagement - für Junge wie für Alte. Ältere wünschen sich aber zudem vor allem Kontakt zu anderen Menschen und Generationen, während es für viele Jüngere mehr darum geht, Qualifikationen zu erwerben oder beruflich voranzukommen.

 

Diese statistischen Erhebungen führen mich nun auch langsam dazu Ihnen zu erklären, wie ich zu meinem kühnen Eingangsstatement komme, dass Sie gemeinsam genauso viel verdienen wie Ribery – nein, meines Erachtens verdienen Sie und Ihre Leistung noch viel mehr als so ein Profifußballer.

 

Eigentlich regt mich – auch als bekennender Fußballfan - persönlich ja mehr als das Steak, die Tatsache auf, dass für diese zwar sehr schöne Nebensache der Welt, aber doch mit überschaubarer Verantwortung ausgeprägtem Berufsbild „Profifußballer“ solche astronomischen und absurden Gehälter bezahlt werden. 

 

Also - nun aber wirklich - woher kommt diese Zahl?

 

Schätzungen zufolge werden in Bayern jährlich rund 710 Millionen Arbeitsstunden ehrenamtlich erbracht (Engagementatlas 2009). Allein bei der Annahme des Mindestlohns entspricht die Tätigkeit der Ehrenamtlichen in Bayern Jahr für Jahr einem Gegenwert von rund 6 Milliarden Euro.
Der tatsächliche Wert des Bürgerschaftlichen Engagements liegt natürlich erheblich höher, weil zum Beispiel die Auswirkungen auf das Gemeinwesen durch die Bewertung von Arbeitszeit nicht vollständig erfasst werden können.

 

Und jetzt habe ich einfach auf Olching runter gerechnet und da kommen wir eben auf 1,5 Mio. Stunden im Jahr – was übrigens mehr als 4.000 Stunden pro Tag bedeutet, was deutlich länger als 90 Minuten ist und damit ein Gegenwert von 35.000 Euro darstellt! Konnten Sie mir folgen? 

 

Liebe FC Bayern-Fans hier im Publikum, ich verspreche den Vergleich mit Frank Ribery nun nur noch einmal heute Abend zu bemühen.

 

Würde man den Wert des goldenen Steaks – angeblich kostete es 1.200 Euro - lieber in das Ehrenamt investieren, bekäme man 140 Stunden soziales, kulturelles, sportliches und bürgerschaftliches Engagement, ob als Jugendfußballtrainer, Pfadfinder, Begleiter oder Vorleser im Altersheim, Stadträtin oder Stadtrat oder Feuerwehrler.

Eine deutlich sinnvollere Investition, wie ich finde!

 

Im Vergleich zum goldenen Kalb eine eher armselige Betrachtung möchten Sie meinen?

Hören wir doch auch noch kurz, was der erste Milliardär der Weltgeschichte und reichste Mensch der Neuzeit mit einem errechnete Gesamtvermögen von rund 300 Milliarden US-Dollar (Wirtschaftsmagazin Forbes), dazu zu sagen hat:

 

„Das Engagement für einen einzigen Zweck ist das Grundelement des Erfolgs im Leben, unabhängig davon, zu welchem Zweck.“

 

Und damit hat John D. Rockefeller, der seinen Reichtum im endenden 19. Jahrhundert aus der Ölförderung erlang, gleichsam aber sehr großes gesellschaftliches Engagement an den Tag legte, einen hervorragenden Satz geprägt, der eben auch für das Ehrenamt gilt.

Wenn man die Arbeit von Ihnen und vieler Ihrer Mitstreiter betrachtet, dann nimmt oftmals das Engagement in Ihrem Verein oder Ihrer Organisation einen zentralen Platz in Ihrem Leben ein, oft ein ganzes Leben lang.

Dafür ein herzliches Dankeschön im Namen aller Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt. Ihr Einsatz bereichert unsere Stadtgesellschaft auf wunderbare Weise und ist schlicht unbezahlbar.

Auch unsere Jugend hat das erkannt, nicht nur weil sie sich ebenfalls einbringt, sondern weil das Jugendwort des Jahres 2018 der Ehrenmann oder die Ehrenfrau geworden ist.

 

Über 12 Mio. Euro im Jahr, das wären fast 20 Prozent des städtischen Haushalts in 2019 und übersteigen z. B. die sich zwar weiterhin in erfreulichem, weil sehr starken aufwuchs befindlichen Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Diese hat nun die 10 Mio. Euro Marke überschritten und hat sich somit in den letzten fünf Jahren nahezu verdoppelt.

 

Ebenfalls die Arbeitsplätze in dieser Stadt haben sich kräftig gesteigert, 1.200 mehr im gleichen Zeitraum, ein Plus von fast 25 Prozent. Diese Zahlen wollen wir weiter ausbauen und haben uns 2018 beispielsweise ein halbes Jahr lang intensiv in ein Standortbewerbungsverfahren eines international äußerst renommierten Unternehmens, die ein Forschungscampus à la Google errichten wollen, sehr respektabel eingebracht.

 

Am Ende reichte es zwar „nur“ für den undankbaren, aber für einen solchen groß angelegten Standortwettbewerb doch vorzeigbaren Platz vier und der Zusicherung des Unternehmens aufgrund der hohen Qualität des Standorts und der professionellen Betreuung Geschäftspartner auf Olching aufmerksam zu machen.    

 

Ich freue mich, dass auch heute einige unserer erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer anwesend sind, noch relativ frisch angesiedelte genauso wie Traditionsbetriebe. Stellvertretend für diese Unternehmer ein herzliches Willkommen Herrn Rauscher, dessen gleichnamige Firma in diesem Jahr den 150sten Geburtstag feiern konnte.

 

Auch der gesamte Vorstand des in 2018 aus der Taufe gehobenen Stadtmarketingvereins Olching, Frau Klinder, Frau Pfend-Strobel und Herr Saalfeld sind bei uns.

 

Das Stadtmarketing Olching erkennen Sie am Logo mit dem charmanten Herz und dem Slogan „Mein Olching“ und versteht sich als ein Netzwerk und ein Motor zur weiteren Attraktivitäts- und Angebotssteigerung in unserer Stadt, insbesondere im Bereich der Veranstaltungen und anderer örtlicher Aktivitäten.

 

Eines der Highlights im Veranstaltungskalender war sicherlich die FFB-Schau, die zum fünften Mal in Olching stattfand mit einer im wahrsten Sinne des Wortes großartigen Olching Halle. Im Rahmen des kleinen Jubiläums wurde uns vom Veranstalter der Messe der Titel „Messestadt Olching“ verliehen.

 

700 Veranstaltungen haben wir im Übrigen in der Stadt in 2018 gezählt, ob von Vereinen, Institutionen oder uns selbst. Das KOM hat hierbei 100-mal einen würdigen Rahmen geboten und ein einträgliches Besucherplus von 60 Prozent im Vergleich zu 2015 beschert. Pro städtischer Veranstaltung kamen im Durchschnitt 138 Besucher.

 

Träger des Stadtmarketingvereins sind übrigens die insgesamt 111 Mitglieder aus den Bereichen des Gewerbes, der Vereine und der Stadt, die mit einem jährlichen Zuschuss von über 70.000 Euro finanziell tatkräftig als Geburtshelfer fungiert.

Insgesamt fördert die Stadt die ehrenamtlichen Aktivitäten der Vereine und Verbände mit jährlich 350.000.

 

Ebenfalls fördern konnte die Stadt Bürgerinnen und Bürger die an ihren historischen und unter Denkmal gestellten Gebäuden Hand angelegt haben und sie teils aufwendig saniert haben. Eine solche Leistung ist in einer Stadt, die nicht besonders reich an historischer Bausubstanz ist, nicht hoch genug zu würdigen.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich an die Familie Braun aus Esting erinnern, die die Estinger Schlosskapelle und das gesamte Ensemble in hervorragender Weise gepflegt und restauriert haben, zuletzt den Zwiebelturm, und zu meinem größten Bedauern beide im letzten Jahr verstorben sind.

Bereits noch zu Lebzeiten hatte ich der Familie angeboten, dass sich die Stadt vorstellen könnte, zumindest die Schlosskapelle entlang der Straße zu übernehmen, falls die Familie oder die Erben sich zu einem Verkauf entschließen sollten.

 

Der Erhalt, vor allem in einem so exzellenten Zustand, ist für die Estinger aber auch die gesamte Stadt von großer Bedeutung, schließlich stammt das geschichtsträchtige Gebäude aus dem 16. Jhdt.

 

Der erste Schlossherr war übrigens der jüngste Sohn des Augsburger Bürgermeisters Jakob Herprott, der einer der reichsten Kaufherren der freien Reichstadt war. Die Nachfolgerin in Esting hatte dann einen sehr schönen Namen, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Euphrosina Schad von Mittelbiberach.

 

Ein großes Lob möchte ich Herrn Horst Brehmer und seiner Familie aussprechen, die die in Olching als Meisburger Haus bekannte Villa und Bäckerei auf der Insel aus dem Jahr 1760 liebevoll restauriert haben und an dieser markanten Stelle das Stadtbild nachhaltig aufgewertet haben. Schön, dass Sie, sehr geehrter Herr Brehmer, heute bei uns sind.

 

Auch wenn nicht unter Denkmalschutz, so freut es mich, dass der ehemalige Metzgerwirt, das heutige Cantina, aus dem Jahr 1812 einen neuen Anstrich bekommen hat und insbesondere der Theatersaal durch tatkräftigen Einsatz der dort beheimateten Volksbühne Olching in neuen und zeitgemäßen Glanz erstrahlt. Vielen Dank an Sie, Herr Held und Ihre gesamten Mitstreiter!

 

Hoffnungsvoll bin ich, dass einem der meines Erachtens nach geschichtsträchtigsten Ensembles innerhalb der Stadtgrenzen in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird, nämlich der ehemaligen kurfürstlichen Schwaige zu Graßlfing, aus dem 15 Jhdt..

Herzog Maximilian der I. baute Graßlfing zu einem Gutshof mit Schlösschen und Parkanlage mit Wasserspielen und einer Kapelle aus.

 

Die Verwalter der königlich bayerischen Familie haben das Gut leider sehr herunterkommen lassen. Durch die neuen Besitzer und den im Februar anstehenden Spatenstich für die Olchinger Braumanufaktur bin ich eben hoffnungsfroh, dass hier in Zukunft wieder ein bedeutsamer und repräsentativer Ort in der Stadt sein wird.

 

Und vielleicht wird ja auch ein großer Wunsch vieler Olchinger hier Wirklichkeit, nämlich ein Biergarten. Bier wäre dann ja, lieber Guido Amendt, reichlich vorhanden und ein Garten unter den alten Kastanien ist schon da.  

 

Mehr Aufenthaltsqualität, mehr Leben auf unseren Plätzen und vor allem auch mehr Menschen, die sich dort gerne niederlassen und verweilen, ist ein großes Anliegen von mir.

Die blauen Deckchairs am Nöscherplatz, übrigens ein durchaus Aufsehen erregender neudeutscher Begriff, man könnte ja auch schlicht Liegestuhl dazu sagen, klingt aber nicht so hipp – oh, das war jetzt auch nicht germanistisch astrein – also nochmal: Liegestuhl! Klingt aber nicht so angesagt.

Geht doch.

 

Diese Stühle waren nur der Anfang. In 2019 beginnen die Bauarbeiten für unser Caféhaus am Nöscherplatz. Mit dem bayernweit bekannten Confiseur Herrn Schwalber – schön dass Sie heute Abend da sind - werden wir hier ein spannendes Gastronomiekonzept realisieren, das von morgens bis abends innen wie außen auf dem Platz zum Verweilen und Genießen einlädt. Wenn es nach unserem Bauausschuss, dem Stadtbaumeister und mir geht, dann wird auch die Architektur spannend. In Anlehnung an das erste Kaufhaus Olchings, das Kaufhaus Kahn, soll die Fassade drei geschwungene Standgiebel bekommen und damit auch mit unserer Stadtkirche harmonieren.

 

Im Stadtteilzentrum Geiselbullach übrigens, wird es auch dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Wirtschaftsförderin nun endlich ein Tagescafé am Maibaumplatz geben.

 

Das Highlight in 2019, dem Jahr der großen Baumaßnahmen und Projektrealisierungen, könnte die neue Ganztagsschule in Graßlfing werden. Durch modernste und pädagogisch geprägte Architektur entsteht hier eine richtungsweisende Grundschule mit sogenannten Marktplätzen und viel Raum für die Schulkonzepte der Zukunft.

 

Es könnte das städtische Wohnprojekt am Großen Berg mit über 30 bezahlbaren Wohnungen, einer Kindereinrichtung für 125 Kinder und dem angrenzenden genossenschaftlichen Wohnen werden. „Mega-Wohnprojekt“ titelten Sie, liebe Frau Garbe, im Tagblatt. Vielen Dank übrigens an Sie und Frau Bergmann von der SZ für die präzise und ausgewogene Berichterstattung über das Jahr hinweg.

 

Oder der neu gestaltete zentrale Platzbereich des alten Friedhofs vielleicht oder die Fertigstellung des Ringschlusses der Fernwärme und damit die Umstellung der Versorgung Neu-Estings und Olchings südlich der Bahn auf die Abwärme der Müllverbrennungsanlage, die regenerative Energie schlechthin ohne Emission. Die meines Erachtens völlig zu Unrecht in der undifferenzierten Kritik stand.   

 

Oder wird das Highlight 2019 gar der Umzug des gesamten Amperverbandes und Wasserzweckverbandes mit rund 100 MitarbeiterInnen in das neue Betriebs- und Bürogebäude am Josef-Kistler-Weg?

 

Meine Damen und Herren, erlauben Sie bitte auch dem Bürgermeister ein persönliches Lieblingshighlight.

 

Nein, es ist nicht das neue Feuerwehrauto und auch nicht der weiter gewachsene Elektrofuhrpark der Stadt und die Ladesäulen in der Stadt, nicht die Umnutzung und der Verkauf des ehemaligen Hotel Mühlbachs zu einem Altenwohnen mit Pflegeeinrichtung als Teil des Laurentiushauses und auch nicht die Fortsetzung der Dreharbeiten der erfolgreichen BR-Serie Hindafing hier in Olching.

 

Ich freue mich, dass wir im zweiten Quartal diesen Jahres ein bayernweit in dieser Form einzigartiges Projekt eröffnen werden, nämlich die neue Erlebnisbücherei Esting.

 

In den Räumen der ehemaligen Sparkasse am Estinger Bahnhof wird in Kooperation mit dem Olchinger Traditionsunternehmen Rackls Backstubn ein Büchereicafé oder eine Cafébücherei modernster Ausprägung entstehen.

 

Lesen, Schmökern oder sich Treffen und dabei, wenn gewünscht, Kaffee und Backwaren, Torten und Kuchen genießen. Ausleihen und zurückbringen an sieben Tagen die Woche und das zu den gesamten Öffnungszeiten des Cafés.

 

Nicht nur für Esting ein echtes Leuchtturmprojekt, sondern aus meiner Sicht bei entsprechender erfolgreicher Etablierung auch ein Weg für die Bücherei in Olching, die durch ein solches Modell möglicherweise in ein von der Stadt neu zu errichtendes Wohn- und Geschäftshaus hier an der Hauptstraße neben dem Wasserkraftwerk umziehen könnte.    

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie sehen, nach dem Jahr der Planungen und Vorbereitungen sowie der großen Projektentscheidungen in 2018 werden wir dieses Jahr vieles in Bewegung bringen. Für diese Tatkraft und die Entschlossenheit die Dinge anzupacken und auch neue Wege offen mit zu gehen, danke ich dem gesamten Stadtrat und den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung, die dieses dann erfolgreich umsetzen.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, erlauben Sie mir auch noch ein paar Wünsche für das Neue Jahr.

 

Ich wünsche mir, dass meine Intervention beim Bundesverkehrsminister in Berlin die Deutsche Bahn nach Jahren endlich soweit sprechfähig macht, dass wir das letzte aber durchaus entscheidende Puzzlestück, den Bahnhof, für das neue Innenstadtquartier vom Mühlbach bis zur Paulusgrube mit überplanen können und in die Realisierung einsteigen können. Es wird Zeit!

Aber Zeit ist bei der Bahn ein äußerst relativer Begriff. In jedem Fall hat sie in Olching ordentlich Verspätung.

             

Aber alles in allem hat der Bub, den ich bei der goldenen Hochzeit seiner Großeltern kurz nach Weihnachten kennenlernen durfte, schon Recht.

 

Als er mir seine neue Legoeisenbahn, die das Christkind gebracht hatte, stolz vorführte und mir sogar das Vertrauen und die Ehre zu Teil werden ließ, diese auch einmal selbst zu steuern, hat er mich gefragt, was ein Bürgermeister so macht und als ich ihm ein bisserl was erzählt hatte, blickte er von der Eisenbahn hoch und meinte: „Bürgermeister spielen muss fast so viel Spaß machen, wie Eisenbahn.“

 

Verehrte Gäste, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch ein Hinweis. Der junge Mann und ich waren mit unseren Legobahnen bei all unseren Runden äußerst zuverlässig und pünktlich.

 

Freuen Sie sich nun mit mir auf herausragende Persönlichkeiten aus unserer Mitte die wir ehren wollen und jetzt auf Santiago Ghighani, unseren 14 jährigen Olchinger, der es unter der Begleitung von Nena bis ins Finale von Voice of Germany Kids geschafft hat und nun für uns „Halleljua“ interpretieren wird.

 

Viel Spaß und herzlichen Dank!

 

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