Rede des Ersten Bürgermeisters Andreas Magg anlässlich 40 Jahre Gebietsreform am 22.06.2018

Sehr geehrter Herr Pfarrer Steindlmüller,

sehr geehrter Herr Pfarrer Sauer,

Sehr geehrter Herr Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet,

sehr geehrter Herr Altlandrat Grimm,

sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats sowie alle ehemaligen Stadtratsmitglieder,

viele Fragen standen bei der Überlegung zu diesem Tage im Vordergrund:

Sind 40 Jahre Gebietsreform und damit die Gründung der sogenannten Großgemeinde Olching nun ein Grund zu feiern? Hierzu hat jeder eine eigene Meinung.

Ich meine, es ist deswegen ein Grund zu feiern, weil damit ein Grundstein gelegt worden ist, für die positive Entwicklung die Geiselbullach, Graßlfing, Esting und Olching gemeinsam seitdem genommen haben, und letztlich vor 7 Jahren zu einer Stadt erhoben wurde.
Traditionen pflegen, eigene Identität und Erscheinungsbild hegen und moderne, vielfältige, attraktive Lebensgrundlagen bieten für die Menschen, die hier gerne leben. 150 Vereine sind Ausdruck dessen.

Sehen Sie die Terminwahl in der Woche des Stadtgeburtstags und nicht zu Beginn des Mais (Umsetzung Reform) auch als symbolischen Akt.
Gemeinsam Stadt sein – ob als Geiselbullacher, Graßlfinger, Neu-Estinger, Estinger oder Olchinger - das steht im Mittelpunkt und ist der Garant für eine weiterhin qualitätsvolle und selbstbewusste Fortentwicklung.  

Lassen Sie uns gemeinsam einen kurzen Rückblick auf die Gebietsreform werfen:
Am 25. Januar 1967 kündigte der Bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel die Reform an. Ab 1972 regelte diese im ersten Abschnitt die Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte. Somit wurde eine Reduzierung der bayerischen Kommunen von über 7.000 auf rund 2.000 erreicht. 1978 als Zwangsmaßnahme!

Damals durften Esting, Geiselbullach und Olching zwischen zwei Varianten wählen: Zum einen die Aufteilung der Gemeinde Geiselbullach auf die beiden anderen und zum anderen die Bildung einer neuen Großgemeinde. Esting und Geiselbullach reagierten unterschiedlich auf die bevorstehende Zusammenlegung. Esting errichtete in Windeseile Hochhäuser, um durch den Bevölkerungszuwachs der Zusammenlegung zu entgehen. Geiselbullach, die bis dato wohlhabendste der drei Gemeinden, ließ Straßen und Beleuchtung bauen, um die anderen Kommunen ja nicht am eigenen Wohlstand teilhaben zu lassen. Noch lange Zeit war dies am Zustand der Dachauer Straße ablesbar.
Nach verlorener Klage gegen die Bayerische Landesregierung mussten Geiselbullach und Esting jedoch 1980 die Eingliederung akzeptieren.

Ein wichtiges Thema war auch die Findung eines neuen Gemeindenamens. Wortneuschöpfungen wie Olchestach oder Estbulling standen im Raum. Der Name Hinderfing, bekannt aus der Serie, die vor zwei u.a. auch im Olchinger Rathaus gedreht wurde, stand noch nicht zur Debatte.


Anlässlich des Jahrestags der Gebietsreform möchten wie den damals beteiligten Personen gedenken:
- Estinger Bürgermeister Anton März
- Geiselbullacher Bürgermeister Josef Drey
- Olchinger Bürgermeister Franz Haidacher
- „Übergangsbürgermeister“ der Großgemeinde Manfred Krug
- Fürstenfeldbrucker Landrat Gottfried Grimm

Die Gebietsreform legte den Grundstein für die Stadterhebung am 19. Juni 2011. Für seine Unterstützung auch in dieser Sache darf ich Herrn Vizepräsident Bocklet meinen herzlichen Dank aussprechen!
Die damaligen Bedenken sind nach 7 Jahren wohl ausgeräumt. Ich meine, der Zusammenhalt und das Zusammengehörigkeitsgefühl wurden gestärkt und eine neue gemeinsame Identität geschaffen.
Die Stadterhebungsfeier fand damals im Festzelt auf dem Volksfestplatz mit rund 2.000 Bürgerinnen und Bürgern statt. Der Bayerische Staatsminister des Innern, Herr Joachim Herrmann, war persönlich zu Gast und übergab uns die Stadterhebungsurkunde.

Auch stellt sich die Frage: Welches und wo soll ein Denkmal für 40 Jahre Zusammenschluss der drei Gemeinden stehen? Schnell war uns klar, am geographischen Mittelpunkt soll es sein. Doch daraus ergab sich die nächste Frage: Wo ist der?

Mit der Findung des geografischen Mittelpunktes betraute ich zwei Kolleginnen aus dem Bauamt. Es stellt sich heraus, es gibt viele gleichberechtigte Methoden zur Bestimmung des Mittelpunktes (z.B. „Nord-Süd/West-Ost-Methode“ oder die „Bounding Box-Methode“). Wir wählten die Triangulation nach Archimedes, wie diese genau funktioniert, können Ihnen die Kolleginnen nachher persönlich erläutern.

Das Denkmal sollte die Namen der ehemaligen Gemeinden tragen, an den Himmelsrichtungen ausgerichtet sein und einem Grenzstein ähneln, der Verbundenheit und Eigenständigkeit zu gleich symbolisiert.

Und am Ende noch die Frage, was bedeutet die Gebietsreform eigentlich für mich persönlich?
Einiges: Als ich im August 1978 das Licht der Welt erblickte, war ich wohl einer der ersten unselbstständigen NeuOlchinger-Geiselbullacher, wenn Sie so wollen, und 2011 der erste Erste Bürgermeister der Stadt Olching. Und um wirklich mitreden zu können, habe ich bereits in drei Stadtteilen gewohnt. Bin ich also ein waschechter Olchestachinger? Was verbindet Sie mit dieser Gebietsreform?
Mein herzlicher Dank geht an:
- die Sponsoren Getränke Krämer GmbH & die Olchinger Braumanufaktur
- die Blaskapelle Schöngeising, die kurzfristig eingesprungen ist
- die Fahnenabordnungen der Freiwilligen Feuerwehren
- die ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehr, die sich um die Infrastruktur gekümmert haben
- den örtlichen Steinmetzbetrieb Schmiedel und
- die Nachbarn, denen die Einfahrten versperrt wurden.
Bei dieser Gelegenheit darf ich Ihnen auch versichern, dass die heute beanspruchten Grünflächen zeitnah hergerichtet werden.

Auch darf ich mich ganz herzlich bei Ihnen allen bedanken, dass Sie heute hergekommen sind, obwohl ein WM-Fußballspiel stattfindet: Nigeria gegen Island. Im Übrigen fand heute vor genau 44 Jahren, also am 22. Juni 1974, das einzige Spiel der DDR gegen die bundesdeutsche Nationalmannschaft statt. Jürgen Sparwasser erzielte damals das Siegtor, mit dem die Mannschaft der DDR 1:0 gewann.

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