Rede zum Volkstrauertag, 19. November 2017

Erster Bürgermeister Andreas Magg

Kriegerdenkmal Olching

 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr verehrter Herr Pfarrer Steindlmüller,

sehr verehrter Herr Pfarrer Sauer,

Herr Horn,

Herr Wacker,

verehrte Mitglieder des Stadtrats,

liebe Freunde aus Tirol,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

Immer zwei Sonntage vor dem Ersten Advent erinnert uns der Volkstrauertag an alle Opfer von Krieg und Gewalt, deren wir gedenken wollen. Zugleich ist er ein Tag des Nachdenkens darüber, wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir – ganz persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und friedlichen Europa - für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können. Aus diesem Grund haben wir uns heute hier am Kriegerdenkmal eingefunden. Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind.

 

Die Bundestagswahl ist vorbei und dennoch sind die täglichen Berichterstattungen übersät mit Nachrichten von bzw. über gewisse nationalistische Parteien. Ich persönlich halte es für hochgradig gefährlich, dass die deutschen Medien diesen antidemokratischen Gruppierungen eine derartige Plattform bieten. Somit treibt man das Wachsen dieser Strömungen noch voran. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein so hoher Prozentsatz für das rechte Spektrum bei der Bundestagswahl verhindert worden wäre, wäre die entsprechende Partei nur nicht in allen Medien so präsent gewesen.

 

An dem Beispiel unserer Partnerstadt Tuchola in Polen konnte ich Anfang des Jahres hautnah erfahren, welche Auswirkungen diese Entwicklungen haben können. Der Bürgermeisterkollege Tadeusz Kowalski wusste bei unserem letzten Treffen im April 2017 Schlimmes zu berichten: Die nationalistische Regierung hatte ein neues Gesetz erlassen, dem zufolge Bürgermeister nicht länger als zwei Wahlperioden im Amt sein dürfen und das vor allen Dingen auch rückwirkend! Somit lassen sich in diesem Fall leicht zahlreiche Amtsvertreter unliebsamer Parteien frühzeitig verdrängen.
Es ist unsere Aufgabe solche undemokratischen Entwicklungen in Deutschland zu verhindern!

Auch die nationalistischen Strömungen in Frankreich sind Ihnen sicherlich nicht entgangen. Ich konnte meinem Bürgermeisterkollegen Jean-Pierre Taite aus Feurs nur zustimmen, als er bei unserem offiziellen Empfang im KOM im Mai diesen Jahres betonte, dass Deutschland und Frankreich eine wesentliche Rolle beim Zusammenhalt in Europa spielen müssen und daher die Stärkung von Partnerschaften auf einer direkten persönlichen Ebene von unschätzbarem Wert ist.

In den kommenden Jahren wollen wir den Schüleraustausch mit Tuchola wieder aufleben lassen. Diesen Blick über den Tellerrand bereits im Jugendalter halte ich für enorm wichtig, um andere Kulturen verstehen zu lernen und auch den Wert einer internationalen Gemeinschaft begreifen zu können.

 

Es ist erstaunlich, dass in der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der Europa nun zusammengewachsen ist, nun schon wieder einige Mitglieder nach vermeintlicher Autonomie streben.

Nach dem Brexit im vergangenen Jahr, eiferten in diesem Jahr die Katalanen nach Unabhängigkeit. Allerdings muss ich zugeben, dass es sich mir nicht erschließt, wie man auf der einen Seite unbedingt unabhängig sein will, aber auf der anderen Mitglied der EU bleiben will.
Mit Sicherheit sind auf beiden Seiten Fehler gemacht worden. Die Spanische Zentralregierung hat nie versucht einen Kompromiss jenseits der Unabhängigkeit zu finden und natürlich möchten die Katalanen ihr Brauchtum, ihre Sprache, ihre Kultur - die viele Jahre unterdrückt wurde - und somit einen wichtigen Teil ihrer Identität bewahren. Ich denke, insbesondere wir Bayern können diese Motivation durchaus nachvollziehen. Auch wir schätzen unsere Kultur und möchten uns diese unter keinen Umständen nehmen lassen. Aber wie in jeder Gemeinschaft müssen Kompromissen gefunden werden.

Der Populismus, derer sich die Unabhängigkeitsbewegung bedient, ist in meinen Augen absolut unzulässig: Die Bewegung versucht sich durch uralte historische Ereignisse zu legitimieren und vergleicht die konservative Regierung ständig mit der Franco-Diktatur, obwohl sie selbst den Beschluss zum Referendum innerhalb von nur 48 Stunden durchs Parlament gepeitscht hat.

Somit wird ein interner Konflikt zu einer Gefahr für Europa. Eine der Grundideen der EU war, das Trennende zwischen den Nationalstaaten zu überwinden. Darauf müssen auch wir alle uns wieder mehr besinnen. Jeder einzelne von uns sollte sich ein bisschen mehr als Europäer sehen und verstehen. Das heißt nicht, dass man Sprachen, Bräuche oder Lebensstile aufgeben muss oder sollte, aber es heißt Kompromisse finden für ein friedliches Europa.

 

Wir müssen uns für den europäischen Gedanken einsetzen, der uns immerhin die vergangenen 70 Jahre Frieden beschert hat. Die Europäische Union ist natürlich kein Garant für ein konfliktfreies Miteinander, nichtsdestotrotz ist sie vermutlich unsere beste Chance auf weitere 70 Jahre Frieden.

Als Vermittler und Friedensstifter spielt die EU auch außerhalb Europas eine zentrale Rolle bei der Lösung von Konflikten. Dies basiert natürlich auch auf dem Zusammenhalt, den die EU repräsentiert.

Nicht zuletzt schützt die Europäische Union unsere Demokratie. Unter dem Motto “In Vielfalt geeint” hat sich die Zahl der Mitgliedstaaten stetig vergrößert. Länder, die EU-Mitglied werden wollen, müssen demokratische Standards einhalten, somit übt die EU einen starken Anreiz für Reformprozesse aus. Dies führt langfristig zu einer demokratischen Stabilisierung der europäischen Länder und beugt Kriegen vor. Diese Wirkung dürfen wir nicht unterschätzen und wir sollten uns ihrer regelmäßiger bewusst werden.

 

Zu guter zuletzt wollen wir wie jedes Jahr der lokalen Kriegsereignisse der Vergangenheit gedenken. Am 22. Februar wird sich der Bombenangriff der Alliierten auf Olching wieder jähren. 22 Menschen ließen damals ihr Leben, darunter auch zwei von den ca. 1.000 in und um Olching beschäftigten Zwangsarbeitern. An dem Ort, an dem wir heute stehen, brach der Krieg direkt in das Leben der Menschen in unserer Stadt ein. Diese Olchinger, wie auch alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Gewalt, Krieg und Terror zum Opfer gefallen sind, ehren wir heute mit unserem Andenken. Wir werden sie nicht vergessen!

Wir denken heute an alle deutschen Soldaten im Auslandseinsatz und ihren persönlichen, teils lebensgefährlichen Einsatz für unser Land.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Insofern sind wir alle aufgefordert unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten. Für ein friedvolles, soziales Miteinander sind Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen unabhängig von ethnischer Herkunft oder persönlichen Weltanschauungen entscheidend. Im Kleinen wie im Großen.

Das wollen wir uns im Gedächtnis und im Herzen bewahren, wenn wir heute den Volkstrauertag begehen.

In Ehrfurcht vor den Toten der beiden Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft sowie aller Kriegsopfer und im Dienst gestorbenen Soldaten weltweit lege ich als Zeichen des Gedenkens diesen Kranz nieder.

 

Danksagung

Ich danke Ihnen für Ihr aktives Mitwirken. Ich danke allen, die am heutigen Tag dieser Zeremonie beigewohnt haben – ein besonderer Dank unseren Fahnenabordnungen für die Teilnahme und natürlich auch, dass unsere Freunde aus Tirol am heutigen Tage wieder bei uns sind - und erkläre die Feierstunde für beendet.

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