Rede zum Neujahrsempfang am 20. Januar 2017

Willkommen in Hindafing!

Wenn man das Wappen hier vorne auf dem Rednerpult bedenkt, ist das tatsächlich die richtige Begrüßung heute Abend.

Aber keine Sorge, Olching wird nicht dauerhaft zu Hindafing. Lediglich vier Tage im letzten Sommer war das Rathaus die Hochburg des größenwahnsinnigen und berauschten Provinzbürgermeisters Alfons Zischl, um den sich die neue BR-Serie Willkommen in Hindafing, dreht. Maximilian Brückner als Hauptdarsteller versucht sich unter anderem mittels eines Containerdorfes für Flüchtlinge persönlich zu bereichern. Aber dies ist natürlich nur der Anfang aller Probleme in dem biederen Dorf, in die sich der Bürgermeisterkollege Zischl mehr und mehr verstrickt.

Die 1. Staffel soll voraussichtlich im März 2017 anlaufen, ein genaues Datum steht leider noch nicht fest.

Aber wir alle können uns darauf freuen, den Sitzungssaal, einige Büros und sogar die ehemaligen Gefängniszellen des Olchinger Rathauses wiederzuerkennen.

Aber nun zurück in unser grundsolides Olching! Weder Provinz noch größenwahnsinnig.

 

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, verehrte Gäste!

Herzlich Willkommen auf dem Neujahrsempfang der Stadt Olching. Ich freue mich, dass Sie uns, der Amtseinführung des wohl unkonventionellsten Präsidenten der Vereinigten Staaten, vorziehen. Aber Sie verpassen ja auch nichts, denn bei Twitter werden Sie sicherlich in Echtzeit und vom Präsidenten höhst selbst in 140 Zeichen erfahren, wie toll seine Rede an die Nation war.

Wir möchten heute Abend traditionell Menschen danken, die sich für die Stadt besonders engagieren, Gutes tun, die den Namen der Stadt in die Welt hinaustragen, die Großes geleistet haben, die Menschen gerettet haben oder für unser Gemeinwohl Verantwortung tragen. Dafür wollen wir heute Ihnen allen danke sagen, wir wollen dieses Engagement würdigen und gebührend ehren.

Heute Abend habe nicht nur ich allein Sie persönlich begrüßt und Ihnen ein gutes Neues Jahr gewünscht, sondern mir zur Seite stand „Olifair“, unser Fairtrade-Maskottchen.

Fairtrade ist ein wichtiges, globales Thema, dem sich die Stadt 2016 ebenfalls verstärkt gewidmet hat. Bestimmt haben Sie gelesen, dass wir die Zertifizierung zur Fairtrade-Stadt anstreben, die wir aller Voraussicht nach in wenigen Wochen auch erhalten werden. Immerhin waren auch die Vereine aufgerufen zu prüfen, ob und inwiefern der Fairtrade-Gedanke ins Vereinsleben integriert werden kann. Schließlich muss das Vorhaben gesamtgesellschaftlich von Schulen, Gastronomie, Gewerbe, den Vereinen und letztendlich jedem einzelnen von uns mitgetragen werden, damit es erfolgreich sein kann.
Weit voraus sind uns in dieser Hinsicht die Kirchen, die in den meisten Fällen schon seit mehreren Jahrzehnten fairen Handel unterstützen, indem beispielsweise fair gehandelte Produkte nach oder vor dem Gottesdienst verkauft werden.

Ich freue mich sehr, als Vertreter der Kirchen Herrn Pfarrer Steindlmüller vom Pfarrverband Esting/Olching und Herrn Pfarrer Sauer von der Johanneskirche begrüßen zu dürfen.

In unserer Stadt haben sich insbesondere Frau Johanna und Barbara Trinkl dieser Aufgabe angenommen, man könnte sie gar als „Erfinderinnen“ des Verkaufs von fairen Waren bezeichnen, denn diesen betreiben sie bereits seit 1992. In diesem Zeitraum von 24 Jahren haben sie Fairtrade-Produkte im Wert von 85.000 € verkauft, dessen Reinerlös in Höhe von rund 13.000 € an Sozialprojekte in Burundi gespendet wurde. Johanna und Barbara Trinkl möchte ich heute meinen herzlichen Dank für ihr Engagement aussprechen, sie sind ein Vorbild für uns alle.

Ich möchte die beiden Damen nach vorne bitten!

 

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Gestatten Sie mir nun, einige Gäste unter Ihnen persönlich zu begrüßen. Ich möchte Sie bitten, den Applaus, wenn möglich, bis zum Ende der Begrüßungen aufzusparen.

 

Ich begrüße ganz herzlich

  • Herrn Landrat Thomas Karmasin,
  • die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler,
  • Bezirksrat Herr Martin Eberl,
  • die Damen und Herren aus dem Kreistag,
  • meine Stellvertreter, unseren Bürgermeister, Robert Meier, und unseren 3. Bürgermeister, Fritz Botzenhardt,
  • Herrn Altbürgermeister Ewald Zachmann,
  • sowie alle weiteren Damen und Herren des Olchinger Stadtrates, die heute anwesend sind.
  • Grüßen darf ich Sie ganz herzlich von den Bundestagsabgeordneten Gerda Hasselfeldt und Beate Walter-Rosenheimer, von dem Ersten Vizepräsidenten Reinhold Bocklet und der Abgeordneten des Landtages Katrin Sonnenholzner, die heute aufgrund anderer Termine nicht bei uns sein können.
  • Stellvertretend für alle Schulleitungen in der Stadt möchte ich Frau Cathrin Theis von der Grundschule Graßlfing willkommen heißen.

 

Damit unsere Kinder sicher zur Schule kommen, sind unsere Schulweghelfer unverzichtbar. Bei Wind und Wetter stehen sie draußen; bei Regen, Schnee oder Eis sorgen sie für ihre Sicherheit. Wie Sie sich vorstellen können, ist es aufgrund dieser Bedingungen kein sehr beliebtes Ehrenamt und die Verwaltung ist ständig auf der Suche nach weiteren Freiwilligen. Frau Brigitte Tomschick, die wir heute stellvertretend für alle Schulweghelfer auszeichnen möchten, übt dieses Ehrenamt nun schon seit 25 Jahren aus. Hierfür möchte ich Ihnen heute im Namen der Stadt recht herzlich danken.

Bitte kommen Sie zu mir nach vorne!

Nun freue ich mich, die ehrenamtlich Tätigen in unserer Stadt herzlich begrüßen zu dürfen. Von den derzeit 140 Olchinger Vereinen sind heute gut 90 mit einem Vorstandsmitglied vertreten.

Ihnen und allen Vereinsvertreterinnen und -vertretern für Ihre Arbeit, Ihr Engagement und Ihr Herzblut, von dem letztlich ganz Olching profitiert, ein großes Dankeschön. Bitte geben Sie diesen Dank auch an Ihre jeweiligen Vorstandskollegen weiter.

Ganz besonders herzlich, heiße ich natürlich auch alle anderen unserer geschätzten Gäste willkommen, die ich nicht namentlich begrüßen konnte.

Schön, dass Sie gekommen sind.

Beim anschließenden Empfang unten können Sie sich an der kleinen Kunstausstellung erfreuen. Hierfür möchte ich mich bei meiner Mitarbeiterin Frau Steer bedanken. Dort sehen Sie Gemälde aus der städtischen Sammlung, u.a. von Philipp Helmer, Karl Sonner, dem bekannten Moormaler Hermann Böcker und dem Autodidakten Alto Fertl. Die Bilder zeigen Landschaften der näheren Umgebung sowie Ortsansichten von Olching. Insbesondere von St. Peter und Paul, die bei den Künstlern als Motiv nach wie vor sehr beliebt ist.

Zum Schluss begrüße ich als Mitgestalter des heutigen Abends die Mitglieder des Dixieland-Quartetts „Hotdogs4“, deren Bandgeschichte auf die deutschlandweite bekannte und sehr populäre Band „Hot Dogs“ zurückgeht. Im Jahre 2004, nach fast 50 Jahren, lösten sich die Hot Dogs offiziell auf. Sie waren damit die erfolgreichste deutsche Dixielandband.

Vielleicht erinnern Sie sich an den großen Erfolg „Ja, so warn’s, die alten Rittersleut“ aus den 1960er Jahren. Herr „Goofy“ Essmann aus Olching ist seit 1971 Mitglied des Quartetts, spielt Tuba und singt.

Uns allen wünsche ich nun einen gelungenen Abend!

 

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Das Jahr 2016 ist Geschichte, das Jahr 2017 Gegenwart und Zukunft zugleich.

Das Magazin der Spiegel sagt uns eine düstere Zukunft voraus. Unter der Überschrift: „Das Ende der Welt kommt in 140 Zeichen“ analysiert Spiegel Online die neue politische Kommunikation via Twitter mit den eben nur 140 erlaubten Zeichen.

„Das Ende der Welt kommt in 140 Zeichen, zumindest drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man Donald Trumps tägliche Twitter-Tiraden verfolgt“, schreibt der Spiegel weiter. „Der designierte US-Präsident nutzt den Kurznachrichtendienst, um selbst die komplexesten Reizthemen auf Parolen zu reduzieren - ohne Rücksicht auf politische Verluste.

Wahllos wettert er so gegen Konzerne, Politiker, Promis, Privatpersonen, Medien und TV-Sendungen, während er sich selbst lobt. Das wäre amüsant, wenn es nicht so folgenschwer und potenziell verhängnisvoll zu werden droht. Nicht nur für die Firmen, die dadurch manchmal Milliarden an Marktwert verlieren - sondern für die gesamte Weltordnung, deren Balance durch einen Tweet aus den Fugen geraten könnte.“

So düster würde ich es nun nicht sehen wollen, nutzen doch auch deutsche Minister und Parlamentarier diese Dienste ebenfalls, um möglichst schnell und damit als Erste neue Nachrichten und Entwicklungen unters Volk zu bringen. Es ist also die scheinbar moderne Art, Information ungefiltert zu transportieren.

Für einen Moment habe ich mir daher überlegt, was ein amerikanischer Präsident erfolgreich macht, kann doch für einen Olchinger Bürgermeister auch nicht falsch sein und wollte den Versuch wagen, diese Neujahrsansprache via Twitter und in 140 Zeichen Ihnen näher zu bringen. Das hätte gewaltige Vorteile für Sie. Sie hätten sich zum Beispiel erst gar nicht mehr in Schale werfen und in die eisige Kälte hinaus müssen. Und wenn doch, müssten Sie alle zumindest nicht so lang geduldig zuhören und auf das traditionelle Büffet der Firma Streller warten.

Ich muss Sie jetzt enttäuschen, ich bin eben kein US-Präsident, ich habe es nicht geschafft. 23.879 Zeichen – ohne Leerzeichen wohl gemerkt - sind es am Ende geworden, da war mit Twitter einfach nichts mehr zu machen.

Aber zurück zum Neujahr und zur Jahreswende.

Die Jahreswende ist die Zeit in der neben Jahresrückblicken, Horoskopen, Fitnessstudios und die Kür von Wörtern, Namen, Pflanzen und Häuser des Jahres Hochkonjunktur haben.

Da darf natürlich auch die Farbe des Jahres nicht fehlen. Kennen Sie die offizielle Farbe des Jahres 2016? Nicht in Olching, meine ich, sondern weltweit!    

Zwei Farben teilen sich den Titel Farbe des Jahres: Zum einen gibt es ein kühles Mittelblau, das Serenity genannt wird. Und zum anderen freuen wir uns über ein Blassrosa, dass auf den Namen Rose Quartz hört.

Die Farbe des Jahrs 2015 / 2016 in Olching war ohne Frage grün.

Wir alle erinnern uns an die lebhafte Debatte um das grüne Haus am Nöscherplatz. Entweder befürworteten die Bürgerinnen und Bürger das Haus, weil es endlich mal einen Farbtupfer in der Innenstadt darstellte oder die grelle Farbe stieß sie ab. Es gab kein Mittelding. Wie heißt es da so schön: „Allen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann!“

Dieses Grün hat nicht nur Olching polarisiert sondern scheinbar einen internationalen Farbtrend losgetreten. Raten Sie einmal was die Farbe des Jahres 2017 ist – nein, es ist kein weißgraues Karomuster – meines Erachtens hätte es diese kreative und sehr passende Hauswandgestaltung verdient – die Farbe des Jahres 2017 ist der Ton 15?0343 – genannt „Greenery“. Zu Deutsch: hellgrün!

Nun gehört das Grüne-Haus, genauso wie zuvor das Lila-Haus zu Olchings Geschichte und wird damit ganz sicher einen Platz in der Neuauflage der Olchinger Stadtchronik erhalten. Unsere Chronik ist seit über 20 Jahren vergriffen und nach wie vor fragen regelmäßig Mitbürgerinnen und Mitbürger danach. Freuen Sie sich mit mir auf die überarbeitete Ausgabe, die den Großteil der ursprünglichen Texte, die einer der damaligen Autoren, Herr Professor Dr. Weger überarbeitet, sowie die Geschichte der letzten 26 Jahren beinhalten wird. Es freut mich, dass die Autorinnen der neueren Geschichte heute ebenfalls anwesend sind. Frau Neumaier, Frau Gruber-Scheuermann, herzlich willkommen!

Für den Olchinger Hauswandfarbendiskurs bleibt festzuhalten, dass es offensichtlich in vielen Fällen eher die vermeintlich unwesentlicheren Dinge im Alltag einer Stadtgesellschaft sind, die am stärksten polarisieren und die BürgerInnen nicht nur in Facebook mobilisieren.

Auch die sogenannten Toskana-Villen spalteten 2016 die Geister und sorgten somit landesweit medial für kurzzeitiges Aufsehen. Die einen nehmen sich den Baustil, der sie an Italien erinnert, als architektonisches Vorbild, die anderen hätten es lieber etwas schlichter oder sehen in der Baukultur gar einen gesellschaftlichen Umbruch, der durch fehlende Stadtkultur geprägt sei.

Stadt der bunten Häuser und der Toskana-Villen. Da war es ja kaum zu glauben, dass der renommierte Titel „Haus des Jahres 2016“ in eben genau diese Stadt, in unser Olching, vergeben wurde. Nach Meinung der Architekturexperten zeichnet sich das Haus in der Blütenstraße durch seine auffallende Wellblechverkleidung aus. Die Jury lobte den „disziplinierten Umgang mit besonders preiswerten Materialien“ sowie den puristischen Anblick.

Tatsächlich könnte uns das Haus der Familie Müller die Zukunft des Bauens aufzeigen. Der mutige, originelle und kostengünstige Bau wurde auf einer Fläche von 358 m² errichtet. In die Höhe statt in die Breite zu bauen wird insbesondere in Metropolregionen immer wichtiger werden. Auch im Hinblick der Ressourcenknappheit und Nachhaltigkeit sollten wir stets offen sein für kreative Konzepte und neue Materialien.
Mich persönlich freut es sehr, dass die Bauherrn Laura und Bernd Müller heute ebenfalls hier sind – herzlich willkommen.

 

 

Im Frühsommer des abgelaufenen Jahres war es fünf Jahre her, als der Bayerische Innenminister den langgehegten Wunsch Olchings, Stadt werden zu dürfen, erfüllte. Vor fast 2.000 Bürgerinnen und Bürgern überreichte er uns, in einer Feierstunde mit Gänsehautfeeling, die Stadterhebungsurkunde.

Den kleinen runden Geburtstag haben wir, deutlich bescheidener, so war es der Wunsch des Stadtrates, auf der wiederum sehr erfolgreichen Regionalmesse, der FFB-Schau, gefeiert.

Im Vorfeld zur Stadterhebung bin ich seinerzeit immer wieder gefragt worden, was bringt es denn eigentlich? Und immer wieder war diese Frage nicht einfach zu beantworten. Schließlich gibt es nicht mehr Geld, und mehr Rechte sind damit auch nicht verbunden.

Aber schon damals war mein Antwortversuch folgender, der meines Erachtens immer noch Gültigkeit hat: Der Titel Stadt ist ähnlich einem Doktortitel, man kann ihn üblicherweise nicht kaufen, man kann sich damit auch nichts kaufen, aber er belohnt Leistung und er hebt einen ab vom breiten Rest.

Sicherlich sagt man manchem Titelträger nach, er stärke damit auch das eigene Selbstbewusstsein. Und ja, ich glaube so ist es auch.

Der Titel Stadt hat, nach meinem Empfinden, ein verstärktes Selbstbewusstsein in unsere Bürgerschaft gebracht, eine verstärkte Wahrnehmung in der Region, wirtschaftlichen Aufschwung und ein deutlich angewachsenes Wir-Gefühl, eine eigene Identität geschaffen, in einer immer stärker verstädterten europäischen Metropolregion. Und das ist auch gut so!

Aus diesem Grund haben wir den Slogan, der damals auf den Bewerbungsunterlagen noch sehr zurückhaltend abgedruckt war: „Gemeinsam Stadt sein“, nun zu einem festen Markenbestandteil Olchings gemacht!

Ein neues Wir-Gefühl, von dem ich manchmal sogar den Eindruck habe, dass es sehr alte Gräben und Wunden der Gebietsreform endgültig zuschüttet und heilen hilft.

Keine Angst, mit zuzuschüttenden Graben meine ich selbstverständlich nicht die Amper. Die bleibt wie und wo sie ist und sie wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass die einzelnen Stadtteile ihre eigene Identität und ihr eigenes Gesicht bewahren!

Die Frage ist ja mehr die: Nehmen wir die Amper, die die Stadt durchfließt als trennendes oder als verbindendes Element inmitten von uns wahr?

In unruhigen Zeiten, in einer immer schneller werdenden und vor allem komplexer werdenden Welt, deren Auswirkungen auch unmittelbar in unsere Stadtgesellschaft, unsere Nachbarschaften bis hinein ins Familienleben reichen erfordert die eigene Identität, das Wir-Gefühl zu stärken, Heimat und Rückzugsort, Beständigkeit zu bieten und Bewährtes bewahren.

Und dennoch wäre es töricht, die Zeichen der Zeit zu übersehen. Zu satt zu sein und dadurch nicht mit Mut und Zuversicht Veränderungen offen und konstruktiv gegenüber zu stehen. Nur so gelingt es, dass wir uns fortentwickeln, ganz persönlich aber auch als Stadt.

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Heißt es dazu sehr passend in China.

Ich möchte Sie heute bitten, mit dem Stadtrat und mir Windmühlen zu bauen. Nicht im eigentlichen Sinn, dafür haben wir keinen geeigneten und genehmigungsfähigen Ort gefunden.

Aber im Laufe des Jahres 2017 werden wir Entscheidungen treffen, die große Projekte beginnen lassen, die Olching auf Sicht nachhaltig, und meine feste Überzeugung ist es, äußerst positiv, verändern werden. Projekte, die dieser Stadt, insbesondere im Zentrum, ein anderes Gesicht geben werden.

Wir wollen dabei selbstbewusst und mutig sein. Wir wollen unserer Stadtgröße und unserer Bedeutung, in und für die Region, gerecht werden – ich bin mir nicht sicher, ob uns allen bewusst ist, dass es in ganz Deutschland nur 460 Städte gibt, die aktuell mehr Einwohner als Olching haben -

und wir wollen insbesondere unsere Stärken weiter stärken.

Mit dem Leitbildplan Innenstadtband Olching und der Realisierung des Projekts Olchings Neue Mitte zwischen dem Mühlbach und der Polizeistation werden wir uns als moderne und attraktive Einkaufsstadt, als eine Stadt am Fluss und eine familienfreundliche Stadt, die ihre Wurzeln nicht nur nicht vergisst sondern ausgräbt und noch deutlicher hervorscheinen lässt, präsentieren.

Als selbstbewusste Marke mit einem hohen Lebensstandard, großer Individualität und gleichzeitig vieler Identifikationsmerkmale für die Bürgerinnen und Bürger, denen wir Heimat bieten.

Darüber hinaus werden wir sukzessive die Stadtteile stärken und attraktiv, aber dem Bestehenden und Bewährten angepasst, fortentwickeln. Wie zum Beispiel das Stadtteilzentrum Geiselbullach Mitte, mit dem in kürze entstehenden Kirchhof an der St. Nepomuk Kapelle.

Und auch in Esting wird höchstwahrscheinlich in Bälde ein durchaus aufsehenerregendes Projekt anlaufen können. Mehr kann man aber heute leider noch nicht verraten.

 

Ich möchte Sie heute ebenfalls bitten, keine Mauern zu bauen, wenn es um die großen europäischen und innergesellschaftlichen Themen unseres Landes geht.

Eine hektische Zeit, die unmittelbare, einfache und verständliche Antworten und Lösungen erwarten lässt, und von der Bürgerschaft auch teils berechtigter Weise eingefordert werden, stellt hohe Anforderungen an uns alle. Insbesondere die Politik ist gefordert.

Doch aus mittlerweile 15 Jahren, zumindest kommunalpolitischer Erfahrung kann ich nur sagen: Einfache Antworten auf immer komplexere Fragen kann nur der geben, der entweder die Fragen selbst nicht hinreichend begriffen hat oder der mit diesen verkürzten Antworten ein klares, aber unlauteres Ziel vor Augen hat: „Volksverdummung“. So aber funktioniert unser demokratisches Gesellschaftssystem nicht! Die Welt ist eben nicht in 140 Zeichen zu erklären und die Probleme auch nicht in 140 Zeichen zu lösen.

Dass wir in Olching keine Maurer sind, aber trotzdem kräftig anpacken, hat unsere Bürgerschaft in großer Mehrheit eindrucksvoll während der Flüchtlingskrise und der vergleichsweise hohen Asylbewerberzahlen in unserer Stadt bewiesen.

Rund 200 Mitbürgerinnen und Mitbürger engagieren sich unmittelbar ehrenamtlich in den sogenannten Helferkreisen. Grund genug, dieses besondere bürgerschaftliche Engagement durch die Stadt gebührend zu ehren. Rund 100 von ihnen waren auf meine Einladung hin hier ins KOM gekommen und ich konnte ihnen unseren Dank aussprechen.

Im Rahmen eines speziellen Neubürgerempfangs habe ich auch die Asylbewerberinnen und Asylbewerber Olchings hier ins KOM eingeladen. Viele von ihnen, aus den verschiedensten Nationen, waren gekommen und wir haben interessante und wichtige Gespräche führen können. Bis auf ganz wenige Ausnahmen war eine große Dankbarkeit über die große Hilfsbereitschaft Deutschlands und der BürgerInnen Olchings spürbar.

Ich bin stolz auf unsere Stadt, die unaufgeregt und hilfsbereit, über 400 Flüchtlingen in der Hochzeit, offen und aufgeschlossen, zum Teil sicherlich auch etwas besorgt und unsicher gegenüber standen.

An dieser Stelle möchte ich einen Dank loswerden, der mir ebenfalls sehr wichtig ist. Insbesondere bei diesem durchaus nicht einfachen und teils aufgeheizten Thema hat sich der Stadtrat in seiner Gänze, wie auch alle demokratischen Parteien Olchings, gleichsam unaufgeregt und ohne jegliche Inszenierung überlegt der Herausforderung gestellt. Anderswo, und da brauchen wir gar nicht so weit wegschauen, war das ganz anders.

Übersehen dürfen wir im Rahmen der Flüchtlings- und Asyldebatte nicht, auch wenn es dahingehend in den Medien ruhiger geworden ist, dass noch große Integrationsaufgaben auf uns warten. Dabei sind nach meiner Meinung vor allem drei Dinge von entscheidender Bedeutung:

  1. Werte einer Gesellschaft erlernt man nicht durch Schulbücher sondern ganz praktisch durch intensives Zusammenleben mit denen, die diese Werte vorleben. Hier, meine sehr verehrten Damen und Herren, können – und ich weiß, dass Sie dies auch zum Teil bereits tun – Sie in den Vereinen großartiges leisten.

 

  1. Soziale Absicherung und damit die soziale Anerkennung ist ein weiterer Schlüssel zur Integration, der vor allem durch einen Arbeitsplatz gewährleistet werden kann. Die Stadt Olching möchte in 2017 Flüchtlingen mit Bleiberecht Stellen anbieten.

Zweitens und Drittens ist aber nur möglich und da komme ich zu meinem ersten Punkt, wenn die zu uns kommenden Flüchtlinge und Asylsuchenden die Sprache beherrschen, die die hier bereits in Mehrzahl lebenden Menschen sprechen.

Deswegen danke ich ausdrücklich allen Vhs-Dozenten, ehemaligen Lehrern und allen anderen Freiwilligen, die sich um die Sprachvermittlung bemühen. In einigen Gesprächen, mit aber eben diesen engagierten Menschen musste ich erkennen, dass dieses System der Sprachvermittlung, wenn man es überhaupt System nennen kann, sehr viele Fallstricke mit sich bringt. Warum? Es gibt quasi keinen einheitlichen Lehrplan und entsprechende Materialien, obwohl gerade in der Anfangszeit die Asylbewerber sich mehrmals örtlich verändern müssen.

Die Teilnahme ist freiwillig, die Besetzung der Kurse wechselt ständig. Analphabeten sitzen teils neben studierten Flüchtlingen, die fließend Englisch sprechen. Manches Kursangebot erfordert eine weitere und oft nicht günstige Anreise.

So manches mag inzwischen besser geworden sein. Aber wie viele Menschen fallen uns hier durchs Raster?

Ich hätte, oder würde mir immer noch eine Art staatlich verordnete Schulpflicht verbunden mit einem finanziellen Anreizsystem wünschen. Ich bin überzeugt, wer die Sprache der Einheimischen spricht, der wird von diesen auch einfacher und bereitwilliger integriert, der ist weniger anfällig für Ghettoisierung und Radikalisierung, kann beruflich leichter Fuß fassen und wird zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft.

Bei diesem, wie auch bei so manch anderem wichtigen Thema unserer Zeit, gelten jedoch wohl die Worte des Dalai Lama: „Tiefgreifende Veränderungen geschehen nicht über Nacht.“

Abschließend möchte ich nochmals auf die Marke Olching zu sprechen kommen. Eines unserer Markenzeichen sind ohne Frage Sie, die die über 140 Vereine in unserer Stadt repräsentieren. Der Stadtrat, die Verwaltung und ich persönlich wissen Ihre Leistung und Ihren Stellenwert zu schätzen. Dies zeigt nicht zuletzt auch dieser Abend heute.

Aber auch der städtische Haushalt, über diesen viele 100.000 Euro bereitstehen um Ihre Arbeit finanziell zu unterfüttern, zeugt davon.

Wissen Sie, geschätzte Gäste, eigentlich was der Unterschied zwischen der Familie der Brachschwalben und der Ordnung der Regenpfeifferartigen ist? Oder können Sie etwas mit juvenilem oder adultem Tier anfangen? Pinguine kennen Sie aber, oder?

Ich persönlich und einige meiner Mitarbeiter wurden im Rahmen der Debatten um den Vogelpark beinahe noch zu Ornithologen.

Dreistelliger Stundenaufwand innerhalb der Verwaltung und da sind die vielen ehrenamtlichen Stunden der Mitglieder des Stadtrates ob für Vermittlungsversuche, Sondierungsgespräche, Gerichtsverhandlungsbesuche und Unterschriftensammlungen nicht dabei, waren nötig.

Der frühe Vogel fing zwar in unserem Fall nicht den Wurm, sondern eher der, mit der längsten Ausdauer, aber nun gilt „Ente“ gut, alles gut und wir freuen uns über ein Fortbestehen des Vogelparks mit einem attraktiven Greifvogelbesatz und noch attraktiveren Öffnungszeiten. Dank an alle, auch an Sie persönlich, sehr geehrter Landrat, die kurz vor knapp noch einen Lösungsweg geebnet haben.

 

Exemplarisch will ich Ihnen, verehrte Vereinsvertreter damit darstellen, dass die politisch Verantwortlichen in dieser Stadt hinter oder vor Ihnen und Ihren Vereinen stehen und das Mögliche möglich machen. Das war beim Vogelpark so, das war seinerzeit beim Speedway so und das wird auch immer so sein!

Erlauben Sie mir daher an dieser Stelle bereits drei Personen, die sich in ihren Vereinen und Verbänden verdient gemacht haben nach vorne zu bitten: Frau Gerda Bergler, Frau Heidi Schneller und Herrn Ludwig Steer.

Frau Gerda Bergler ist die gute Seele der Olchinger Tafel. Seit sie 2010 die Leitung der Olchinger Tafel übernommen hat ist sie für rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter zuständig, organisiert die Spendeneingänge und –aktionen, akquiriert neue Lieferanten, organisiert die Lagerhaltung und die Warenausgabe. Rund 20 Stunden investiert sie so wöchentlich in die Versorgung der Tafelkunden. Herzlichen Dank, Frau Bergler!

Seit der Gründung des Fördervereins Kultur Olching e.V. 1984 hat sich Frau Schneller in verschiedenen Bereichen des Vereins engagiert. Sie war Beisitzerin, Schriftführerin und Schatzmeisterin und hat somit den Verein in all der Zeit maßgeblich unterstützt. Heute möchte ich Ihnen, Frau Schneller, im Namen der Stadt meinen herzlichen Dank für Ihr großes Engagement aussprechen.

Auch Herrn Ludwig Steer möchte ich heute lobend hervorheben. Herr Steer hat seine Arbeit in der Vorstandschaft der Kolpingsfamilie Olching 1983 aufgenommen. Von 1989 bis 2016 war er Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums, davon 5 Jahre als 1. Vorsitzender und 10 Jahre als stellvertretender Vorsitzender. Durch sein Herzblut und seine langjährige Arbeit hat er entscheidend zum Erfolg des Vereins beigetragen und die Kolpingsfamilie zu dem gemacht, was sie heute ist. Lieber Wiggerl ein herzliches Vergelt´s Gott!

Zu guter Letzt möchte ich es nicht versäumen Sie auf eine ganz besondere Veranstaltung hinzuweisen: den 1. Olchinger Wintersporttag am Samstag, den 4. Februar 2017, in Mittenwald. Neben der Stadtmeisterschaft im Riesentourlauf, findet dort auch ein umfangreiches Programm für die ganze Familie statt. Der Anmeldeschluss ist zwar eigentlich heute, aber wenn Sie dem Wintersportverein direkt morgen eine Email schreiben, macht er für Sie sicherlich eine Ausnahme. In diesem Zusammenhang möchte mich bei der Vorstandsschaft des Wintersportvereins, insbesondere bei der Familie Kistler, sowie allen weiteren ehrenamtlichen Helfern sehr herzlich für die Initiative und das Engagement bedanken. Veranstaltungen dieser Art bereichern unsere Gemeinschaft und erhöhen die Lebensqualität in unserer schönen Stadt.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement für unsere lebenswerte Stadt und dafür, dass Sie mir heute Abend mehr als 140 Zeichen erlaubt haben.

Für 2017 wünsche ich Ihnen, auch im Namen des Stadtrats und meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen an dieser Stelle auch einmal gedankt werden soll, für ihre Arbeitsleistung für die Bürgerschaft, alles erdenklich Gute.

Eine der ältesten Geschichten aus dem Zen Buddhismus möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben:

„Ein Schüler fragte einmal seinen Meister, warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne.

Der Meister antwortete:

"Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich ...."

 

Der Schüler fiel dem Meister ins Wort und sagte:

"Aber das tue ich auch! Was machst Du darüber hinaus?"

Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor:

"Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich.

Wenn ich gehe, dann gehe ich ...."

Wieder sagte der Schüler: "Aber das tue ich doch auch!"

"Nein", sagte da der Meister. "Wenn Du sitzt, dann stehst Du schon.

Wenn Du stehst, dann gehst Du schon. Wenn Du gehst, dann bist Du schon am Ziel."

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