Gemeinschaftsstraße – Liebe auf den zweiten Blick

Gemeinschaftsstraße

Olching hat den „Leitbild- und Entwicklungsplan Stadtmitte“. „Ziel und Zweck dieser informellen Planung ist es, die Vielzahl an Projekten und Ideen für diesen Bereich gebündelt darzustellen, Abhängigkeiten aufzuzeigen und damit eine Gesamtschau zu entwickeln, die als langfristiges Handlungskonzept dienen kann.“ ( Stadt Olching, Jahresbericht 2015/16, S.7 )

 

Eine Gemeinschaftsstraße nach dem Verkehrskonzept Shared Space wie es die Agenda 21 Olching seit Jahren anstrebt, passt hervorragend in diesen Planungsrahmen. Wir hoffen dass das eine Liebe auf den zweiten Blick und auf Dauer wird. Zentrales Element des neuen städtebaulichen Entwurfs für das Areal der Paulusgrube mit Umfeld ist die große öffentliche Freifläche, welche als Nahtstelle zwischen der Bebauung nördlich der Wolfstraße und der künftigen Bebauung in der Paulusgrube fungiert. Diese Lösung fand allgemeine Zustimmung im Stadtentwicklungsausschuss. Richtigerweise wurde in der Sitzung auf den Zusammenhang mit dem Verkehrskonzept Shared Space in Form einer Gemeinschaftsstraße hingewiesen.

 

Eine Gemeinschaftsstraße fördert schon in der Gestaltung die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer um so ein sicheres Miteinander zu ermöglichen. So können die Aufenthaltsqualität und Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Sie unterscheidet sich gegenüber „Shared Space“ in einigen Punkten, z.B. steht die Verkehrssicherheit im Mittelpunkt und der ruhende Verkehr ist geregelt. Probleme und deren Lösung in ein paar Stichworten: Tempolimit nicht nötig? – Tempo nach Straßenraumgestaltung! Kritisches Thema Parken? - intelligentes Parkraummanagement! Berücksichtigung „schwacher“ Verkehrsgruppen wie Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung? – soziales Verhalten und technische Lösungen! Keine Verkehrsschilder, Fußgängerinseln und Barrieren? – nur rechts vor links und Kennzeichnung der Verkehrsbereiche! Verkehrsentwicklung? – Elektromobilität! Laut einem Freisinger Stadtrat ist das „kein Nahkampf sondern friedliches Gewurschtl“.

Das Verkehrs-Konzept ist gewöhnungsbedürftig. Weil man mit gewohnten Regeln im Straßenverkehr bricht, sind viele Menschen erstmal skeptisch. Die Bewertung der Risikowahrnehmung in Bezug auf den Aufenthalt und die Bewegung im öffentlichen Verkehrsraum ist ein wichtiger Indikator. Man geht davon aus, dass der Mensch zunehmende Motorisierung mit einer Gefahrensituation verbindet, entsprechend dem erfahrenen Alltag. Viele Menschen empfinden die neue Verkehrssituation der Gemeinschaftsstraße im Vergleich zu herkömmlichen Verkehrskonzepten als gefährlich. Die Umsetzung ist besonders für die „schwachen“ Verkehrsgruppen der Blinden, Rollstuhlfahrer, Gehörlosen, Kinder und älteren Menschen problematisch. Im Planungsprozess müssen deren Interessen von Beginn an berücksichtigt werden.

 

Seit Projekte vielerorts zu weniger Unfällen und besserer Lebensqualität beitrugen, wächst das Interesse. Nur zwei kritische, aber gut zu bewältigende Phasen sind zu überwinden: Seitens der Stadt die Akzeptanz des Systems und die technisch einwandfreie Umsetzung, bei Verkehrsteilnehmern bis es alle realisiert haben. "Das hat sich noch nicht rumgesprochen" darf es nicht geben. „Wenn es uns gelingt diesen städtebaulichen Entwurf in naher Zukunft Realität werden zu lassen, ist dies ein Meilenstein für die weitere Fortentwicklung und Attraktivität der Stadtmitte Olchings, insbesondere als Einkaufsstadt.“ meint Bürgermeister Andreas Magg. Baubeginn ist frühestens 2018 zu erwarten. Berichte folgen, wenn die Planung einen realen Status erreicht hat.

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