Stadtgeschichte

Etwa auf halbem Wege zwischen Fürstenfeldbruck und Dachau erstreckt sich zu beiden Seiten der Amper das Gebiet der Gemeinde Olching. 1978 entstand diese Verwaltungseinheit aus den bis dahin selbständigen drei Gemeinden Olching, Esting und Geiselbullach.

Gemälde der Estinger Schlossmauer

Seit bei Esting archäologische Funde aus der "Glockenbecherzeit" zutage gefördert wurden, wissen wir, daß sich bereits am Ende des Neolithikums Menschen im heutigen Gemeindegebiet aufhielten. Spuren gibt es auch aus der La-Tène-Zeit: eine Reihe von Hügelgräbern entlang der Straße von Neu-Esting nach Geiselbullach. Grabungen durch die Kurfürstliche Akademie der Wissenschaften (1789) und den Historischen Verein von Oberbayern (1873) haben unter den 21 keltischen Hügeln Aschenurnen in sogenannten "Wagengräbern" freigelegt. Aus römischer Zeit sind aus Olching lediglich ein paar Münzfunde bekannt.

 

Olching

Olching zählt zu den bajuwarischen Ansiedlungen, wie übrigens auch Esting und Graßlfing. Einer umstrittenen, da nur in einer spätmittelalterlichen Abschrift überlieferten Urkunde zufolge soll 740 der letzte Agilolfingerherzog Tassilo III. den Ort mit Kirche und Getreidemühle dem Kloster Benediktbeuren geschenkt haben. Demnach muß es vor der 1903 abgebrochenen spätmittelalterlichen Kirche St. Peter und Paul bereits einen einfacheren Vorgängerbau gegeben haben.

 

Die nächsten gesicherten Belege datieren aus dem 11. Jahrhundert. Ins Licht der Geschichte tritt Olching, als Herzog Ludwig der Strenge als Sühne für den eifersüchtigen Mord an seiner Gemahlin Maria von Brabant ein Kloster gründen mußte, zunächst 1258 im Aiblinger Gebiet. 1262 wurde dieses Kloster nach Olching verlegt. Am Abend vor Mariä Himmelfahrt, dem 14.8.1262, kamen die Zisterziensermönche und "erstellten gar bald einen hölzernen Bau". Noch im selben Jahr wählten sie ihren ersten Abt, Anselmus. Doch schon 1263 übersiedelten die Mönche auf "des Fürsten Feld" - nahe dem heutigen Fürstenfeldbruck. Es läßt sich nicht mit letzter Gewißheit sagen, ob Starzelhochwasser oder ungeklärte Eigentumsverhältnisse in Olching für diesen raschen Umzug den Ausschlag gaben.

 

Das Kloster Fürstenfeld war in den darauffolgenden Jahrhunderten bis zur Säkularisierung (1802/03) in Olching sehr begütert. Aber auch andere kirchliche und weltliche Grund- und Lehensherrschaften sind in einer Vielzahl von Urkunden dokumentiert.


Der Dreißigjährige Krieg erwies sich für das Münchner Umland als katastrophal. Am 17.5.1632 hielt König Gustav Adolf von Schweden Einzug in München. Während die Stadt gegen eine Kontributionszahlung verschont blieb, wurde die Last des Krieges auf das Umland abgewälzt. Auch Olching wurde stark dezimiert: Von den 1631 gezählten 67 Anwesen waren 1648 noch ganze neun erhalten.


Allerdings konnte sich der Ort im 18. Jahrhundert wieder etwas von den Kriegsschäden erholen. Als 1802/03 die Klöster in Bayern aufgehoben wurden, fielen große Gemarkungen an der Amper aus dem Besitz von Fürstenfeld der Gemeinde zu. Damals erwarben die 55 Anwesensbesitzer ihre Nutzungsrechte an den neuen Gründen.


1821 wurde Olching, das über Jahrhunderte von Dachau aus verwaltet worden war, dem neu gebildeten Rentamt Fürstenfeldbruck angegliedert, 1823 auch dem Landgericht Fürstenfeldbruck. In das Jahr 1834 fällt die Gründung der ersten Schule. Bis zu diesem Zeitpunkt unterrichtete der jeweilige Estinger Benefiziat die Dorfjugend.


Kirchengeschichtlich gehörten Olching und Esting vermutlich von Anfang an zur Pfarrei Emmering. Erst 1895 verlegte der Estinger Benefiziat auf erzbischöfliche Anweisung seinen Wohnsitz von Esting nach Olching, weil die dortige rasche Entwicklung eine verstärkte Seelsorge erforderlich machte. Er mußte übrigens Polizeischutz in Anspruch nehmen, da die Estinger Bauern angedroht hatten, ihn beim Überqueren der Amper in den Fluß zu werfen. Den Status einer eigenen Pfarrei erhielt Olching erst 1909, nachdem zuvor unter erheblichen Opfern 1899 -1901 die neue Pfarrkirche errichtet worden war. Das mittelalterliche Kirchlein erwies sich nicht nur als zu klein, sondern auch als "baufällig"; es wurde abgetragen, da eine Sanierung die Gemeindefinanzen über Gebühr strapaziert hätte.


1839 war Olching ein stilles Dorf mit etwa 50 Gehöften und rund 300 Einwohnern - bis zum Bau der Eisenbahnlinie München - Augsburg. Der ursprünglich geplanten Trassenführung über Fürstenfeldbruck hatte sich die dort ansässige Posthaltersfamilie Weiß erfolgreich widersetzt. Am 27. Oktober 1839 war die Bahnlinie von München bis Olching fertiggestellt, im folgenden Jahr verkehrte der erste Dampfzug nach Augsburg. Die Ansiedlung einer Holzstoff-Fabrik mit oberem und unterem Werk unter der Regie der München-Dachauer AG für Papiererzeugung (MD) brachte dem Ort einen erheblichen Bevölkerungsanstieg durch die Niederlassung von Arbeitskräften.

 

Die Arbeiterschaft prägte auch im 20. Jahrhundert weitgehend die soziale und politische Kultur Olchings. Dementsprechend hatten die linken Parteien in der Weimarer Republik stets die Mehrheit im Gemeinderat. Für einige ihrer Repräsentanten, zum Beispiel auch den SPD-Bürgermeister Josef Tauscheck, brachte ihre Überzeugung ab 1933 KZ-Haft und endlose Schikanen. Allerdings konnten sich die Nationalsozialisten im "Dritten Reich" auch in Olching auf eine breite Anhängerschaft in der Bevölkerung stützen.


Der Zweite Weltkrieg bürdete auch Olching große Opfer auf. 181 Männer kamen als Soldaten ums Leben, 22 Menschen starben infolge eines alliierten Bombenangriffs auf Olching am 22.2.1944, darunter eine polnische Zwangsarbeiterin und ein russischer Zwangsarbeiter. Zahllose Gebäude wurden schwer beschädigt, andere völlig zerstört.


Der "Zusammenbruch" 1945 stellte die Gemeinde vor neue Herausforderungen: Rund 2000 Heimatvertriebene, vornehmlich aus Schlesien und der Tschechoslowakei, mußten aufgenommen werden. 1950 machte der Anteil dieser Neubürger mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Ihr Aufbauwille trug nicht unerheblich zur Dynamik Olchings in der Nachkriegszeit bei.


Seither hat Olching sein Gesicht von Grund auf gewandelt. Bestimmten 1950 noch landwirtschaftliche Anwesen die Hauptstraße, so sind an ihre Stelle längst moderne Geschäftsbauten getreten. Viele Menschen arbeiten im Ballungsraum München, genießen aber das Leben am Rande der Großstadt. Die Einrichtung des S-Bahnverkehrs anläßlich der Olympiade (1972) verbesserte die Anbindung an die bayerische Landeshauptstadt erheblich.


Die Entwicklung Olchings geht seit der Bildung der Großgemeinde (1978) unaufhaltsam weiter. Die Zahl der Einwohner wächst derzeit noch stark an, vor allem auch durch den Bau einer neuen Wohnsiedlung auf dem Schwaigfeld.

 

Esting

Auch Esting gehört zu den frühen Ansiedlungen im nachrömischen Bayern und wird zwischen 793 und 806 erstmals in einer Maisacher Schenkungsurkunde in den "Freisinger Traditionen" genannt.


Im Hochmittelalter, ab dem 12. Jahrhundert, ist auch ein Ministerialengeschlecht "de Ehstingen" nachweisbar. Eine größere Bedeutung erlangte diese Familie, die schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts erlosch, jedoch nicht.


Nach der Stadtgründung Münchens (1158) profitierte Esting von seiner Lage an der Amperbrücke. So war der Ort auch Sitz eines herzoglichen Amtmannes des Landgerichts Dachau. Die Herrschaft im spätmittelalterlichen Esting und seit 1330 auch das Brückenzollrecht übte das Kloster Ettal als Besitzer der Klosterhofmark Maisach aus, zu deren Bereich Esting gehörte. Erst 1760 gelangte der Ort durch eine Tauschaktion in die Einflußsphäre von Kloster Fürstenfeld.


Zahlreiche kriegerische Ereignisse haben den Ort hart getroffen. Im Spanischen Erbfolgekrieg verwüsteten die Einheiten des Duke of Marlborough das Dorf und brannten auch das erst kurz zuvor neu erbaute Schloß des reichen Kaufmanns und Tabakmonopolisten Johannes Senser nieder. Dieser empfing sogar den bayerischen Kurfürsten Max Emanuel häufig als Jagdgast in Esting. Die 1599 geweihte Schloßkapelle an der Straßenfront des Schlosses war im 18. Jahrhundert das Ziel einer regionalen Wallfahrt. Das Schloß selbst wechselte damals häufig den Besitzer.


Die romanische Kirche St. Stephanus stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist damit das älteste erhaltene Baudenkmal im Gemeindegebiet. Sie war wie die Olchinger Kirche ursprünglich eine Filiale der Pfarrei Emmering (heute eine Filiale der Pfarrei St. Elisabeth in Esting).


Im 20. Jahrhundert verlagerte sich der Bevölkerungsschwerpunkt aus dem Dorfkern in die aufstrebende Wohnsiedlung Neu-Esting nördlich der Bahnlinie München - Augsburg. Die rapide Bevölkerungsentwicklung nach 1945 - auch in Esting gefördert durch die Niederlassung von Heimatvertriebenen - ließ Esting bis 1978 zu einer Gemeinde von 5000 Einwohnern anwachsen.

 

Geiselbullach und Graßlfing

In der Flur am "Buelach" (gemeint ist vermutlich ein Buchenwald), in der Nähe der Amper, überließ Bayerns Kurfürst Max Emanuel seinem Hofkammerrat Adam Geisler 1724 ein großes Areal zur Bewirtschaftung und verlieh ihm das Adelsprädikat "von Geiselbullach". Der geadelte Beamte erbaute ein Schlößchen mit eingefriedetem Park und eine Kapelle zu Ehren des Hl. Johannes Nepomuk sowie Häuschen für abhängige "Gütler" und Handwerker. Mangelndes wirtschaftliches Geschick machten ihm und seinen häufig wechselnden Nachfolgern die Wirtschaftsführung des Gutes nicht leicht. Erst der aus Udine kommende Kaufmann Alois Sabbadini scheint das nötige Gespür besessen zu haben. Unter seiner Zeit entstand 1816 der Turm zu der Kapelle, die sechs Jahrzehnte zuvor ein Schloßbesitzer, der Hofmaler Johann Adam von Schöpf, in feinstem Rokoko ausgemalt hatte.


1918 erwarb die aus Ungarn stammende Familie Raadts das Schloßgut. Ernst Raadts machte daraus einen Musterbetrieb. 1947 wurde er Landrat des Landkreises Fürstenfeldbruck. Heutiger Besitzer des Schlosses ist die Familie Stürzer, die das Anwesen aufwendig restauriert hat.


Graßlfing gehörte zwar verwaltungstechnisch seit dem 19. Jahrhundert zur Gemeinde Geiselbullach, kann jedoch auf eine lange eigene Geschichte zurückblicken. Wie Grabungen auf dem Gebiet des heutigen Golfplatzes ergaben, lassen sich seine Ursprünge bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen. Eine erste Erwähnung der Siedlung findet sich in einer Quelle des Klosters Schäftlarn von 1200. Neben Schäftlarn besaßen auch Ettal und Fürstenfeld Grundeigentum in der Graßlfinger Flur. Diese Besitzungen wurden gewinnbringend verpachtet.


1605 erwarb Kurfürst Maximilian I. die Gehöfte in Graßlfing und faßte sie zu einer "kurfürstlichen Schwaige" zusammen. Vor allem Pferde wollte er in diesem herrschaftlichen Mustergut züchten. Das Gestüt umfaßte zeitweise 300 Pferde und hatte eine Gesamtnutzfläche von 3.280 Tagwerk.


Nach dem Erlöschen der altbayerischen Kurlinie (1777) verkaufte man die Schwaige, die jedoch Kurfürst Karl Theodor schon 1783 zurück erwarb, um sie zu Jagden zu nutzen und sie 1791 einer Mätresse zu vermachen. 1818 ging das Gut in den Besitz des Militärfiskus über, der aus Graßlfing ein "Remontedepot" für die Kavallerie machte. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs verwaltet der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) die Gebäude und dazugehörenden Gründe.


Der berühmte Maler Wilhelm Leibl, ein Angehöriger der "Münchner Schule", hielt sich 1872-1876 in Graßlfing auf. Auch der Komponist und Kirchenmusiker Heinrich Kaspar Schmid, war seit 1933 Bürger der Gemeinde Geiselbullach. Von überregionaler Bedeutung war auch das Wirken von Karl Sonner, der 1927 in Graßlfing eine Malschule eröffnete und sich als Lüftlmaler einen Namen machte. Sein bekanntestes Werk ist der Zyklus von Wandmalereien (1924/25) an der Außenwand der Estinger Schloßkapelle.

 

Die Neuzeit ließ die drei Gemeinden immer näher zusammenrücken, ohne dass jede ihre Identität aufgegeben hätte. Trotz aller - zum Teil heute noch aktueller - Kritik an der Gebietsreform sollte die gemeinsame Geschichte eine gute Grundlage für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen in der Gegenwart und Zukunft sein. Für eine vertiefende Beschäftigung mit der Lokalgeschichte wird auf die „Geschichte der Gemeinde Olching" von Konrad Bauer, Tobias Weger und Fritz Scherer (Verlagsanstalt Bayerland, Dachau 1994) verwiesen (vergriffen, Neuauflage geplant).

 

2011 wird Olching Stadt

 

2011 war das Jahr der Stadtwerdung Olchings. Bereits 1998 hatte Olching die 20.000-Einwohner-Grenze überschritten. Damals bildete der Gemeinderat einen Arbeitskreis, der die Stadtwerdung Olchings zum Ziel hatte - leider ohne Erfolg. In den Jahren darauf galt Olching als einwohnerstärkste Gemeinde Bayerns, die nicht den Titel „Stadt" trug.

 

Die Bestrebungen, Stadt zu werden, wurden einige Jahre später wiederaufgegriffen. Am 20. Mai 2010 beschloss der damalige Gemeinderat einstimmig, die Stadterhebung zu befürworten. Zu diesem Zeitpunkt bat Olching schon seit Jahren all jene Infrastruktur, die eine Stadt ausmacht - es hatte die nötige Einwohnerzahl und zog zahlreiche Besucher aus dem Umland an, die Olching seit Jahren als Stadt wahrnahmen. Diesmal nahm das Bayerische Innenministerium den Antrag an. Am 19. Juni übergab der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann dem Ersten Bürgermeister der Stadt Olching, Andreas Magg, im Beisein von rund 1.800 Bürgerinnen und Bürgern im Festzelt auf dem Olchinger Volksfest die Stadterhebungsurkunde. Die Gemeinde Olching, die 2011 mehr als 25.000 Einwohner aufwies, wurde zur Stadt Olching. Unter dem Motto „Gemeinsam Stadt sein" wurden die Feierlichkeiten begangen.

 

Tobias Weger

Überarbeitet und ergänzt durch

Dietrich Steinerstrauch, Fritz Scherer und die Stadt Olching


Literaturhinweis:
Konrad Bauer, Fritz Scherer, Tobias Weger: Geschichte der Gemeinde Olching. Olching, Esting, Geiselbullach, Graßlfing. Dachau 1994.

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